Jobwechsel nach Familienzeit: Tipps für Arbeitnehmer
Die Eltern- und Familienzeit ist für viele Arbeitnehmer ein Weckruf oder zumindest Impuls zur Veränderung. Bei der Rückkehr in den Job stellen sie schnell fest, dass viele Rahmenbedingungen und Anforderungen, die vor der Familienzeit okay waren, jetzt zu Problemen werden. In so manchem Arbeitnehmer regt sich dann der Wunsch nach einem Jobwechsel. Der kann sinnvoll sein und gelingen - wenn er vorbereitet wird und aus den richtigen Gründen erfolgt...

Jobwechsel nach Elternzeit: Kennen Sie Ihr Warum?

Zugegeben, "richtig" ist eine etwas schwierige Formulierung, denn die Gründe für einen Jobwechsel nach der Eltern- oder Familienzeit können vielfältig sein. Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, veränderte Anforderungen und Aufgaben, neue Kollegen und Teamstruktur... die Liste lässt sich noch beliebig fortsetzen.

Bevor Sie einen Jobwechsel ernsthaft ins Auge fassen, sollten Sie sich daher über Ihre individuellen Gründe und Ihre Motivation für den Jobwechsel klar werden. Dabei gilt es auch eine möglicherweise unangenehme Tatsache im Blick zu behalten: Viele diese Veränderungen haben auch mit Ihnen zu tun.

Es ist nicht nur der Arbeitsplatz, sondern vielleicht auch Ihre Wahrnehmung und Ihre Erwartungen, die sich in der Eltern- und Familienzeit verändert haben. Wenn Sie diesen Faktor berücksichtigen, sollte vor dem Jobwechsel...

  • ... eine mehrwöchige bis mehrmonatige Eingewöhnungszeit stehen.
  • ... eine Analyse erfolgen, in der Sie sich genau anschauen, was Sie am aktuellen Job stört.
  • ... für Sie klar sein, wie der neue Job aussehen sollte.
  • ... geklärt sein, ob Ihr aktueller Arbeitgeber etwas von Ihrer Jobsucher erfahren darf.

Der letzte Punkt lässt sich relativ einfach beantworten. Gibt Ihr Arbeitgeber Ihnen nach Ihrer Rückkehr zu verstehen, dass Sie im Grunde nicht mehr benötigt werden, können Sie ruhig offen nach einem neuen Job suchen. Ähnliches gilt auch, wenn Ihre Stelle während Ihrer Abwesenheit besetzt wurde und Sie sich mit Ihrem Chef einig sind, dass Sie das Team eigentlich nicht mehr bereichern.

Zählt Ihr Arbeitgeber jedoch auf Sie und werden Sie nach Ihrer Rückkehr wieder voll eingebunden, sieht das ein wenig anders aus. Lassen sich die aus Ihrer Sicht problematischen Aspekte nicht verändern, sollten Sie Ihre Jobsuche verdeckt angehen. Das Gespräch mit Ihrem Chef sollte dann erst anstehen, wenn Sie einen neuen Job gefunden haben. Etwas Vorbereitungszeit sollten Sie ihm und dem Team einräumen.

Jobwechsel nach Familienzeit: Die Vorbereitung

joingate/shutterstock.comHaben Sie Ihre Bewerbungsunterlagen während der Familienzeit auf dem aktuellen Stand gehalten, können Sie im Grunde direkt nach Ihrer Entscheidung mit der Jobsuche beginnen. Bevor Sie sich jedoch in die Stellensuche stürzen, sollten Sie ein klares Stellenprofil Ihres künftigen Jobs erstellen. Dazu gehört auch, die für Sie wichtigen Aspekte in priorisierter Reihenfolge zusammenzustellen und als Grundlage für die Recherche zu nutzen.

Kompromisse sind sicherlich nötig, doch diese können Sie nur eingehen, wenn Sie Ihre Basis kennen. Sind Unterlagen und Erwartungen klar, steht im nächsten Schritt die Aktivierung Ihres Netzwerks an. Neben der klassischen Suche nach passenden Stellen sollten Sie auch Ihre Netzwerkpartner und Kontakte auf Ihre Jobsuche aufmerksam machen und um Unterstützung bitten.

Suchen Sie offen, ist das problemlos möglich. Suchen Sie jedoch verdeckt nach einem neuen Job, sollten Sie zunächst nur die vertrauenswürdigen und relevanten Kontakte ansprechen, auf deren Diskretion Sie sich verlassen können.

Bei der Aktivierung Ihres Netzwerks sollten Sie Ihren Kontakten einige Informationen mit an die Hand geben. Dazu gehören:

  • Die Beschreibung Ihres neuen Wunschjobs.
  • Die wichtigsten Eckdaten zu Ihrer Person und Qualifikation.
  • Ihre Gründe für den Jobwechsel.
  • Was Sie ausmacht und warum Unternehmen Sie einstellen sollten.

Natürlich sollten Sie Ihre Kontakte mit diesen Informationen nicht überfallen. Doch wenn diese sich bereit erklären, Sie bei der Jobsuche zu unterstützen, sollten Sie ihnen die Informationen zukommen lassen und so die Suche erleichtern.

Jobwechsel begründen

auremar/shutterstock.comBei einem Jobwechsel nach der Eltern- oder Familienzeit ist eine solide und nachvollziehbare Begründung des Jobwechsels entscheidend. Vernachlässigen Sie diese oder wirkt Ihre Begründung fadenscheinig, kann schnell der Eindruck mangelnder Loyalität entstehen.

Mögliche neue Arbeitgeber könnten sich die Frage stellen, warum Sie direkt nach einer Auszeit - viele sehen die Eltern- und Familienzeit immer noch so - das Unternehmen wechseln wollen. Diesen Eindruck sollten Sie unbedingt vermeiden.

Am besten gelingt das, wenn Sie die Begründung Ihres Jobwechsels und Ihre Gründe für das neue Unternehmen kombinieren. Im Anschreiben könnte das etwas so klingen:

Ihre Stelle bietet mir die Möglichkeit, meine neue familiäre Situation mit meinen beruflichen Entwicklungszielen zu verbinden. Daher sehe ich in Ihrem Unternehmen hervorragende Perspektiven und Möglichkeiten.

Der Grund für den Jobwechsel wird hier zwar nicht explizit angesprochen, wird jedoch deutlich. Das alte oder aktuelle Unternehmen bietet Ihnen kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten und auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf lässt zu wünschen übrig. Das neue Unternehmen bietet dafür die passenden Voraussetzungen.

Wichtig: Äußern Sie sich nie negativ über Ihren aktuellen Arbeitgeber. Betonnen Sie immer die Chancen und Möglichkeiten, die Ihnen das neue Unternehmen bietet. Alles andere wirkt tatsächlich illoyal und führt bei potenziellen Arbeitgebern berechtigterweise zu Skepsis.

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