Seit ich gekündigt habe, verhält sich mein Boss mir gegenüber wie ein Arschloch. Das finde ich zutiefst infantil.
Stimmt. Ist auch unprofessionell, aber normal.
Wieso das?
Lass es mich so ausdrücken: Den meisten Managern sind Personalauswahlverfahren fürchterlich unangenehm. Erst ist es anstrengend, überhaupt einen geeigneten Kandidaten zu finden. Dann kann man noch nicht einmal sicher sein, dass man die richtige Wahl getroffen hat – das zeigt sich in der Regel erst viel später im Job. Und hat man schließlich die richtige Wahl getroffen und tatsächlich ein Top-Talent aufgespürt, bekommen das bald auch andere mit und der Mitarbeiter wird entweder sehr schnell sehr teuer oder abgeworben.
Aber was hat das mit dem Verhalten mir gegenüber zu tun?
Ganz einfach: In zwei von drei Fällen, steht dein Chef durch deine Kündigung vor einem Problem. Im ersten Fall bist du ein Leistungsträger und er hat ganz offenbar versäumt, dich entsprechend zu entwickeln, zu fördern und zu halten. Das kratzt schon ganz ordentlich am Lack seiner Führungsqualitäten und schadet dem Unternehmen. Im zweiten Fall – selbst wenn du nicht zu den Besten gehörst – muss dein Boss doch zumindest für Ersatz sorgen. Und das macht eben wieder unangenehme Arbeit und birgt wie immer das Risiko einer Fehlbesetzung…
…und im dritten Fall?
Bist du eine Niete und für das Unternehmen ist es ein wahrer Glücksfall, dass du freiwillig gehst. Genau das ist auch der Grund, warum sich manche Vorgesetzte so mies benehmen, wenn man ihnen kündigt: Einerseits ist ihr Ego gekränkt, andererseits stehen sie nun vor einem Rechtfertigungsdilemma. Und das lösen sie am besten, indem sie dich – und andere – spüren lassen, wie gut es ist, dass du bald weg bist. Idealerweise aus dem dritten Grund. Man könnte auch sagen: Dein Chef verhält sich strategisch defensiv. Im Extrem muss er beweisen, dass es gar nicht so übel ist, auch einen guten Mitarbeiter zu verlieren. Du solltest das also bitte nie persönlich nehmen!
Aber korrekter wird es dadurch nicht!
Natürlich nicht. Ich will dieses Fehlverhalten auch nicht rechtfertigen, nur erklären. Besser wäre, Manager würden in solchen Fällen eine Kündigung ehrlich analysieren und aus ihren eventuellen Fehlern lernen. Zudem sollten Sie, wenn deine Entscheidung feststeht, dich eher noch unterstützen. Ich weiß, das hört sich paradox an. Aber wenn sie hier Größe beweisen und du beim nächsten Arbeitgeber einen noch besseren Job machst, fällt das auch auf sie zurück. Und es ist gut für die Moral der verbleibenden Mitarbeiter zu sehen, dass ihr Chef nie gegen sie arbeitet.







Strangerli
Wenn man bedenkt das ein gekündigter Mitarbeiter trotz seines Grolls weiterhin sich anständig benehmen muß ist das für Chefs, bei denen ein Mitarbeiter geht, ein ziemliches Armutszeugnis. Es wird doch so oft gesagt das man über solche Dinge darüber stehen muß, vor allem sagen das die Führungskräfte. Die eigene Medizin bekommt ihnen selbst genauso wenig wie jedem anderen Menschen.
Wie steht es eigentlich mit Chefs die einem Mitarbeiter mit Gericht drohen wenn dieser die Kündigung nicht zurücknimmt? Zu behaupten das dieser nicht richtig gearbeitet hat um ihn die weitere Zukunft zu verbauen und ihn quasi an die Firma weiterhin zu binden oder evtl. Schadensersatz zu verlangen. Solche Fälle müßten natürlich nachgewiesen werden, aber für was hat ein Chef Mitläufer die für ihn aussagen? Gab es denn schon solche Fälle?
Jochen Mai
Genau für solche Fälle ist eine gute Online-Reputation enorm nützlich. Behaupten kann der Chef dann viel – im Netz sieht das dann anders aus. Ansonsten empfehle ich das hier:
Üble Nachrede – Was tun wenn der alte Chef über einen lästert
http://karrierebibel.de/ueble-nachrede-was-tun-wenn-der-alte-chef-ueber-einen-laestert/
Strangerli
Wenn die Tätigkeiten, die man bei der Arbeit ausführt auch gleichzeitig das Hobby ist, sind damit zusätzlich auch vorzeigbare private (Hobby)Arbeiten für eine Reputation von Vorteil. Vor allem wenn diese zu der neuen Branche passen, in der man tätig werden möchte.