Job annehmen, den man nicht will?
Jeder Bewerber kennt das Gefühl: Man schreibt unzählige Bewerbungen, sucht Stellen, bis sich der Kopf dreht, hofft auf Vorstellungsgespräche, schreibt weitere Bewerbungen und beginnt dann noch einmal von vorn. Doch wie umfangreich die eigene Jobsuche auch gestaltet wird, es gibt immer diesen einen Job, auf den man ganz besonders hofft. Auf der anderen Seite sind bei der Fülle an Bewerbungsschreiben auch einige Stellen dabei, bei denen man sich unsicher ist, ob man sie überhaupt haben will. Wie das Schicksal so spielt, kommt jedoch genau für diesen Job eine Zusage und wirft die Frage auf: Sollte man einen Job annehmen, den man eigentlich gar nicht will oder das Risiko eingehen, den Job ausschlagen und auf ein anderes Angebot hoffen?

Woran liegt es, dass Sie den Job nicht wirklich wollen?

Warum hat man sich überhaupt beworben, wenn man den Job bei einer Zusage dann doch nicht machen will? Diese Frage müssen sich Bewerber stellen, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ein Jobangebot abzulehnen. Bei der Recherche ist man in den Stellenanzeigen auf genau diese aufmerksam geworden und fand Arbeitgeber und Aufgabengebiet so überzeugend, dass man die Zeit und Mühe investiert hat, überzeugende Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen.

Woher kommt also der Sinneswandel? Dies muss nichts mit fehlender Beständigkeit, flatterhaftem Verhalten oder gar Angst vor dem neuen Job zu tun haben. Viele Jobsuchende, gerade wenn sie noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen, wissen schlichtweg nicht genau, was sie von einer Position erwarten. Manchmal wird erst im Verlauf der Bewerbungsphase klar, auf welche Punkte man wert legt - dann sind jedoch bereits einige Bewerbungen verschickt, die man unter den neuen Gesichtspunkten vielleicht noch einmal überdacht hätte.

Um zu verstehen, warum man den Job nicht machen will, sollte man sich deshalb genau überlegen, was man sich von seiner zukünftigen Stelle wünscht.

  • Welche Aufgabenbereiche interessieren Sie?
  • Wie wollen Sie sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
  • Was erwarten Sie vom Arbeitgeber?
  • Wie viel wollen Sie verdienen?
  • Wären Sie bereit, für Ihren Job in ein anderes Bundesland zu ziehen?
  • Was für eine Art von Chef erwarten Sie?
  • Wie wichtig ist Ihnen die Arbeitsatmosphäre?

Je genauer Sie Ihre Vorstellungen definieren können, desto leichter wird die Entscheidung fallen, ob Sie den Job annehmen oder ablehnen sollen.

Wann es richtig ist, das Angebot abzulehnen

Goodluz/shutterstock.comBewerbern fällt es oft schwer, ein Jobangebot abzulehnen. Die einen finden es zu riskant und fürchten den Fall, keinen anderen Job zu bekommen und am Ende ohne Anstellung dazustehen. Andere bekommen regelrecht ein schlechtes Gewissen dem Personaler gegenüber, wenn Sie ein Angebot ausschlagen. Doch wer langfristig zufrieden und glücklich in seinem Job werden will, sollte sich nicht dazu genötigt fühlen, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, sondern dies nur tun, wenn er voll und ganz hinter der Entscheidung steht. Diese zwei guten Gründe sprechen dafür, das Jobangebot dankend abzulehnen, wenn es nicht das ist, was Sie tun wollen.

  1. Sie werden unglücklich

    Wer schon vorher weiß, dass der Job eigentlich nicht zu ihm passt, sieht sich später meist nur in der ersten Einschätzung bestätigt. Was folgt, sind quälend lange Arbeitstage, an denen Sie sich nur den Feierabend herbeisehnen. Spaß an der Arbeit wird schnell zu einem Konzept, dass Sie nur vom Hörensagen kennen und bereits nach kurzer Zeit wünschen Sie sich, den Job wieder an den Nagel zu hängen.

  2. Sie entwickeln sich nicht weiter

    Jede Station im Lebenslauf sollte auch dazu dienen, die eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen aber auch die Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Finden Sie sich in einem Job wieder, den Sie nicht machen wollen, besteht die Gefahr, dass Sie stagnieren. Sie zwingen sich zwar dazu, die anfallenden Aufgaben zu erfüllen, aber um Neues lernen oder mehr Verantwortung zu übernehmen fehlt die Motivation.

Warum es sinnvoll sein kann, den Job doch anzunehmen

Die Frage lässt sich allerdings auch von der anderen Seite aus betrachten, denn es gibt auch einige Argumente, die dafür sprechen, einen Job anzunehmen, obwohl es sich dabei nicht um die Stelle handelt, die man eigentlich haben wollte. Je nach Situation kann es trotzdem sinnvoll sein:

  • Sie sammeln Berufserfahrung. Gerade Berufseinsteiger haben es nicht immer leicht, ihre Traumstelle zu bekommen, da es noch an praktischer Erfahrung mangelt. Um in einigen Jahren aber genau diese Position zu kriegen, kann die dringend benötigte Berufserfahrung auch in einem anderen Job gesammelt werden.
  • Sie verdienen Geld. Geld allein ist als Motiv bei der Jobwahl meist kein guter Berater, doch wenn die finanzielle Situation angespannt ist, kann auch ein Job, den man eigentlich nicht machen wollte, aus der misslichen Lage heraus helfen.
  • Sie stellen zu hohe Erwartungen. Die Illusion des absoluten Traumjobs kann die Wahrnehmung anderer Stellen trüben und ins Negative drehen. Vielleicht passt der angebotene Job viel besser zu Ihnen, was Sie nicht sehen, da Sie nur noch die eine perfekte Anstellung im Kopf haben.
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