Job durchhalten oder hinschmeißen
Gefangen im falschen Job. So fühlen sich manche Arbeitnehmer. Chef mies, Job mies, Gehalt mies. Nichts passt mehr - und der einzige Gedanke, der einem morgens in den Sinn kommt: "Ich will hier raus!" Doch eine Kündigung ist scheinbar keine Option, weil man auf das Gehalt angewiesen ist und der Arbeitsmarkt aktuell auch nicht gerade auf einen wartet. Was also tun: verzweifelt resignieren, durchhalten - oder doch alles hinschmeißen? Zugegeben, die Lage ist nicht unbedingt rosig, aber sie ist auch nicht aussichtslos. Wie Sie das Beste aus der Situation machen können...

Durchhalten oder hinschmeißen? Sie sind nicht hilflos!

Stuhl-dreht-Job-Frust-LangeweileSchlechte Arbeitsbedingungen, stupide Aufgaben, schlechte Bezahlung - all diese Faktoren können einem den Spaß am Job gewaltig vermiesen. Statt Joblust herrscht nur noch Jobfrust.

Am schlimmsten ist dabei jedoch die latente Ohnmacht, das Gefühl der Hilflosigkeit, weil es - scheinbar - keinen Ausweg gibt. Das finanzielle Polster, die eigenen Qualifikationen oder die familiäre Situation lassen einem kaum Spielraum. Kündigung? Unmöglich! Entsprechend fühlen sich betroffene Arbeitnehmer ausgeliefert und als Spielball ihrer Vorgesetzten und externen Vorgaben.

Der Gedanke, jetzt sofort alles hinzuwerfen, ist verlockend. Dahinter steckt aber vor allem eines: ein Gefühl, ein Impuls, den Sie erst einmal verifizieren sollten. Tatsächlich sind Sie weniger hilflos, als Sie meinen. Den Job zu kündigen ist letztlich nur eine Option, nicht die einzige. Auch wenn es nicht leicht wird: Resignieren sollten Sie deshalb auf keinen Fall, sondern aktiv werden, die Lage und Ihre Optionen analysieren.

Auch auf die Gefahr hin, dass das ein wenig abgedroschen klingt - es ist wahr: Sie haben IMMER drei Optionen - Love it, leave it or change it, zu deutsch: Liebe es, verlasse es oder verändere es.

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Und gerade wenn "leave it" - also die Arbeitnehmerkündigung zurzeit keine Option für Sie darstellt, bleiben Ihnen immer noch zwei Alternativen.

Nur sagen wir auch ganz ehrlich und ohne zu beschönigen: Die Hände in den Schoß legen, können Sie nicht. Es wird kein Wunder geschehen, das Ihr Problem von alleine löst. Jammern, meckern, Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid helfen nie weiter. Besser wird es nur, wenn Sie das wirklich wollen und sich entsprechend reinhängen und aktiv werden. Zum Beispiel so...

Durchhalten: Zuerst die Lage analysieren

Der erste Schritt, um die aktuelle Situation zu verbessern, ist eine genaue Lagebestimmung und Analyse. Der Frust ist ja zunächst nichts weiter als ein Symptom. Wichtiger aber ist, dessen Ursachen zu erkennen - und diese später zu gestalten.

Deshalb stellen Sie sich bitte die folgenden Fragen:

  1. Was genau macht den Job mies?

    Vielleicht können Sie diese Frage mit einer ganze Myriade an Aspekten beantworten. Schreiben Sie diese bitte erst einmal in Ruhe auf - das befreit schon mal. Dann streichen Sie bitte alles akute und konzentrieren Sie nur auf jene Punkte, die schon eine ganze Weile so sind - also chronisch den Job vermiesen. Jeder hat mal einen schlechten Tag, der geht auch wieder vorbei. Entscheidender sind die jene Punkte, die Ihnen auch in Zukunft im Weg stehen.

  2. Was macht Ihnen am Job Spaß?

    Zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme gehört, dass Sie den Frustfaktoren auch die guten Seiten gegenüberstellen. Wo es Schatten gibt, muss es zwangsläufig auch Licht geben. Und jeder Job hat auch positive Facetten. Suchen Sie diese - sie könnten Ihnen später den Weg zu einer Veränderung weisen.

  3. Wie und wann hat sich der Job negativ verändert?

    Irgendwann einmal müssen die positiven Seiten der Position überwogen haben, sonst hätten Sie die Stelle nicht angenommen. Heute ist das anders. Untersuchen Sie also genau, wann und warum das gekippt ist: Haben sich Rahmenbedingungen verändert - im Unternehmen oder im Privatleben? Haben Sie sich verändert? Können Sie einen genauen Zeitpunkt und ein spezielles Ereignis ausmachen? Lässt sich das umkehren oder ist es ohnehin zeitlich begrenzt? Dann hätten Sie für das Durchhalten zumindest eine Perspektive

  4. Was davon ist Ihre eigene Schuld oder Ihr Versäumnis?

    Die Frage ist vielleicht die schwerste von allen, aber auch unverzichtbar, dass Sie hier ganz ehrlich zu sich selbst sind. Denn genau diese Hebel können Sie noch am ehesten umlegen und Ihre Lage damit wieder korrigieren. Selbst wenn Sie später doch noch die Option "Kündigung" wählen, ist es erforderlich, eigene Versäumnisse zu kennen, damit sie sich im nächsten Job nicht wiederholen. Sonst wiederholt sich die Geschichte, und Sie finden nie aus der Abwärtsspirale heraus.

  5. Welche Rolle spielt der Job für Sie?

    Der Job mag mies sein, aber besitzt er für Sie auch diesen Stellenwert, um derart Ihr Leben zu bestimmen? Manchmal ist es wichtig diese Frage zu stellen, um die Dinge wieder gerade zu rücken und ihnen die Priorität (zurück) zu geben, die sie auch verdienen. Womöglich ist es auch nur ein Job - und Familie, Freunden und Hobbys viel wichtiger. Sie können sich dazu auch noch die folgenden Anschlussfragen stellen und beantworten: Was macht mich wirklich glücklich? Warum ist mir dieses Ziel so wichtig? Welchen Job würden ich mir selbst geben?

  6. Was spricht für das Durchhalten und Ausharren?

    Auch wenn der Fluchtreflex noch so verlockend erscheint: Durchzuhalten kann aktuell klüger sein - zumindest zeitlich begrenzt. Zum Beispiel, weil es sich im Lebenslauf besser macht, wenn Sie nicht schon den dritten Job in der Probezeit hinschmeißen oder weil sich manche Dinge im Nachhinein und im Rückblick doch noch als lehrreich und weiterführend erweisen. Oft sehen wir erst mit genügend Abstand, dass der temporäre Frust nötig war, um uns in die richtige Richtung oder auf unseren eigenen Weg zurückzulenken.

Job Crafting: Arbeitsbedingungen beeinflussen

Dr. Amy Wrzesniewski von der Yale School of Management hat zusammen mit Kollegen eine einfache Studie durchgeführt. Sie beobachtete zwei Gruppen an Reinigungs- und Service-Mitarbeitern in Krankenhäusern. Die eine Gruppe gin ihren Aufgaben nach. Die zweite Gruppe tat das ebenfalls, übernahm jedoch zusätzliche Aufgaben und kümmerte sich beispielsweise um kleine Aufgaben und Erledigungen, auch für Patienten.

In Gesprächen zeigten sich massive Unterschiede: Während die erste Gruppe ihren Job erwartungsgemäß als mies beschrieb, empfand die zweite Gruppe ihre Arbeit als sinnvoll und wichtig. Aus diesen Ergebnissen entwickelten Dr. Amy Wrzesniewski und ihre Kollegen das sogenannte Job Crafting.

Job Crafting räumt Mitarbeitern die Möglichkeit ein, ihren Job zu gestalten und die Arbeitsbedingungen zu beeinflussen. Dabei muss es sich nicht um weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten handeln. Bereits kleine Änderungsoptionen - beispielsweise im Arbeitsablauf oder bei der Auswahl der Aufgaben und ihrer Reihenfolge - reichen schon aus, um Mitarbeiter zufriedener zu machen. Damit Job Crafting funktioniert, müssen sich natürlich Vorgesetzte und Mitarbeiter gleichermaßen einbringen. Die Wirkung rechtfertigt den Aufwand aber allemal.

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Durchhalten im Job: Lieben zu gestalten

Auch der mieseste Job bietet Arbeitnehmern in irgendeiner Art und Weise Chancen. Vielleicht sind es es Weiter- und Fortbildungen, die neue Qualifikationen bieten und dadurch langfristig neue Optionen eröffnen. Möglicherweise können Sie auch neue, zusätzliche Aufgaben übernehmen und so Ihr berufliches Profil erweitern und nicht zuletzt sichtbarer im Unternehmen werden.

Selbst wenn einige Ihrer Kollegen zur Misere am Arbeitsplatz beitragen, gibt es vielleicht andere Kollegen, mit denen Sie die Beziehung intensivieren können. So kann im Lauf der Zeit ein Netzwerk entstehen, das Ihnen auch in schwierigen Zeiten Rückhalt gibt und durch Krisen hilft.

Kurzum: Wenn aufgeben und hinschmeißen keine Optionen sind, müssen Sie etwas verändern. Dank der vorherigen Analyse sollten Sie dazu auch schon einige Ansätze identifiziert haben. Ansonsten...

  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Chef und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie sich beruflich verändern könnten.
  • Zeigen Sie die Bereitschaft, sich (wieder) mehr zu engagieren und ein neues Projekt zu übernehmen.
  • Erweitern Sie Ihr internes Netzwerk, womöglich haben Kollegen schon ähnliches durchgemacht und kennen schon eine Lösung.
  • Sprechen Sie auch mit der Personalabteilung, welche Optionen intern bestehen - angefangen bei Jobrotation über Fortbildung bis Auslandseinsatz.
  • Überlegen Sie aber auch, was Sie selbst zu investieren bereit sind - Freizeit, Geld - um sich weiterzuentwickeln und so mehr Bewegungsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt zu gewinnen.

Das alles kann zwischenzeitlich zu einer enormen Doppelbelastung führen und Sie an den Rand Ihrer Kräfte bringen. Aber betrachten Sie das Ganze bitte perspektivisch:

  • Wie alt sind Sie?
  • Wie viele Berufsjahre haben Sie noch vor sich?
  • Und wollen Sie die restliche Zeit so verbringen?

Selbst wer aktuell 50 ist, hat noch rund 17 Jahre Berufsleben vor sich. Eine lange Zeit, in der man sich durchaus noch einmal neu erfinden kann. Vielleicht müssen Sie dazu zwei Jahre lang mit Abendschule und Wochenendkursen in den sauren Apfel beißen und den Gürtel enger schnallen. Es bleiben dann aber immer noch 15 gute Jahre, auf die Sie sich freuen können.

Das aktive Gestalten Ihrer beruflichen Situation hat sogar noch zwei positive psychologische Nebenwirkungen:

  • Wer nur Dienst nach Vorschrift schiebt und Aufgaben als reine Pflichterfüllung betrachtet, kann daraus keine Befriedigung oder Erfüllung ziehen. Wer jedoch die Wirkung seiner Arbeit im Blick behält, kann darin auch Sinn finden - und damit neue Motivation.
  • Wer aktiv und perspektivisch nicht nur in, sondern auch an seinem Job arbeitet, fühlt sich nicht mehr als ohnmächtiges Opfer. Sie werden sehen: Einmal angefangen, ist es ein sich selbst verstärkender Prozess, aus dem Sie neue Kraft schöpfen können.

Gerade langfristig führt die Kombination neuer Arbeitsqualität, neuem Sinn und erweitertem Profil zu zunehmender Zufriedenheit. Kurz: Sie lernen, den Job neu zu lieben - und machen so das Beste aus der Situation.

Statt ausharren: Kündigen ohne neue Stelle?

Wenn nichts von dem obigen zutrifft und Sie partout auf keinen grünen Zweig im aktuellen Job kommen (erst recht, wenn der an die Gesundheit geht), sollten sie den Jobwechsel vorbereiten. Idealweise noch bevor Sie kündigen. So entsteht keine Lücke im Lebenslauf und auch nicht im Budget.

Wenn auch das nicht geht und Sie etwa unter Mobbing, Burnout oder anderen gesundheitlichen Folgen leiden, kann auch die sofortige Kündigung eine Alternative sein. Falls die Jobsuche danach etwas dauert, machen Sie sich keine Sorgen: Drei Monate zur beruflichen Neuorientierung sind völlig im Rahmen und noch keine Lücke. Erst darüber hinaus wird diese erklärungsbedürftig. Was aber auch kein Handicap ist. Viel wichtiger ist, dass Sie Ihren Abschied mit Anstand nehmen und immer professionell dabei bleiben. Wie das geht erfahren Sie in den folgenden Dossiers...

Dossiers zur Kündigung

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