Ältere Arbeitnehmer gelten als Auslaufmodelle. Trotz des Arbeitskräftemangels fällt ihnen der Wieder-Einstieg ins Arbeitsleben schwer. So stand es aktuell in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Mehr noch: 40 Prozent aller Unternehmen beschäftigen gar keinen Mitarbeiter jenseits der 50 mehr. Und ein Siebtel aller deutschen Unternehmen gibt sogar offen zu, keine Älteren einzustellen. Denn sie gelten als wenig leistungs- und anpassungsfähig. Dabei ist ihr Qualifikationslevel höher als das jeder anderen Altersgruppe.

Aber liegt es wirklich nur am Alter?

Ich behaupte: nein. Schließlich beträgt die Arbeitslosenquote bei bei älteren Akademikern gerade Mal 3,5 Prozent – bei gering qualifizierten 35- bis 54-Jährigen dagegen 26 Prozent. Trotzdem zeigt das mediale Trommelfeuer Wirkung. Ältere trauen sich kaum noch, überhaupt Firmen anzusprechen. Oder sie bewerben sich auf Jobs, die weit unter ihrem Niveau liegen, um überhaupt reinzukommen. Schließlich gehören sie einer Generation an, der einst eingebläut wurde, dass man froh sein müsse, überhaupt Arbeit zu haben – egal als was.

Fast schon typisch dafür ist ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Frau, Mitte 50, frisch aus dem Ausland zurück. Sie spricht mehrere Sprachen fließend und war zuletzt Leiterin des Serviceteams einer Software-Firma. Ihre Aufgabe war es, die Installation des Programmpakets auf Firmenrechnern und die Schulung der Kunden und Mitarbeiter intern und extern zu koordinieren. Sie hatte sich in diesem Unternehmen zielstrebig entwickelt, und auch davor war es in ihrer Karriere immer nur aufwärts gegangen. Und jetzt? Sie suche “für den Anfang irgendwas im Büro, um überhaupt wieder reinzukommen. Man hat es ja nicht leicht in meinem Alter.” Zum Glück ließ sie sich das ausreden. Denn dort hätte sie – mangels entsprechender Qualifikation – nämlich gar keine Chance gehabt.

Perspektive ändern

Wichtig ist, dass ältere Bewerber aus der Defensive kommen und nicht als Bittsteller auftreten. Denn keiner muss sich für sein Alter entschuldigen. Schließlich steigt mit jedem Jahr auf dem Buckel die Erfahrung. Und damit können Sie punkten. In den 30 oder mehr Berufsjahren, die Sie meistern konnten, haben Sie alles gesehen. Nichts ist ihnen mehr fremd. Sie haben Ihre Fehler gemacht – und daraus gelernt. So sind Sie gereift.

Jetzt wissen Sie, was geht und was nicht – und vor Allem: wie. Ihre Routine macht Sie souverän. Selbst wenn die Bude brennt, bewahren Sie die Übersicht und treffen die richtigen Entscheidungen. Ihr Wissen geben Sie gern an die jüngere Generation weiter, von der Sie im Gegenzug mit aktuellem Fachwissen versorgt werden. So profitieren Sie beide – und natürlich auch Ihr Unternehmen. Und deswegen wird man Sie anstellen. Nicht trotz Ihres Alters. Was natürlich Folgen für Ihre Stellensuche hat: Weil Einstiegspositionen längst nicht mehr Ihre Liga sind, brauchen Sie mit den Jungen auch gar nicht zu konkurrieren.

Profil klären

Natürlich müssen Sie dafür den Wert Ihrer Potenziale richtig einschätzen, was erstaunlich vielen Älteren leider nicht gelingt. Aber das ist ja irgendwie auch verständlich: die haben sich über die Jahre “halt so ergeben”. Hier mal ‘ne Fortbildung, da sich etwas angeeignet, dort zusätzliche Aufgaben übernommen – was dabei zusammen kommt, ist für den Inhaber des Portfolios ganz normal. Für unvoreingenommene Beobachter zeigt sich dagegen ein Füllhorn an Qualitäten, die Nutzen stiftend und damit Gewinn bringend einsetzbar sind.

Stellensuchende tun also gut daran, akribisch aufzulisten, welche Inhalte Ihre ausgeübten Tätigkeiten haben und welche Fähigkeiten es dafür braucht. Welche Verantwortung sie getragen und welche Kenntnisse sie erworben haben. Und dann über den Tellerrand hinaus zu blicken. Denn vieles davon ist auch auf andere Bereiche übertragbar, falls es mit dem direkten Weg in die nächst(höher)e Stelle nicht klappen sollte.

Bei dieser Potenzialklärung ist es oft hilfreich, einen erfahrenen Coach zu Rate zu ziehen. Er unterstützt Sie bei der Suche nach Ihren Fähigkeiten. Er hält ihnen sozusagen den Spiegel vor und zeigt damit, was wirklich in ihnen steckt. Er kann ihnen auch sagen, wie aktuell Ihre Kenntnisse sind, wie und wo Sie sie einsetzen können, und wie Sie sich am Besten präsentieren können. Außerdem zeigt er Ihnen Wege, die Sie selbst vermutlich nicht finden würden. Das ist zwar nicht ganz billig, lohnt den Einsatz aber allemal: schließlich winkt eine Stelle, die Ihnen wirklich angemessen ist.

Ziele setzen

Um einen Weg zu finden, muss aber erst Mal ein Ziel her: jeder Arbeitsplatzwechsel ist ein Aufbruch zu neuen Ufern – und Sie müssen den Kurs bestimmen. Ausgangspunkt dafür kann beispielsweise Ihre letzte Stelle sein. Überlegen Sie sich doch einfach Mal, ob da wirklich noch alles perfekt war. Oder gab es vielleicht Aufgaben, die Sie gerne schon längst abgegeben hätten? Andere Sachen, die Sie lieber gemacht hätten? Vielleicht war Ihnen Ihr letzter Arbeitsplatz ja auch längst zu klein?

Klären Sie, wie die Stelle aussieht, die zu Ihren Kompetenzen passt – und welche Erwartungen Sie damit verbinden. Und dann gehen Sie gezielt auf die Suche nach passenden Arbeitgebern und unterbreiten denen Ihr Angebot. Werden Sie selbst aktiv statt auf die passende Stelle zu warten. Nutzen Sie jede Möglichkeit, mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen, und präsentieren sich ihm als Problemlöser. Gerade das sollte Ihnen dank Ihrer Erfahrung ja leicht fallen.

Alternativ wechseln Sie von der aktiven in die vermittelnde Rolle. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihr in langen Berufsjahren erworbenes Fachwissen weiterzugeben. Zeigen Sie den Jüngeren alle Tipps und Kniffe, wie sie die Hürden Ihres Berufes besser meistern können. Zum Beispiel als Ausbilder, der seine Kenntnisse an Jugendliche vermittelt. Als Dozent, der in Seminaren sein Wissen an Nachwuchskräfte weitergibt. Oder als selbständiger Berater, der Unternehmen unterstützt, Prozesse zu optimieren und Mitarbeiter-Potenziale besser zu nutzen.

Oder Sie machen ganz etwas Anderes.Vielleicht gibt es ja einen lang gehegten Wunsch, den sie gern wahr werden ließen? Zögern Sie nicht, die Chance zur Umsetzung zu nutzen, denn eine bessere Gelegenheit gibt es nicht. Denn momentan sind Sie frei, aufbrechen müssen Sie sowieso, und als Mittfünfziger haben Sie ja wahrscheinlich das Gröbste hinter sich. Die Kinder sind aus dem Haus und stehen finanziell auf eigenen Beinen. Die Hypotheken sind abgetragen, sie haben ordentlich fürs Alter vorgesorgt und vielleicht sogar Rücklagen gebildet, mit denen Sie eine gewisse Durststrecke überbrücken können. Das sind ideale Bedingungen, nochmal etwas Neues zu versuchen – wenn Sie möchten.

Fazit

Wenn Ältere keine Chance auf Wiedereinstellung haben, liegt das nicht (allein) an ihren Lebensjahren. Schließlich stehen in Deutschland 7,2 Millionen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren in Lohn und Brot. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrung auch dann die Stützen des Betriebs, wenn sie nicht zu den – ebenfalls meist älteren – Führungskräften zählen. Das allerdings übersehen alle, die ihr Alter als Problem ansehen und deswegen als Bittsteller auftreten. Sie scheitern, weil Arbeitsplätze keine milden Gaben, sondern mit konkreten Leistungserwartungen verbunden sind. Gerade hier gibt es in der Regel aber mehr als genug, mit dem sie punkten können. Sie müssen es nur am richtigen Ort tun.

Wenn Sie bei der Umsetzung auf Probleme stoßen, sollten Sie sich kompetente Unterstützer holen. Oft hilft schon ein Freund oder Familienmitglied, besser ist in der Regel aber ein kompetenter Coach, der Ihnen beim Heben Ihrer Schätze und beim Formulieren der Bewerbungen hilft, wenn Sie schon länger keine mehr geschrieben haben. Alternative: Sie lassen sich von diesem Artikel und unseren kostenlosen Mustern fürs Bewerbungsanschreiben inspirieren.

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