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Die Gehälter in der IT-Wirtschaft steigen - aber nicht so rasant, wie man vielleicht vermuten könnte. Eine neue Erhebung zeigt, dass Berufseinsteiger auf 3.000 Euro brutto pro Monat kommen, mit zunehmender Erfahrung fällt auch der Gehaltsscheck immer üppiger aus. Und es kommt darauf an, ob man im Süden oder Norden wohnt, in der Bank oder im Call Center angestellt ist. Vor allem ein IT-Bereich zählt zu den großen finanziellen Gewinnern ...

IT-Wirtschaft: Wer verdient was?

Als Berufseinsteiger verdienen IT-Fachkräfte im Schnitt 36.278 Euro. Das zeigt eine Erhebung der Gehaltsspezialisten von Compensation Partner in Kooperation mit der Computerwoche, die von Mai bis August 15.579 Daten von Beschäftigten erhoben hatten.

Mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung geht’s für IT-Fachkräfte rauf auf 49.991 Euro. Bis zu zehn Jahre Erfahrung werden mit 56.252 Euro entlohnt und erfahrene IT-Fachkräfte mit über zehn Jahren Berufserfahrung kassieren richtig ab: 63.820 Euro. Damit verdienen langgediente IT’ler annähernd doppelt so viel wie Frischlinge.

Insgesamt stiegen die IT-Gehälter 2016 um 2,2 Prozent - das ist vergleichsweise wenig. Ist der von Verbänden wie der Bitkom ausgerufene Fachkräftemangel doch nicht so groß - oder haben wir es vielmehr mit einem Skills Mismatch zu tun?

Denn nicht jeder IT-Bereich hat Hochkonjunktur ...

IT-Gehälter: Welcher Abschluss bringt am meisten?

Der Arbeitsmarkt kennt dieses Naturgesetz: Je besser der Abschluss, desto höher das Gehalt. Für Informatiker gilt das prinzipiell auch, aber mit Einschränkungen. So steigen IT’ler mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung mit durchschnittlich 48.170 Euro brutto pro Jahr ein, mit Meistertitel oder einer Weiterbildung zum Fachwirt steigern sie sich auf 57.000 Euro und liegen damit schon über den Bachelorabsolventen.

Denn für die Bacheloren stehen im Schnitt "nur" 50.000 Euro zu Buche, Master-Absolventen wiederum bringen 60.151 Euro mit nach Hause. Die finanzielle Lücke zwischen Bachelor und Master ist also beträchtlich. Aus rein finanziellen Erwägungen ist ein Bachelor-Titel ohne zusätzlichen Master also eher nicht erstrebenswert, liegt er doch sehr ungünstig in der Sandwich-Position zwischen Ausbildung und Master.

Das Diplom wiederum erhöht die Gehaltsaussichten noch einmal um ein gutes Stück. Ein FH-Diplom bringt 68.392 Euro im Schnitt, ein Uni-Diplom 70.410 Euro. IT-Experten mit Doktortitel stehen erwartungsgemäß an der Spitze der Pyramide - mit 73.749 Euro. Aber: Der Abstand zu Diplomern und Mastern ist nicht so groß, als dass sich die aufwändige Doktorarbeit definitiv lohnen würde.

IT-Wirtschaft: In welchem Beruf verdiene ich am meisten?

Das Buzzword Industrie 4.0 steht für Vernetzung, Automatisierung, technischen Fortschritt - aber eben auch für anfälligere Produktionsketten und eine verwundbare IT-Infrastruktur. Für IT-Security nehmen die Unternehmen folgerichtig mehr Geld in die Hand. IT-Sicherheitsleute zählen zu den großen Gewinnern der Erhebung. Ihr Gehalt stieg binnen zwei Jahren von 63.000 auf jetzt 71.070 Euro brutto jährlich - das ist Platz eins.

Über die 70.000-Euro-Schwelle hüpfen sonst nur IT-Projektleiter, IT-Leiter bleiben knapp darunter. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht zwangsläufig um Stellen mit Personalverantwortung, gerade kleinere Unternehmen beschäftigen oft nur einen IT-Leiter als One-Man-Show. SAP-Berater und IT-Berater folgen auf den Plätzen vier und fünf.

Am unteren Ende der Rangliste liegen IT-Fachkräfte im Anwender-Support (43.000 Euro) und Web-Entwickler (37.000 Euro). Und der Druck wächst vor allem für Mitarbeiter in Support und Administration weiter, das Gespenst namens Outsourcing ist noch längst nicht von der Bildfläche verschwunden.

IT-Fachkräfte Gehalt
IT-Sicherheit 71.070 Euro
IT-Projektleitung 70.267 Euro
IT-Leitung 69.492 Euro
SAP-Beratung 68.552 Euro
IT-Beratung 67.005 Euro

IT-Wirtschaft: In welcher Stadt zahlt sie am besten?

In Frankfurt wachsen die IT-Gehälter in den Himmel. Um 20,7 Prozent liegen sie in der Bankenmetropole über dem Bundesschnitt. Auch in München (+19,4 Prozent) und Stuttgart (+14,3 Prozent) wird überdurchschnittlich gut gezahlt.

Am geringsten sind die Gehälter in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und - trotz positiver Tendenz - Thüringen. Auch in Dresden liegen sie deutlich unter dem Schnitt.

Aber: Es gibt nicht nur ein Ost-West-, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle. So verdienen IT-Fachkräfte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zehn bis 15 Prozent weniger als der Bundesdurchschnitt.

IT-Fachkräfte: Welche Branchen lohnen sich?

Auch innerhalb der Wirtschaftszweige sind die Gehälter ungleich verteilt. Unternehmen aus der Konsumgüterbranche zahlen am meisten, dahinter folgen Chemie, Medizintechnik, Halbleiter und Pharma. Auf Platz neun im Ranking - und damit erstaunlich weit hinten - befinden sich die Banken. Allerdings ist der Abstand zu den Top-Plätzen sehr gering.

Weniger gut zahlen Krankenhäuser, Einzelhändler und Autohäuser. Am schlechtesten sind die Verdienstmöglichkeiten für IT-Fachkräfte in Call Centern, Hotels, Gaststätten und im Handwerk. In der Zeitarbeit kommen Informatiker auf fast 64.000 Euro - das ist immerhin mehr als in einem halben Dutzend anderer untersuchter Branchen.

Branchen Gehalt
Konsum- und Gebrauchsgüter 84.930 Euro
Chemie, Verfahrenstechnik 84.650 Euro
Medizintechnik 84.553 Euro
Halbleiter 84.101 Euro
Pharma 83.981 Euro
Feinmechanik, Optik 83.397 Euro
Maschinenbau 83.261 Euro
Anlagenbau 82.505 Euro
Banken 82.232 Euro
Software 74.827 Euro
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Krankenhäuser 68.981 Euro
Einzelhandel 66.974 Euro
Öffentliche Verwaltung, Behörden 66.387 Euro
Zeitarbeit 63.932 Euro
Soziale Einrichtungen 62.958 Euro
Gesundheitswesen 62.817 Euro
Autohäuser 62.473 Euro
Call Center 61.804 Euro
Hotels und Gaststätten 61.292 Euro
Handwerk 60.545 Euro

[Quelle: Vergütungsstudie IT-Funktionen 2016/2017 (Compensation Partner/Computerwoche), Bildnachweise: Irina Yuzh by Shutterstock.com ]