Jobsuche online
Jobsuche online: Über einem warten so viele saftige Äpfel darauf, gepflückt zu werden. Unter einem aber öffnet sich eine Falltür nach der nächsten. Denn ganz so unkompliziert ist es dann doch (noch) nicht, sich über das Netz eine neue Arbeitsstelle zu sichern. Karrierebibel sagt Ihnen, worauf Sie bei der Online-Jobsuche unbedingt achten sollten...

Jobsuche: Mehr als jeder Zweite sucht online

Jobsuche findet heute online statt. Das klingt im Jahr 2017 wie eine Selbstverständlichkeit, war vor kurzer Zeit aber noch alles andere als alltäglich. Umso erstaunlicher, wie schnell die Entwicklung voranschreitet.

Auch die Meinungsforscher vom renommierten Washingtoner Pew Research Center haben in einer Umfrage unter 2.001 Amerikanern über 18 Jahren Belege dafür gesammelt, dass die Online-Jobsuche schon gelebte Normalität ist - aber den Jobsuchern bisweilen noch arge Probleme bereitet.

Von allen erwachsenen US-Amerikanern haben demnach 54 Prozent schon im Internet nach Jobinformationen gesucht - darunter sind aber auch Rentner oder junge Erwachsene ohne Jobambitionen. Von denjenigen, die aktiv auf Jobsuche waren, gingen dagegen 90 Prozent auf Online-Recherche, also fast alle. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren haben erst 26 Prozent aller Amerikaner im World Wide Web nach beruflichen Infos gestöbert.

Eine Online-Bewerbung haben mittlerweile 45 Prozent aller Amerikaner schon einmal verschickt, von den Jobsuchenden sogar 84 Prozent. Die Prognose, dass die Papierbewerbung in wenigen Jahren komplett ausgestorben sein wird, erscheint unter diesen Vorzeichen nicht allzu gewagt.

Jobsuche online: Die Trends

  • Jugend

    Je jünger die Menschen, desto online-affiner. Von den 18- bis 29-Jährigen suchten 83 Prozent bereits im Netz nach Jobmöglichkeiten, von den 30- bis 49-Jährigen 68 Prozent und von den 50- bis 64-Jährigen 43 Prozent. Bei den über 65-Jährigen beträgt die Quote nur zehn Prozent, wenngleich in dieser Altersgruppe sehr viele eben nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind.

  • Stadt

    Je höher der Bildungsabschluss, desto eher geht ein Bewerber im Internet auf die Suche. Auch steigt der Netz-Gebrauch mit der Einkommenserwartung. Und: In der Stadt suchen die die Leute häufiger im Internet nach Jobs als auf dem Land.

  • Kontakte

    Trotz des wachsenden Fundus an Informationen im Netz ist Vitamin B noch immer die wichtigste Ressource. Zusammengenommen 80 Prozent der Amerikaner greifen bei der Jobsuche auf persönliche Kontakte zurück - dazu zählen Freunde und Familie, (Ex-)Kollegen, Berufsbekanntschaften oder Freunde von Freunden.

  • Ressourcen

    Für 45 Prozent waren ihre persönlichen Kontakte auch das wichtigste Hilfsmittel für die Jobsuche. Damit liegt die Netzwerkaktivierung aber nur noch relativ knapp vor dem Internet, dessen Services 34 Prozent als wichtigste Ressource ansahen.

Jobsuche online: Diese Ressourcen werden angezapft

Von den Amerikanern, die in den letzten zwei Jahren einen Job gesucht haben, nutzten...

  • 79 Prozent Online-Ressourcen und -Informationen
  • 66 Prozent Kontakte mit Freunden und Familienmitgliedern
  • 63 Prozent berufliche Kontakte
  • 55 Prozent Kontakte mit Bekannten und Freunden von Freunden
  • 32 Prozent Arbeitsvermittlungen (staatlich oder privat)
  • 32 Prozent Stellenanzeigen in Printmedien
  • 28 Prozent Jobmessen, Konferenzen und andere Veranstaltungen

Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit dem Verhalten der Menschen in Deutschland. So kam die Uni Bamberg 2014 zu dem Ergebnis, dass 65 Prozent über eine Internet-Stellenbörse auf Jobsuche gehen. 37 Prozent machen sich auf Unternehmens-Webseiten schlau, 34 Prozent in Karrierenetzwerken wie Xing und LinkedIn. 24 Prozent vertrauen auf die Empfehlung von Bekannten, (nur) 23 Prozent der Arbeitsagentur und 22 Prozent Printmedien beziehungsweise Anzeigen und 18 Prozent Headhuntern.

Mit der Suche allein ist es aber nicht getan. Die Ressourcen wollen ja nicht nur aufgespürt, sondern auch aktiv genutzt und verwertet werden. Und das ist im Internet-Wunderland durchaus noch mit dem einen oder anderen Problem verbunden. Diese Aufgaben bereiten den Jobsuchern die größten Probleme ...

Jobsuche online: Die größten Schwierigkeiten für User

  • 21 Prozent sagen, dass sie es für "nicht einfach" halten, eigene Fähigkeiten aktiv in Social Media hervorzuheben.
  • 17 Prozent haben Probleme, einen professionellen Lebenslauf zu erstellen.
  • 12 Prozent halten es für schwierig, geeignete Jobs in ihrer Region im Netz zu finden.
  • 12 Prozent haben Schwierigkeiten, ein Online-Bewerbungsformular auszufüllen.
  • 11 Prozent halten es für nicht leicht, potenzielle Arbeitgeber per E-Mail zu kontaktieren.

Zwar klagt also nur eine Minderheit über Probleme bei der Internet-Recherche. Unternehmen aber sollten beim Blick auf die häufigsten Probleme bedenken: Je niedriger die Schwelle, desto einfacher der Kontakt für Bewerber. Wer für seine Lehrstellen kaum Bewerbungen zählt, könnte also zum Beispiel darüber nachdenken, Kontaktdaten nicht auf Nebenseiten zu verstecken und den gesamten Bewerbungsprozess (z.B. durch Bewerbungsformulare) nicht unnötig zu verkomplizieren.

Auch die Bedeutung des Smartphones wächst erwartungsgemäß. 28 Prozent aller Amerikaner, rund 90 Millionen Menschen, haben bereits ein schlaues Handy für die Jobsuche benutzt. Besonders groß ist der Anteil wiederum in der jüngeren Generation: Von den 18- bis 29-Jährigen haben schon 53 Prozent mit ihren Handys nach Jobs gesucht.

Jobsuche Smartphone: Wofür es gebraucht wird

  • 94 Prozent der Amerikaner auf Jobsuche durchforsten Online-Stellenanzeigen mit ihrem Smartphone.
  • 87 Prozent rufen mögliche Arbeitgeber mit ihrem Smartphone an.
  • 74 Prozent schreiben E-Mails an potenzielle Arbeitgeber via Smartphone.
  • 50 Prozent füllen Online-Bewerbungsformulare am Smartphone aus.
  • 23 Prozent erstellen mit ihrem Smartphone einen Lebenslauf oder ein Motivationsschreiben.

Eine interessante Beobachtung dabei: Amerikaner mit hohem Bildungsgrad erledigen vor allem einfache Aufgaben mit ihren Taschencomputern: E-Mails, Anrufe, Recherchen. Solche mit niedrigem Bildungsgrad nutzen ihr Smartphone grundsätzlich viel häufiger, und zwar auch für kompliziertere Arbeitsschritte (Lebenslauf schreiben, Formular ausfüllen), die tatsächlich wohl eher zuhause am PC oder Laptop erledigt werden sollten.

Smartphone: Die größten Probleme bei der Jobsuche

Dass das Smartphone auch Probleme mit sich bringt, liegt also auf der Hand. Das sind die häufigsten:

  • Erreichbarkeit von Inhalten, die auf dem Smartphone nicht korrekt angezeigt werden: 47 Prozent.
  • Lesbarkeit von Content, der nicht fürs Handy optimiert ist: 47 Prozent.
  • Eingabe von längeren Texten: 38 Prozent.
  • Beifügen von Anhängen und Dokumenten: 37 Prozent.
  • Speichern oder bookmarken von Jobs für später: 23 Prozent.

Jobsuche online: Die 6 wichtigsten Tipps

Wer suchet, der findet - doch ist die Suche im Netz schon aufgrund der Fülle an Inhalten unübersichtlich, kompliziert, langwierig. Die wichtigsten Tipps für die Online-Jobsuche ...

  1. Mehrgleisig fahren

    Jeder zehnte User in Deutschland sucht laut Umfrage der Recruiting-Spezialisten von Crosswater nur in einer einzigen Online-Jobbörse nach freien Stellen. Rund 18 Prozent sehen sich in zwei Jobbörsen um.

    Dabei verhält es sich - ansatzweise - wie im Fußball: Wer sich über den linken Flügel keine Torchancen erspielt, sollte es irgendwann auch mal über rechts versuchen. Beschränken Sie sich als nicht auf eine Anlaufstelle im Netz, sondern gehen Sie verschiedene Wege. Neben den großen Jobbörsen wie Monster, Stepstone und jobs.de gibt es zum Beispiel auch Spezialbörsen für Führungskräfte, für Gaststätten- und Hotelpersonal, für IT- oder gar Rentnerjobs.

    Und - ein Hinweis in eigener Sache - auch unser neues Jobportal Karrieresprung.de sollten Sie regelmäßig ansteuern.


  2. Blickwinkel ändern

    Suchen Sie nicht immer nur nach Jobs. Suchen Sie nach Arbeitgebern. Das klingt deckungsgleich, ist es aber nicht. Vielleicht braucht Ihr Traum-Arbeitgeber gerade keine Verstärkung, oder er sucht nicht öffentlich.

    Anders herum ist nicht jede Stellenanzeige eine Bewerbung wert. Zum Beispiel die, die ganz offensichtlich nicht zu Ihnen passt oder mit der Sie sich schlichtweg nicht identifizieren können. Gehen Sie also systematisch vor und ballern Sie nicht einfach mit der Schrotflinte drauflos.

    Zum Beispiel so: Sie erstellen eine Liste mit interessanten Unternehmen in Ihrer Region, recherchieren Stärken und Schwächen, Unternehmenskultur und -philosophie, Mitarbeiterzufriedenheit und wirtschaftlichen Erfolg. Dabei helfen Ihnen die gängigen Recherchetools im Netz: Firmenhomepages, Arbeitgeberbewertungsseiten wie Kununu und Glassdoor, auch die einfache Suche in den Google News, die Standortbestimmung in Google Maps oder für Fortgeschrittene: ein Blick in den Bundesanzeiger.

    In diesem Zusammenhang auch eine Option: Durchforsten Sie online die Firmenlisten von Branchenverbänden, Wirtschaftsregionen, Städten. Laut einer Umfrage von Gelbe Seiten verfügen aktuell noch immer 20 Prozent der Unternehmen über keine eigene Homepage. Vor allem die Kleinunternehmen mit weniger als zehn Prozent sind im Netz schwer auffindbar, von ihnen hat sogar nur die Hälfte eine Homepage.

    Bei den für Sie attraktivsten Unternehmen bewerben Sie sich dann initiativ, fangen mit der Nummer eins an und arbeiten sich dann sozusagen weiter nach unten durch.


  3. Finden lassen

    Wenn Sie geduldiges Abwarten im Vorstellungsgespräch zu Ihren Stärken zählen, fliegen Sie hochkant raus. Bei der Online-Jobsuche aber kann das wirklich funktionieren. Falls Sie sich clever vorbereiten, fliegen Ihnen am Ende die Jobofferten zu wie einem Weltstar im Ruhestand die Tantiemen.

    Online-Faustregel Nummer eins für Passiv-Sucher: Sie müssen zunächst Sichtbarkeit herstellen. Eine eigene Homepage (mit Referenzen) kann Wahrnehmung und Reputation steigern, dazu Profile in Business-Netzwerken wie Xing und Linkedin, im Einzelfall vielleicht auch Twitter-, Instagram- oder Snapchat-Accounts.

    Erster Schritt, um Ihr Standing zu verbessern: Googeln Sie Ihren Namen! Wirft die Suchmaschine Triviales, Peinliches oder rein gar nichts über Sie aus - oder ausschließlich Seiten über Ihren Namensvetter - dann sollten Sie umgehend aktiv werden. Steht dagegen Ihr Xing-Profil oben, ist das ein guter Anfang - und lockt mögliche Interessenten auf Ihre Fährte.

    Merke: Personaler lieben Business-Netzwerke. Bringen Sie daher auch Keywords, Skills, Berufsbezeichnungen, nach denen häufig gesucht wird, in Ihren Profilen unter - und unbedingt Referenzen über die Großtaten, die Sie bislang vollbracht haben. Keine falsche Bescheidenheit!

    Und justieren Sie regelmäßig nach, einmal im Monat dürfen Sie Ihre Profile und Homepage durchaus aktualisieren. Das Gute: Sobald das Grundgerüst steht, hält sich der Arbeitsaufwand dafür in Grenzen.

    Noch zwei Einwände: Passive Jobsuche ist vor allem als Ergänzung zur aktiven sinnvoll. Insbesondere wer furchtbar dringend einen neuen Job will und braucht, kann nicht allein darauf vertrauen, irgendwann gefunden zu werden. Wer sich abwerben lassen will, hingegen schon ...


  4. Hilfe holen

    Weisheit 1: Man kann nicht alles alleine machen. Weisheit 2: Es gibt immer einen, der besser ist als man selbst. Weisheit 3: Der Tag hat nur 24 Stunden. Wunderbar!

    Wenn Sie also vier Kinder, drei Hunde und daher wenig Zeit haben oder einfach mit der deutschen Grammatik auf dreißigjährigem Kriegsfuß stehen, dann holen Sie sich halt einfach Hilfe. Einen Marketingmann, der Ihre private Homepage aufsetzt. Einen Xing-Profi, der Ihnen Nachhilfe im Networking gibt. Vielleicht sogar einen Ghostwriter, der Ihre Bewerbungen schreibt.

    Das nötige Kleingeld natürlich vorausgesetzt. Das Netz ist voller Möglichkeiten. Warum nicht nutzen, um den Job Ihres Lebens zu finden? Die Steuerberatung lagern sie ja schließlich auch aus ...


  5. Gesprächsstoff liefern

    Sie wollen ja - um an dieser Stelle mal ins Marketingdeutsch zu verfallen - Leads generieren. Leads, also Erstkonktakte, die Sie möglichst bis hin zum Vertragsabschluss ausbauen.

    Kann konkret bedeuten: Kontaktieren Sie den Personalchef Ihres Wunscharbeitgebers doch einfach über Linkedin und fragen Sie höflich an. Oder twittern Sie ihn oder sie mal an. Der große Vorteil: Sie erhöhen Ihren Wiedererkennungswert, heben sich von anderen Bewerbern ab, bringen sich ins Gespräch, beweisen darüber hinaus Online-Expertise.

    Anderes Beispiel in dem Zusammenhang: Der Personaler hat die Unterlagen von vier Bewerbern mit identischen Qualifikationen und Fähigkeiten auf dem Schreibtisch: Meyer, Schultz, Müller und Hohenback-Papaschowski. An welchen erinnert er sich zuerst?

    Auch an Ihren Namen erinnert er oder sie sich sofort, wenn Sie sich nicht nach Schema F beworben haben. Darum bei der Online-Jobsuche gerne auch mal unkonventionelle Wege gehen, andere Kanäle nutzen, mailen, posten, whatsappen, nachfassen. Aber bitte professionell bleiben: Keine Rechtschreibfehler, nicht duzen, keine allzu billige Anbiederung.

    Und auch, wenn der Fisch hinterher nicht am Haken zappelt, haben Sie wenigstens Ihr Netzwerk erweitert. Das kann Ihnen in Zukunft noch helfen ...


  6. Smartphone weglegen

    Im Bus, an der Supermarkt-Kasse oder abends im Kino - mit dem Smartphone lässt sich immer und überall nach freien Stellen Ausschau halten. Toll!

    Trotzdem sollten Sie wenigstens Ihre Bewerbung noch am Desktop-PC oder Laptop ausarbeiten. Warum? Laut Pew-Umfrage erstellen schon 23 Prozent der Amerikaner Lebenslauf oder Motivationsschreiben am Schlautelefon, 50 Prozent füllen Online-Bewerbungsformulare aus. Aber vor allem Bewerber mit geringem Bildungsstand und Qualifikationen erledigen anspruchsvolle Aufgaben am Smartphone. Ein Fehler!

    Kleineres Display, kleinere Tasten, Tipperei zwischen Tür und Angel. Das Smartphone ist ein Fehlerteufel. Also noch mal: Mobil nach Jobs suchen? Natürlich. Bewerbungen vom Smartphone schicken? Hell no!