Kein Bewerbungsgespräch ohne Personalerfragen. Weit über 100 davon finden Sie in diesem Blog. Viele davon sind sinnvoll, andere so geistreich wie alkoholfreies Bier. Lehrbuchfragen mit pseudo-psychologischem Hintergrund, deren Antworten so vorhersehbar sind wie Vollmond. Reine Zeitverschwendung also. Es sei denn, eine(r) hätte mal den Mut, die ungeschminkte, nackte Wahrheit auf den Tisch zu packen. Die will zwar keiner wirklich hören, aber erfrischend wäre es. Deshalb, daher und darum (und weil der erste Teil gut ankam) gibt es heute noch mehr brutal ehrliche Antworten auf typische Bewerbungsfragen – die wir aber nicht zur Nachahmung empfehlen. Nicht wirklich.
Was wäre für Sie eine ideale Arbeitssituation?
Ich habe inzwischen herausgefunden, ideal wäre, gar nicht zu arbeiten. Oder zumindest nur Anweisungen zu geben und den lästigen Kram zu delegieren. Geradezu begeistert bin ich, wenn der Job ein hohes Gehalt und Prestige mitbringt und sich dennoch in wenigen Stunden erledigen lässt. Vertrauensarbeitszeit finde ich übrigens ganz wichtig. Ebenso freies Internet. Bei meinem bisherigen Arbeitgeber konnte ich bis zum Jahresgespräch einige dieser Ziele erfolgreich erreichen. Jetzt möchte ich das weiterentwickeln und suche nach einer neuen Herausforderung…
Warum sollten wir Sie einstellen?
Ich dachte, das wäre ein feiner Zug, nachdem ich in meiner Masterarbeit eine Studie für Sie erstellt habe, die Sie an Ihre Kunden verkaufen konnten und ich die letzten zwei Jahre als Praktikantin für 600 Euro den Job von Frau Meier mitmachen durfte, die jüngst wegen Burnouts gekündigt hat…
Was ist Ihre größte Schwäche?
Ich bin schwanger.
Was motiviert Sie?
Geld. Je mehr, desto mehr. Mit Bier ist es dasselbe. Aber das dauert länger und man(n) bekommt davon Brüste. Sex funktioniert natürlich auch. Aber keine Sorge: Sie sind definitiv nicht mein Typ. Nicht mal mit Bier.
Erzählen Sie mir davon, wie Sie einen Kollegen kritisieren mussten.
Das ist interessant, dass Sie das fragen. Erst kürzlich habe zu meinem Büronachbarn gesagt: “Wenn du mir noch mal meine Idee klaust und im Meeting als deine verkaufst, bekommt das Controlling einen anonymen Brief, Sie sollen deine Spesenabrechnung vom Dezember noch mal checken. Insbesondere den Punkt: Kundenakquise in Budapest.” Tschakalaka hat der geguckt! Aber seitdem macht der Männchen, wenn er mich sieht.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Ich habe Ihnen geschrieben, dass mich meine fünfjährige Erfahrung im Optimieren von Abläufen in die Lage versetzt, auch in Ihrem Unternehmen zahlreiche Kosten zu sparen und die Produktion kontinuierlich zu verbessern. Und Sie haben das geglaubt.
Was reizt Sie an unserem Unternehmen?
Ehrlich? Nichts. Der Laden ist so langweilig wie Toast. Aber sechs Monate Arbeitslosigkeit sind auch nicht gerade Ferien auf Saltkrokan. Außerdem klang die Stellenbeschreibung nach einem lauen Job, und ich müsste dafür nicht einmal umziehen. Wenn jetzt noch das Gehalt stimmt, könnte ich sogar zwei Mal im Jahr Urlaub machen.
Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?
Koala.
Was war die wichtigste Lektion Ihres Studiums?
Von dem, was du hier hörst, kannst du allenfalls fünf Prozent gebrauchen. Aber solange die Note stimmt, interessiert sich nicht mal Vroniplag dafür, dass die meisten Bullshit labern. Achso, und: Wenn du billiges Besteck für deine Bude brauchst, geh in der Mensa essen.
Was würden Sie tun, wenn Sie im Lotto gewinnen?
Bestimmt nicht mehr hier arbeiten.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie ein “Nein” als Antwort erhalten?
Offen gestanden: Ich kann da bis heute nicht gut drauf. Das letzte Mal, als das einer zu mir gesagt hat, bekam ich drei Monate auf Bewährung. Ich weiß gar nicht, wo der Typ mit seiner Familie inzwischen hingezogen ist. Aber meine beiden Brüder hören sich gerade um, die sind durch ihr Inkasso-Unternehmen ganz gut verdrahtet. Und Sie wissen ja, man begegnet sich immer zwei Mal im Leben. Jetzt bin ich aber mal dran mit fragen: Werden Sie mich einstellen?
Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie Ihre Tagesaufgaben unmöglich alle schaffen können?
1. Einen glaubhaften Schuldigen finden.
2. Feierabend.
Wie mache ich mich in Ihren Augen als Interviewer?
Hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaha.
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bee
Hihi das ist aber schon seeeeehr ehrlich!
Kathrin Schuller
Auf jeden Fall wäre das mal ein unterhaltsames Bewerbungsgespräch und bleibt im Gedächtnis :)
Mirko
Herrlich ;)
Lukas
Hm, so laufen doch alle meine Bewerbungsgespräche irgendwie ab. Und nächste Woche hab ich wieder Zwei. Irgendwann muss es doch mal klappen ?
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Lenni
Lustig. Auch wenn es noch härter geht!
Wenn man einen sicheren Job hat, kann man ruhig mal ein Gespräch so führen. Das stärkt das Ego. Scheiß Personaler. :P
Eippy
so ähnlich hat sich glaub auch der Röttgen um den Ministerposten in NRW beworben:-)
Helen
Hallo Zusammen,
meine persönliche Meinung – insbesondere nach über fünf Jahren auf der Interviewer Seite des Tisches beim Vorstellungsgespräch ist folgende: es ist gar nicht so entscheidend was man sagt, sondern wie souverän man auf unterwartete Fragen reagiert. Man kann sich nicht auf ALLE möglichen Fragen vorbereiten, man kann sich aber darauf vorbereiten spontan, schlagfertig und souerverän zu reagieren.
Mehr dazu hier: http://www.lipstickandlaptop.de/?page_id=299&preview=true
Viele Grüße,
Helen
Jan
Sehr schön – in dem Bewerbungsgespräch wäre ich gerne dabei gewesen ;-)
Consultant
Echte Realsatire. Weiteres Beispiel aus dem Bewerberalltag gefällig?
(Nach dreistündigem Vorstellungsgespräch in den Räumen einer
Ingenieurdienstleistungsbude im Automobilumfeld mit allseitiger Schulterbeklopfung von Projektleiter und Personaler endlich die Antwort auf die Gretchenfrage:) Wir bezahlen übertariflich, unseren hohen Ansprüchen angemessen und orientiert an der IG Metall. Für Sie bedeutet das 40’000EUR. Ist das ein Angebot?
Pro Quartal? I. d. T. ein verlockendes Angebot – nämlich unser zunehmend unerquickliches Gespräch genau an diesem Punkt zu beenden. Was Sie suchen ist ein ehrgeiziger indischer Studienabgänger der sich gerne ausbeuten läßt oder eine Putzfrau mit Zusatzqualifikation und keinen zertifizierten Projektmanager mit 15-jähriger, einschlägiger Berufserfahrung.
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