Jobsuche mal anders
Ihr erster Gedanke ist vielleicht "Ich bin nicht gut vernetzt, ich kenne niemanden." Hinterfragt man diese Aussage, dann stimmt sie für die meisten Menschen nicht. Setzen Sie sich einmal hin und machen Sie Inventur. Listen Sie all diejenigen Menschen auf, die persönlich kennen und die Sie mehr oder minder regelmäßig treffen. All diese Menschen können potenzielle Katalysatoren für Ihre Jobsuche sein. Über die Nutzung Ihrer vorhandenen Netzwerke hinaus können Sie sich auch zielgerichtet neue Netzwerke aufbauen. Wie das gelingt und wie Sie diese Netzwerke optimal nutzen, erfahren Sie hier.

Nutzen Sie Ihr Kontakt-Kapital

Schreiben Sie als erstes einmal die Namen von allen Menschen auf, mit denen Sie tatsächlich vernetzt sind: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Mitglieder Ihres Sportvereins oder Ihrer Partei. All das sind Menschen, die Sie regelmäßig persönlich treffen. Wenn Sie weiter nachdenken, fällt Ihnen sicher noch mehr ein: Die Eltern der Klassenkameraden Ihrer Kinder. Oder der Headhunter, den Sie seit Jahren mit Informationen über wechselwillige Kollegen versorgen. Ihr Steuerberater, dessen Tochter gerade in der Personalabteilung einer Firma angefangen hat, bei der Sie auch gerne arbeiten würden. Schreiben Sie alle Namen auf, wirklich alle.

Auf Ihrer Liste stehen nun einige Personen, von denen Sie Unterstützung erwarten würden, wie beispielsweise der Headhunter. Aber auch viele, von denen Sie nicht wüssten, wie die Ihnen helfen könnten. Informieren Sie trotzdem alle Personen auf der Liste über Ihre Jobsuche. Sie können nicht vorhersehen, vom wem die Hilfe schließlich kommt - oft von ganz unerwarteter Seite.

Kontaktpersonen über Jobsuche informieren

Ihnen fällt es schwer, diesen Rat umzusetzen, weil Sie ein Problem mit dem Netzwerken haben? Aufdringlichkeit ist Ihnen zuwider, und vor Allem wollen Sie nicht als Bittsteller dastehen? Keine Sorge, das werden Sie nicht, wenn Sie Ihre Erwartungshaltung komplett herunterschrauben. Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihnen jemand aus Ihrem Umfeld einen neuen Job vermittelt - damit wären die meisten Menschen überfordert. Suchen Sie stattdessen aktiv die Gelegenheit zu informellen Gesprächen und führen Sie diese dann wie einen Austausch beim Kaffeetrinken (ein echter Kaffee dabei schadet nicht, Tee geht aber auch). Systematisch Kaffeetrinken nennt das der Blogautor Lars Hahn. Sprechen Sie beim Sport oder in der Pause eines Meetings ganz unauffällig über Ihr Thema, verpacken Sie es als Information. Erwähnen Sie eher beiläufig, dass Sie auf Jobsuche sind, und bitten Sie Ihr Gegenüber, Augen und Ohren für Sie offen zu halten. Und fragen Sie, ob er vielleicht einen Tipp für Sie hat.

Potenzielle Helfer mit Bewerbungsunterlagen versorgen

Sie werden erstaunt sein, was passiert und wie viele Menschen Sie bei Ihrer Suche unterstützen werden. Der eine oder andere wird Ihnen anbieten, sich in seinem eigenen Umfeld für Sie zu verwenden. Ergänzen Sie dann Ihre mündliche Information umgehend durch eine aussagefähige Kurzbewerbung, bestehend aus Ihrem Zielgruppenbrief, Ihrem Lebenslauf und Ihrem Know-how-Profil. Unter Umständen kann auch für den Anfang nur eins dieser Dokumente ausreichend sein. Dadurch machen Sie Ihrem Fürsprecher das Leben erheblich leichter.

Helfern Wertschätzung zeigen

Vergessen Sie niemals, all Ihren Helfern zu danken, egal ob jemand Ihnen nur den Namen einer Firma genannt hat, die neue Mitarbeiter sucht, ob er eine Stellenanzeige für Sie ausgeschnitten oder Ihnen sogar einen Vorstellungstermin vermittelt hat. Hat einer der Helfer etwas für Sie angebahnt, sollten Sie ihm außer Ihrer Dankbarkeit auch mitteilen, was aus der Sache geworden ist. Netzwerken heißt Nehmen und Geben. Was Sie hier geben, ist Wertschätzung für die Hilfe des anderen. So sichern Sie sich den langfristigen Goodwill Ihrer Kontakte.

Bauen Sie Ihre Netzwerke gezielt aus

Über Ihr vorhandenes Kontakt-Netzwerk hinaus können Sie sich auch gezielt neue Netzwerke für Ihre Jobsuche aufbauen. Bei Berufsanfängern bieten sich dafür Karriere- und Jobmessen an, auch Bonding-Messen genannt. Hier stellen sich Unternehmen vor, die neue Mitarbeiter suchen. Sie können am Stand mit Firmenangehörigen sprechen, Fragen stellen und sich ein detailliertes Bild Ihrer Wunschfirma verschaffen.

Job- und Fachmessen besuchen

Wenn Sie schon Berufserfahrung haben, werden Sie eher bei Fachmessen fündig: Ein Verkäufer von Röntgengeräten beispielweise bei der Medica in Düsseldorf, ein IT-Spezialist bei der Cebit in Hannover.

Für beide Arten von Messen gilt: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Machen Sie sich einen Plan, welche Unternehmen Sie aufsuchen wollen, und vereinbaren Sie nach Möglichkeit bereits im Vorfeld Gesprächstermine. Nehmen Sie eine ausreichende Anzahl Visitenkarten und außerdem Ihre Bewerbungsunterlagen mit. Gehen Sie auch zu Vorträgen, die zu Ihrem angestrebten Berufsfeld passen - hier ergibt sich die Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen und so auf interessante Kontaktpersonen aus der Gruppe der Messebesucher zu stoßen, deren Unternehmen nicht mit eigenem Stand vertreten sind.

Ihr Erfolg hängt nicht zuletzt von der Art Ihrer Smalltalk-Gesprächsführung ab. Sie werden Ihr Gegenüber für sich gewinnen, wenn Sie sich vor allem für sein Unternehmen und dessen Produkte oder Dienstleistungen interessieren. Fragen Sie auch nach der Aufgabe Ihres Gesprächspartners im Unternehmen und lassen Sie sich ausführlich davon erzählen. Erst wenn Sie beim Fachsimpeln eine solide Gesprächsbasis geschaffen haben, können Sie nebenbei nach einem Job fragen. Möglicherweise dürfen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen dann direkt dalassen, oder Sie erhalten eine persönliche E-Mail-Adresse, an die Sie sich wenden können.

Messebesuche bieten darüber hinaus noch die zusätzlich Chance, Kontaktpersonen aus Ihren Online-Netzwerken auch einmal persönlich kennen zu lernen.

Betriebsbesichtigungen mitmachen

Möglicherweise wollen Sie aber gar nicht auf die nächste Messe warten, denn Ihr Wunschunternehmen liegt direkt nebenan in Ihrer Heimatstadt? Da gibt es eine wunderbare und unverbindliche Art, mit Unternehmensvertretern Kontakt aufzunehmen: Betriebsbesichtigungen und Tage der offenen Tür, die von vielen Firmen veranstaltet werden. Gehen Sie hin und stellen Sie interessierte Fragen. Oft ergibt sich die Gelegenheit, nach dem offiziellen Teil noch ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Firmenangehörigen zu führen.

Zielpersonen direkt aufsuchen

Einen ungewöhnlichen Weg, der zugegebenermaßen ein wenig Courage erfordert, schlägt der Karriereberater John Webb seinen Teilnehmern vor:

  • Zunächst sollen sie genau definieren, was sie tun wollen und wo sie es tun wollen.
  • Dann sollen sie herausfinden, in welchen Firmen es solche Aufgaben gibt und wer sie ausübt.
  • Anschließend lässt er jeden Teilnehmer zu sechs Firmen seiner Wahl gehen.

Dort soll er Mitarbeiter zu ihrem Job befragen - unangemeldet. Das Thema Bewerbung ist dabei tabu.

Was zunächst zum Horrortrip zu werden droht, entpuppt sich im Nachhinein als geniales Netz-Werkzeug. Webb berichtet, dass mehr als 80 Prozent der "Überfallenen" gern von ihrer Arbeit erzählen und weitere Ansprechpartner nennen.

Ein Teilnehmer schildert seine eigene Erfahrung:

Manche waren anfangs skeptisch, doch jeder hat sich Zeit genommen. Ein Firmenchef sogar eine Dreiviertelstunde, obwohl er einen Termin hatte.

Dieser Teilnehmer hatte schon im Vorfeld via Internet und Telefonzentrale den für ihn wichtigen Ansprechpartner ermittelt. Sein Fazit: "Man muss wissen, zu wem man will. Sonst scheitert man schon am Pförtnerhäuschen."

Gesprächspartnern danken und Kontakt weiter pflegen

Interessante Gespräche sind schon mal ein schöner erster Erfolg. Eine nachhaltige Wirkung stellt sich jedoch erst ein, wenn Sie am Ball bleiben. Bedanken Sie sich für jedes Gespräch, für jedes Entgegenkommen mit einem kurzen Brief oder einer E-Mail, auch dann, wenn ein Gespräch nicht direkt zu einer Bewerbung führt.

Die auf Messen, bei Betriebsbesichtigungen und unangemeldeten Besuchen geknüpften Kontakte bieten Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, um sich im Nachhinein über andere Kanäle bei Ihren künftigen Netzwerkpartnern zu melden. So bleiben Sie diesen im Gedächtnis.

Webbs Methode der Undercover-Jobsuche führt übrigens bei 86 Prozent seiner Teilnehmer zum neuen Arbeitsvertrag. Nachahmung wärmstens empfohlen!

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