Die Beziehung zu Headhuntern ähnelt einer Art Hassliebe. Nach außen fungieren sie wie eine Modelagentur, im Binnenverhältnis beginnt bei ihnen bereits der Bewerbungsprozess, meist mit dem legendären Satz: „Können Sie gerade frei sprechen?“
Natürlich ist es ein gutes Gefühl, wenn der Kopfjäger klingelt, um einem eine neue Herausforderung anzubieten. Klasse, Sie sind auf seinem Radar. Nur machen Sie jetzt bitte nicht den Fehler, zu fragen, wie er auf Sie gekommen ist! Schneller kann man sich nicht ins Aus schießen. Sie sind ein Top-Kandidat – er musste auf Sie kommen! Und selbst wenn der Personalberater nicht anruft, um Ihnen ein Angebot zu unterbreiten, sondern weil er einen Rat, einen Kontakt oder eine Referenz von Ihnen sucht, ist das gut: Er hält Sie für kompetent, ihm in dieser Frage zu helfen. Und das sollten Sie auch tun. Damit positionieren Sie sich gleichfalls als Fachkraft und Marktkenner – und die wenigsten Headhunter vergessen einen solchen Gefallen.
Dumm nur, wenn die Headhunter bei allen anderen anrufen – nur nicht bei Ihnen. Das kratzt gewaltig am Ego. Und nährt die Zweifel, ob man wirklich die Spitzenkraft ist, für die man sich selber hält.
Schon möglich. Es kann aber auch sein, dass Sie einfach nicht genug auf sich aufmerksam gemacht haben. Bevor Sie jetzt allerdings loslegen, sämtliche Headhunter anrufen und Ihren Lebenslauf als Massenmail verteilen – so geht’s nicht. Erstens ist das peinlich, zweitens deklassiert Sie das zum Bittsteller.
Tipps für den Umgang mit Headhuntern
- Wer noch am Anfang seiner Karriere steht, sollte sich vielmehr in (Online-)Netzwerken engagieren oder hochkarätige Veranstaltungen besuchen, zu denen auch Personalberater erscheinen, und diese dort eher zufällig am Buffet oder bei einem Glas Sekt kennenlernen. Wer dann Interesse bekundet, dem können Sie anschließend gerne noch einen persönlichen Brief (ohne Lebenslauf) schicken, sich für das nette Gespräch bedanken und wünschen, dass man doch in Kontakt bliebe. Gut ist natürlich auch, wenn Sie ebenfalls ein paar gute Worte und Empfehlungen für kompetente Kollegen übrig haben. Grund: siehe oben.
- Für Manager in einer gehobenen Position ist diese Strategie allerdings nur bedingt geeignet. Kaltakquise verbietet sich für sie. Anbiederei erst recht. Hier hilft nur über Bande zu spielen: Wer auf sich aufmerksam machen will, muss das über die Empfehlung eines Dritten tun. Das ist ohnehin der eleganteste Weg. Pflegen Sie also nicht nur Kontakte zu Headhuntern, sondern knüpfen Sie auch rechtzeitig Beziehungen zu Leuten, die ihrerseits mit der Personalberatern dicke sind.
Bevor Sie irgendjemand anruft, wird der Berater stets zwei Vorarbeiten leisten: Er wird Ihr Profil recherchieren – und er wird sich fragen, wie gut die Referenz ist, die Sie empfohlen hat. Ihre Reputation wirkt also umso stärker, je mehr hochkarätige Fürsprecher Sie gewinnen. Wenn Sie noch kein solches Netzwerk haben, fangen Sie sofort damit an, eines aufzubauen!
Und bitte: Tanzen Sie nicht auf allen Hochzeiten! Ihren Lebenslauf sollten wirklich nur ausgewählte Personalberater erhalten. Wer seine Daten wie Schrot verschießt, schadet sich nachhaltig. So jemandem haftet der Ruch der Prostitution an. Und da selbst Personalberater ihre Jobs wechseln, spricht sich das in der Branche bald herum.
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Schwab
Man kann sich natürlich initiativ beim Headhunter melden. Auch bei mehreren Beratungen, ohne sich gleich zu prostituieren!
Aber man darf auf keinen Fall die Erwartung haben.., wenn ich aktiv Kontakt zu “meinem” (bei dieser Aussage sträuben sich mir regelmäßig die Nackenhaare) Headhunter aufnehme, sucht er für mich die geeignete Vakanzen..denn ACHTUNG! …so läuft es nicht!!!..wir suchen für den Kunden (Unternehmen) geeignete Kandidaten und leider nicht umgekehrt. Das machen in der Regel Personalvermittlungen. Dennoch erhöht der Kontakt zu Headhuntern das eigene Netzwerk und somit die Chancen und er wird sie in seine Datenbank mit aufnehmen..und wer weiß, vielleicht hat er nach ein paar Monaten genau einen Suchauftrag indem er ihr Profil sucht!
Cribb
Vielen Dank, Herr Kollege! Mit Ihrem Rat sprechen Sie uns sicherlich allen aus der Seele.
Mir läuft heute noch ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich an den Ausspruch eines Kandidaten von jüngst denke: “Gute Nachrichten, ich möchte mich verändern, jetzt können Sie mal richtig Geld mit mir verdienen.”
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