Jobverlust durch Maschinen: Warum sich so wenige davor fürchten
Roboter nehmen Menschen die Jobs weg. Die These wird seit Jahren von immer neuen Studien unterfüttert. Die Zahlen schwanken, die einzelnen Branchen werfen mit Prognosen um sich, die Szenarien unterscheiden sich. Wer bisher aber noch nicht gefragt wurde, sind die Arbeitnehmer selbst. Haben die eigentlich Angst vor Kollege (bzw. Nachfolger) Roboter? Eine amerikanische Studie hat das nun nachgeholt - mit teils erstaunlichen Ergebnissen ...

Jobverlust vor Maschinen: Ich doch nicht!

47 Prozent der Jobs in den USA werden überflüssig. So stand es 2013 in einer Studie der Oxford-Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael Osborne. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) übertrug die Berechnungen im vergangenen Jahr auf Deutschland und kam zu dem Schluss, dass hierzulande 42 Prozent aller Tätigkeiten gefährdet seien.

In der Tat mehren sich die Anzeichen für eine graduelle Übernahme von Maschinen, in Forschung und Alltag. Gestern erst hat die Google-Software AlphaGo erneut einen der weltbesten Go-Spieler, den Südkoreaner Lee Sedol, vom Brett gefegt. Und das, nachdem er zuvor einen haushohen Sieg seinerseits prophezeit hatte. Punkt für die Maschine.

Maschinen: Sie sind unter uns

Maschinen werden immer cleverer, immer besser, übernehmen immer mehr Aufgaben. Weitere Beispiele:

  • Amazon testet Lieferdrohnen.
  • Google und andere bauen selbstfahrende Autos.
  • Auf der ITB in Berlin wurden vor einigen Tagen "Concierge-Roboter" vorgestellt, die in Hotels an der Rezeption oder als Assistenten arbeiten könnten.
  • Drohnen werden auch im Kampf gegen illegale Fischerei und Wilderer zur Überwachung von maritimen Schutzzonen und Nationalparks eingesetzt.
  • Ein Berliner Startup namens Leverton hat eine Software entwickelt, die komplexe Verträge ausliest, zum Beispiel beim Kauf einer Immobilie.

Dadurch können Aufgaben bewältigt werden, die momentan noch von Briefträgern und Paketboten, Taxifahrern, Rezeptionisten, Park-Rangern und Anwälten übernommen werden. Werden sie nun alle überflüssig? Manche wahrscheinlich ja, andere nicht, auch könnten sich viele auf ihre Kernkompetenzen fokussieren und Maschinen ungeliebte Routine-Tätigkeiten übernehmen lassen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dazu ein aktuelles Gespräch mit dem Volkswirt Ortwinn Renn von der Uni Stuttgart online gestellt, der ebenfalls ein paar Denkanstöße liefert:

Die Frage ist aber nicht nur, inwiefern die Prognosen zutreffen werden. Sondern auch, wie wir als Arbeitnehmer damit umgehen. Sorgen die ganzen Schreckensszenarien für eine tiefgreifende Verunsicherung? Fürchten wir uns eigentlich vor dem Jobverlust, vor den Maschinen?

Jobverlust durch Maschinen: "Wahrscheinlich"

Das Pew Research Center ist dieser Frage nachgegangen, hat im vergangenen Jahr über 2.000 Amerikaner befragt und die Ergebnisse jetzt veröffentlicht. Demnach rechnen in den USA, dem Pionierland der Automatisierung, mittlerweile 65 Prozent der Bevölkerung damit, dass Maschinen in den kommenden 50 Jahren „auf jeden Fall“ oder „wahrscheinlich“ einen Großteil der Arbeit übernehmen werden, die heute noch von Menschen erledigt wird. 15 Prozent sagen, das werde „auf jeden Fall“ passieren, für 50 Prozent wird es „wahrscheinlich“ passieren. Immerhin 25 Prozent aber glauben, dies werde „wahrscheinlich nicht“ passieren, sieben Prozent sind davon sogar überzeugt, dass es "auf keinen Fall" geschehen werde.

Das Paradoxe: Noch viel mehr von ihnen, nämlich 80 Prozent, glauben, dass ihr eigener Job auch in 50 Jahren noch genauso oder in nahezu unveränderter Form bestehen wird. 36 Prozent der Amerikaner sagen sogar, dass ihr aktueller Job in fünf Jahrzehnten "auf jeden Fall" noch in seiner jetzigen Form bestehen wird, für 44 Prozent wird er es "wahrscheinlich". Zwölf Prozent vermuten hingegen, dass es ihn "wahrscheinlich nicht" mehr geben wird, sechs Prozent sagen, er werde "auf keinen Fall" mehr so existieren.

Angst vor Jobverlust: Hohes Einkommen, guter Bildungsstatus

Interessant dabei: Menschen unter 50 sind skeptischer, was das Fortschreiten der Automatisierung betrifft. So sagen 35 Prozent der 18- bis 49-Jährigen, es sei unwahrscheinlich, dass Roboter und Computer den Großteil menschlicher Arbeit übernehmen werden, bei den Über-50-Jährigen sind es nur 27 Prozent. Vermutlich steckt auch ein wenig Berufsoptimismus dahinter, immerhin haben die Jüngeren noch deutlich mehr Arbeitsjahre vor sich.

Auch Personen mit höherem Bildungsstatus haben weniger Angst vor der Automatisierung. 37 Prozent der Befragten mit College-Abschluss glauben nicht an die weitgehende Übernahme durch Maschinen, bei denjenigen ohne College-Abschluss sind es mit 28 Prozent deutlich weniger. Auch ein hohes Einkommen wiegt die Amerikaner in Sicherheit. 38 Prozent der Amerikaner mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von über 75.000 Dollar erwarten nicht, dass Maschinen Menschen die Arbeit großflächig wegnehmen, bei denen mit einem Haushaltseinkommen von unter 30.000 Dollar sind es nur 27 Prozent.

Und: Amerikaner, die in der Verwaltung, für Non-Profit-Organisationen und im Bildungsbereich arbeiten, sind ebenfalls skeptischer. Nur sieben Prozent von ihnen glauben, dass Roboter sicher übernehmen werden. Bei Mitarbeitern von KMU und Großkonzernen sind es mit 13 Prozent fast doppelt so viele.

Top 5: Davor fürchten sich amerikanische Arbeitnehmer

Alles in allem kann die Angst der Amerikaner noch als sehr schwach bis vage bezeichnet werden. Denn: Auf die Frage, was sie ihren Job kosten könnte, antworteten nur elf Prozent mit "Maschinen und Computer". Viel größer ist die Angst vor der unmittelbaren Zukunft - vor billigeren Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt, Mismanagement oder vor Makro-Trends in der jeweiligen Branche. Konkret sind das die größten Sorgen:

  1. 26 Prozent machen sich Sorgen, dass sie ihren Job verlieren könnten, wenn ihr Unternehmen schlecht geführt wird.
  2. 22 Prozent befürchten Jobverlust, weil ihre Branche schwächeln könnte.
  3. 20 Prozent fürchten, dass ihr Arbeitgeber einen neuen Mitarbeiter finden könnte, der den Job für ein geringeres Gehalt übernimmt.
  4. 13 Prozent sind besorgt, dass ihre technischen Fähigkeiten nicht Schritt halten können, um im Job konkurrenzfähig zu bleiben.
  5. 11 Prozent fürchten, dass ihr Arbeitgeber menschliche Arbeitskräfte durch Maschinen oder Computer ersetzen könnte.

Interessant wäre nun zu wissen, wie diese Umfrage in Deutschland ausgehen würde. Haben wir mehr, weniger oder genauso viel (wenig) Angst wie die Amerikaner? Einen kleinen Anstoß wollen wir einmal selbst geben - und Ihnen folgende Frage einfach mal stellen. Bitte voten!

[Bildnachweis: Willyam Bradberry by Shutterstock.com]