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Der Anruf kam überraschend. Ihr Name sei Anita Carmen Lassak und sie habe das Herrenhemd zuende gedacht. Genauer gesagt habe sie ein Hemd erfunden, das nie mehr aus der Hose rutscht... das Jobbello. Ich musste lachen. Okay, es kommt vor, wenn Hemden nicht lang genug sind und man sich streckt oder bückt, dass der Stoff aus der Hose rutscht und dann von Hand wieder hinein geschoben werden muss. Aber ein Hemd, das praktisch von sich aus für einen glatten Halt im Gesäßbereich sorgt, nie mehr Maurer-Dekolleté... Ich witterte die Neuauflage des Herrenbody. Brrr. Aber nein, sagte Anita Lassak, das Jobbello sei ganz anders...

Jobbello Test: Patentierter Schnitt mit Auszeichnung

Schon im Jahr 2010 habe sie, Anita Carmen Lassak, eine andere Lösung gefunden und sich den Schnitt patentieren lassen. Danach habe sie im Oktober die Internationale Fachmesse für Erfindungen in Nürnberg, die IENA, besucht und damit prompt die Silbermedaille für außergewöhnliche Leistungen gewonnen. Mit ihrem jetzigen Geschäftspartner Bernd Rahmer habe sie dann die Lassak GmbH gegründet und das Jobbello zur Marktreife gebracht. Und jetzt, nun ja, müsse es an den Mann gebracht werden. Der wisse eben noch nichts von seinem Glück. Und wie gesagt: Es ist kein Body!

Vielmehr sorgt ein spezieller, acht Zentimeter hoher und straff sitzender Bund aus Elasthan (Lycra) dafür, dass das Hemd seitlich und am Gesäß eng anliegt und sich später kaum noch verzieht. Durch den speziellen Schriftzug werde auf dem Bund zusätzlich eine hoch-tief Struktur erreicht, die eine rutsch hemmende Wirkung erzeuge. Jedenfalls rutsche das Hemd nicht mehr aus der Hose.

Unsere Neugier war geweckt. Wir wollten das Hemd testen. Und liegt es nun, das Jobbello:

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Zugegeben, die 100 Prozent Baumwolle sind angenehm auf der Haut, das Hemd fällt allerdings deutlich kleiner aus als erwartet. Ich hätte eine Nummer größer nehmen sollen (oder vorher abnehmen). Der bügelfreie Stoff, made in Germany, stammt aus Fair-Trade-Produktion und hat dank moderner Web- und Veredelungstechnik eine Art Selbstglättungseffekt. Das sind schon mal Pluspunkte.

Das Hemd ist allerdings auch sehr dünn. Zu dünn, fast schon durchscheinend. Damit taugt das Jobbello nur als leichtes Sommerhemd oder eben mit T-Shirt drunter, was bei weißen Hemden eher ein Stilbruch darstellt. Ein klarer Minuspunkt.

Jobbello Test: Rutscht es aus der Hose oder nicht?

Doch zur wichtigsten Frage überhaupt: Rutscht es nun aus der Hose oder nicht?

Tatsächlich: Das Hemd hält, was es verspricht. Es sitzt straff in Hose und bleibt auch da. Selbst nach ein paar Dehn-, Bück- und Streckübungen bleibt es dort. Maurer-Dekolleté ade. Wobei: Welcher Maurer trägt schon weiße Hemden??? Na, egal.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ich gebe zu, ich hätte nie gedacht, dass man an einem Herrenhemd noch etwas neu erfinden kann. Mein Fehler. Aber hat die Welt auf diese Erfindung gewartet? Das glaube ich eben auch nicht.

Keine Frage, das Hemd macht, was es soll und der Hersteller verspricht. Wer sich darüber ärgert, dass seine Hemden ständig aus der Hose rutschen, kann sich so ein Jobbello zulegen - immer noch besser als einen peinlichen Herrenbody. Allerdings ist der Spaß auch nicht ganz billig. Mein Jobbello Slim Line kostet mal eben stolze 99,99 Euro - so wie alle anderen auch.

Und das ist vielleicht auch das größte Manko dieser Innovation: Sie ist einfach zu teuer. Ich trage längst nur noch Maßhemden, weil man die heute herrlich bequem im Internet bestellen kann, und sie kosten im Schnitt auch nur 50 Euro. Also die Hälfte. Statt mir Sorgen über einen innovativen Bund zu machen, lasse ich meine Hemden längst ein paar Zentimeter länger fertigen und schon rutscht da auch nichts mehr raus.

Ein weiteres Problem: Ich bin ein verwachsener Mensch. Meine Arme sind zu lang oder eben mein Hals zu dünn. Jedenfalls kann ich keine Hemden von der Stange tragen, weil sonst entweder der Kragen schlabbert oder die Ärmel irgendwo am Unterarm vorzeitig schlapp machen (deswegen auch die Maßhemden). Das Jobbello gibt es aber nur von der Stange in Einheitsgrößen (und selbst da hab ich mich vertan). Ja, man kann das Krempeln, aber ich will nicht müssen - nicht für 100 Euro.

Und so qualitativ hochwertig der Stoff auch sein mag, er ist mir persönlich zu dünn. Für 99 Euro bekomme ich vom Maßschneider feinsten englischen Zwirn, den man dem Hemd auch ansieht. Das hier sieht leider genauso aus wie jedes andere Herrenhemd vom Stapel auch. Und die Hightech untenrum sieht ja keiner - was ja auch so sein soll.

Unser Fazit deshalb: Anti-Rutsch-Versprechen gehalten, innovativ ist das Jobbello auch, aber angesichts der Alternativen einfach zu teuer, zu dünn und zu wenig individuell.

[Bildnachweis: Jochen Mai]