Die USA führen – vor Deutschland! Nein, nicht bei den Olympischen Spielen in London. Da auch. In diesem Fall aber geht es um Soziale Netzwerke und deren Rolle bei der Jobsuche. Wie Wissenschaftler um Richard Benton von der North Carolina State Universität jetzt herausgefunden haben, spielen sogenannte informelle Beziehungen eine entscheidende Rolle bei der Vergabe von hochbezahlten Jobs – in den USA allerdings eine signifikant bedeutendere als hierzulande.
Die Forscher verglichen dabei in beiden Ländern, wie die Menschen zu ihren neuen Jobs gekommen waren und welchen Einfluss informelles Rekruting dabei hatte – also wenn jemand zum Beispiel einen Job durch sein Netzwerk angeboten bekommt, obwohl er offiziell gar nicht danach sucht. Resultat: In Deutschland ist das berühmte Vitamin B zwar weitaus gebräuchlicher – rund 40 Prozent der Stellen werden mittels persönlicher Beziehungen besetzt (Zum Vergleich: In den USA sind es nur 27 Prozent). Aber die Jobs, die so in den USA vergeben werden, sind besser bezahlt und auch höher in der Hierarchie angesiedelt.
Oder wie es die Wissenschaftler vorrechnen: Wer über Vitamin B zur neuen Stelle kommt verdient dort im Schnitt ab 80.000 Dollar aufwärts.
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Pat
Und was sagt die Studie über die per VitB besetzten Stellen in Deutschland? Was wird da verdient im Schnitt?
Jochen Mai
Dazu hab ich leider nichts gefunden – nur, dass hierbei keine signifikanten Korrelationen festzustellen seien. Also wird dazu auch keine konkrete (sprich: in Ziffern) Aussage möglich gewesen sein.
Alexander Witt (BLH)
Hallo Jochen,
Mich würde interessieren, was aus deiner Sicht die Gründe für eine Stellenbesetzung via Vitamin B sind? Kostenvorteile, Sicherheit, Passgenauigkeit, …
Jochen Mai
Da gibt es einige:
1. Geringere Kosten und weniger Streuverluste. Statt über Anzeigen Massen anzulocken, die man dann aufwendig aussieben muss, spricht man Kandidaten gezielt an – und zwar nur solche, von denen man schon glaubt, dass sie passen, weil man sie persönlich kennt. (Kostenvorteile)
2. Man kann vielleicht jemanden abwerben, den man ohne diese Beziehungen gar nicht bekommen hätte (also aus Sicht des Arbeitgebers). Derjenige hatte nicht wirklich vor zu wechseln, ist ein Experte in ungekündigter Position, ein Top-Talent vielleicht sogar – und dank persönlicher Kontakte hat das Unternehmen die Chance, denjenigen einzustellen. (Exzellenz)
3. Man kauft nicht die Katze im Sack. Dass sie für den Job geeignet sind, sagen alle, die ihn haben wollen. Aber diese Person kennt man – und weiß vorher genau, was er oder sie kann und dass er passen könnte (genau weiß man es ja immer erst hinterher) – und spricht denjenigen erst dann persönlich an. Und wer passt, verlässt das Unternehmen auch so schnell nicht wieder. (Passgenauigkeit/Sicherheit)
Also ja: Die von dir genannten Gründe sehe ich auch.
Alexander Witt (BLH)
Danke für die schnelle und ausführliche Antwort ;-)
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