Erstaunlich: Wenn Manager den Job wechseln, dann bangen allenfalls 8 Prozent von ihnen darum, den künftigen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Auch die Akzeptanz der neuen Kollegen bereitet allenfalls 3 Prozent Kopfzerbrechen. Das spricht zunächst für ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Zunächst. Denn jetzt kommt’s: Ganze 70 Prozent der Manager sorgen sich bei einem Jobwechsel, ob die Zusagen aus den Vertragsverhandlungen auch tatsächlich eingehalten werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 1886 Führungskräften der Jobbörse Placement24. Mehr als jeden dritten Befragten (37 Prozent) bekümmerte danach die Sorge, durch den Wechsel schneller gekündigt werden zu können, 14 Prozent befürchteten das sogar während der Probezeit. Und 23 Prozent der Führungskräfte sorgten sich, ihren Arbeitsplatz durch künftige Umstrukturierungen wieder zu verlieren.
Ich mag solche Umfragen. Denn im Subtext dieser Zahlen schwingt meist eine verräterische Botschaft mit. So auch hier: Sie weist die befragten Manager als Egomanen aus, die sich allein um ihre Karriere, ihren Job, ihr neues Einkommen sorgen (denn darum geht es bei den Vertragszusagen im Kern), denen die Sozialverträglichkeit mit dem neuen Team oder gar die Anforderungen des neuen Jobs jedoch am Allerwertesten vorbei gehen. Die Zahlen zeigen zudem: So selbstbewusst wie sich die Manager gerne geben, sind sie nicht. Wären sie tatsächlich so großartig, wie sie sich sehen, müssten sie weder das Überleben der Probezeit fürchten, noch Umstrukturierungen. Und selbst bei einer betriebsbedingten Kündigung müssten Tausendsassas doch im Handumdrehen einen neuen Job finden können. Woher also diese ausgeprägten Sorgen? Aus meiner Sicht, stellt dieses Umfrageergebnis den knapp 2000 befragten Managern eher ein Armutszeugnis aus.







Wolff Horbach
Die Zahlen sind in der Tat erschreckend. Das mit dem Armutszeugnis kann ich nur dick unterstreichen.
Etwas anderes gibt mir zu denken: Wenn ein Manager einen Arbeitsvertrag aushandelt, dann ist doch sein Vertragspartner auch ein Manager, oder? Wenn dann 70% der Manager Zweifel an der Einhaltung von Verträgen haben, die von Managern unterschrieben wurden … Gute Nacht!
André Wegner
@Jochen
Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich die einzig zulässige Interpretation ist.
Ist es nicht auch bei Arbeitsnehmern aus unteren oder gar keiner Führungsebene so, dass sie sich bei einem Arbeitsplatzwechsel Sorgen machen, ob der gewonnene Eindruck des neuen Arbeitsgebers sich bewahrheitet, dass sie die Probezeit bestehen und dass der neue Arbeitgeber nicht in eine Schieflage gerät die ihren Job gefährden könnte?
Warum sollten da Manager eine Ausnahme spielen?
Du sitzt ja potentiell an der Quelle solcher Untersuchungen. Wäre mal interessant, ob es da Unterschiede in den verschiedenen Ebenen gibt.
Jochen Mai
@Wolff Horbach: Auch ein sehr interessanter Aspekt. In der Tat: Wenn Manager nicht einmal Managern trauen… dann wissen sie vielleicht warum…
@André Wegner: Ich sagte ja auch nicht, dass dies die “einzig zulässige” Interpretation ist, aber es ist meine. Klar machen sich auch einfach Angestellte Sorgen, ob sie die Probezeit überleben – aber doch auf einem ganz anderen Niveau und zu ganz anderen Konditionen. Zumal bei Angestellten die Akzeptanz ihrer Kollegen viel wichtiger (und karriereentscheidender) sein dürfte/sollte. Wesentlich für meine Interpretation ist das starke Gefälle zwischen angegebenem Selbstvertrauen (“Ich schaffe jeden Job, egal, ob die mich dafür mögen”) und gleichzeitiger Fokussierung auf Sicherheit und Einkommen. Das ist egozentrierte Vollkaskomentalität – und nicht gerade das, was ich mir unter einer guten Führungskraft vorstelle.
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