Jobsicherheit ade: Wie sich Berufseinsteiger trotzdem absichern
Befristete Arbeitsverträge, projektbasierte Engagements, prekäre Arbeitsverhältnisse in verschiedensten Formen und Formaten - Berufseinsteiger sehen sich heute in den meisten Branchen mit einer Arbeitswelt konfrontiert, die sich rapide verändert und in der Jobsicherheit in den meisten Fällen ein Fremdwort ist. Was zunächst nach einem Horrorszenario klingt, ist in der Praxis für viele Berufseinsteiger kein akutes Problem. Doch im Lauf des Berufslebens - und mit beginnender Familienplanung - wird die Unsicherheit für viele zu einer spürbaren Belastung. Als Berufseinsteiger sollten Sie daher früh damit beginnen, sich abzusichern und Perspektiven für Ihre Karriere zu schaffen. Das ist zwar nicht immer einfach, mit einer systematischen Herangehensweise - und der nötigen Ausdauer - jedoch definitiv machbar.

Berufseinsteiger: Etablieren Sie Ihre Personenmarke

Sie haben es vermutlich schon geahnt: Da formale Sicherungsmechanismen weitgehend fehlen, stellen Ihre Reputation und Ihre Personenmarke Ihre größten Ressourcen und besten Chancen für wachsende Jobsicherheit dar. Womit wir auch beim "Nachteil" wären: Um Ihre Jobsicherheit zu erhöhen und Ihre Reputation auszubauen, müssen Sie Zeit und Engagement in Ihr Personal Branding investieren. Die Online Kommunikation und Ihre Aktivitäten in den Social Media stellen dabei nur einen Teil diese Arbeit dar, denn Ihre Reputation hängt nicht nur von Ihrem Online Ruf, sondern vor allem von Ihren Leistungen am Arbeitsplatz und im Job ab. Ihr strategischer Reputationsaufbau und das dafür nötige Personal Branding sollten daher auf mehreren Säulen ruhen:

  • Aktive Kommunikation in den relevanten sozialen Netzwerken
  • Nutzung eines kontinuierlich gepflegten Blogs, Youtube-Kanals und/oder Podcasts
  • Hervorragende Leistungen im Job
  • Übernahme von herausfordernden und anspruchsvollen Projekten
  • Vertiefung in ein Fachgebiet und Thema

Bevor wir zu den konkreten Schritten und Strategien kommen, eine wichtige Warnung: Alle folgenden Ansätze nehmen Zeit und Energie in Anspruch. Euphorie, Begeisterung, hohe Motivation und persönlicher Ehrgeiz können dazu führen, dass Sie sich in der Vielfalt dieser Aktivitäten verlieren. Es ist zwar nachvollziehbar und in Ordnung, wenn Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere primär auf den Beruf konzentrieren. Doch diese Konzentration sollte eine bewusste Entscheidung sein, die Sie immer wieder hinterfragen und bei Bedarf korrigieren sollten. Ziehen Sie für die Reflexion ruhig auch Freunde, Familie und Mentoren zu Rate. Wichtig ist, dass Sie die Balance zwischen Arbeit und Freizeit - wenn diese Trennung für Sie persönlich relevant und sinnvoll ist - im Auge behalten und sich nicht nur in Ihre Arbeit stürzen.

Personal Branding: On- und offline wichtig

Pressmaster/shutterstock.comWir beginnen mit dem offensichtlichen Part, der Online Kommunikation. Prüfen Sie zunächst, in welchen Netzwerken potenzielle Arbeitgeber, andere Fachkräfte und Entscheidungsträger Ihres Fachbereiches und Ihrer Branche unterwegs sind. Im zweiten Schritt wählen Sie aus diesen relevanten Netzwerke die aus, die Sie persönlich dauerhaft nutzen können und wollen. Sie müssen und sollten nicht unbedingt alle relevanten Netzwerke nutzen. Es ist deutlich sinnvoller, sich bewusst für einige Netzwerke zu entscheiden und diese aktiv und umfassend zu nutzen, als sich in zu vielen Netzwerken zu verzetteln und die eigene Kommunikation zu breit aufzustellen.

Neben den sozialen und Business-Netzwerken sollten Sie sich jedoch auch mit der Idee eines eigenen Blogs, Youtube-Kanals oder Podcasts anfreunden. Podcasts haben von den genannten Medien in Deutschland noch die geringste Reichweite, können sich in einigen Branchen - vor allem den Medien affinen - jedoch bereits lohnen. Die Entscheidung zwischen Blog und Youtube-Kanal hängt primär von Ihrer persönlichen Vorliebe und - möglicherweise fehlenden - Affinitiät zum Schreiben ab. Bei jeder Form der Online Kommunikation sollten Sie allerdings...

  • ... darauf achten, klare Kernthemen zu besetzen und diese kontinuierlich weiterentwickeln.
  • ... regelmäßig neue Inhalte liefern.
  • ... hohe Qualität Ihrer Beiträge sicherstellen.
  • ... Bezug auf die Artikel und Beiträge anderer Fachleute nehmen und diese auch verlinken.
  • ... gute und thematisch passende Inhalte Dritter kuratieren.
  • ... sich in Diskussionen einbringen und auf Kommentare antworten.
  • ... konstruktive Kritik annehmen und umsetzen.

Gastartikel oder -beiträge in anderen Blogs und auf anderen Kanälen können hier ebenso sinnvoll sein wie Kooperationen mit Fachblogs und -kanälen. Wenn Sie nach und nach fester Bestandteil der Community werden und sich eine Reputation als Fachmann aufbauen, erhöhen Sie damit Ihre Sichtbarkeit für potenzielle Arbeitgeber - und Ihre Chancen auf Jobangebote - beträchtlich.

Personal Branding im Job

Der zweite und leider viel zu oft vergessene Teil Ihres Personal Brandings ist - vor allem für Berufseinsteiger - noch deutlich relevanter. Denn eine gute Online Reputation ist im Grunde Werbung in eigener Sache und hier gilt der altbekannte Spruch: "Nichts zerstört ein schlechtes Produkt so schnell und nachhaltig, wie gute Werbung." Im Fall des Personal Brandings bedeutet das: Eine hervorragende Online Reputation ist nur dann etwas wert, wenn Sie diese durch entsprechend gute Leistungen im Job untermauern. Nur durch echte fachliche Kompetenz und gute Leistungen in der Praxis können Sie interessierte Arbeitgeber von sich überzeugen.

Um diese Leistungen bringen - und später präsentieren - zu können, brauchen Sie natürlich die dazu passenden Gelegenheiten. Denn selbst wenn Sie in Ihrem Job deutlich mehr leisten, als von Ihnen erwartet wird, werden Sie damit in der Regel nicht allzu deutlich auffallen oder sich abheben können. Um herausragende Leistungen für sich verbuchen zu können, sollten Sie sich nicht nur aktiv im Unternehmen vernetzen, sondern auch schwierige und herausfordernde Projekte annehmen. Damit gehen Sie natürlich ein gewisses Risiko ein - auch ein Scheitern wäre dann deutlich sichtbar - doch die Chancen überwiegen in der Regel und ohne eine gewisse Risikobereitschaft können Sie sich auch nicht von anderen Mitarbeitern oder Bewerbern abheben. Und das Risiko, ein Projekt zu versieben, ist im Vergleich zur grundlegenden Jobunsicherheit dann doch eher zu vernachlässigen.

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