Man sagt ja, Menschen lernen aus ihren Niederlagen mehr, als aus ihren Erfolgen. Der Volksmund bringt es gar auf die Formel: Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Aber lässt sich das auch auf Organisationen und Unternehmen übertragen? “Oh ja!”, finden Peter Madsen und Vinit Desai von der Brigham Young Universität beziehungsweise Universität von Colorado in Denver. Die beiden haben das vor einiger Zeit in einer ausführlichen Studie (PDF) untersucht und sind zu dem Ergebnis gelangt: Auch Organisationen lernen aus Fehlern viel effektiver als aus Erfolgen, denn diese Erfahrungen prägen sich besser ein, halten länger und beeinflussen die Unternehmen nachhaltiger darin, wie sie überhaupt mit Erfahrungen umgehen und daraus lernen.

Mehr noch: Während Erfolge zwar vorhandenes Wissen stabilisieren, fordern Misserfolge dieses geradezu heraus. Und das sei wichtig, denn das wiederum stellt Traditionen, Denkmodelle und vermeindliche Wahrheiten infrage und setzt so einen Reflexions- und Innovationsprozess in Gang. Und der ist besser als der status quo, weil dabei stets neue Ideen heraus kommen. Die können dann zwar auch zu neuen Misserfolgen führen. Aber solange es weitergeht und alle daraus lernen (wie es nicht geht), ist das nur zum Besten der Organisation und hält diese frisch.

Im Wortlaut der beiden Autoren klingt das übrigens so:

Prior success also leads decision makers to be overconfident about the adequacy of their existing knowledge. Although success does not lead organization members to entirely cease processing new information, it directs their attention to local information sources, those that are in the vicinity of current organizational knowledge, and discourages “nonlocal search”. “Local search,” in turn, prompts organization members to refine their existing assumptions and approaches, but not to challenge them.

On the other hand, while organizational success leads to stability in organizational knowledge, failure challenges it. Because failure experience indicates to organization members that their existing models of the world are inadequate, failure motivates them to discard those models in a search for new models that better represent reality. Furthermore, because failure challenges the status quo, it induces decision makers to engage in deep or mindful reflection involving complex thought processes. Organizational search for knowledge in response to failure, or problemistic search, is associated with a sense of urgency that is lacking in other forms of organizational search and is, therefore, more likely to lead to the adoption of new and divergent ideas. Failure motivates organization members to correct problems, challenge old assumptions, and innovate.

Ob man daraus abgeleitet Unternehmen raten sollte, mehr Fehler zu machen, halte ich dann aber doch für übertrieben.