Jungunternehmer-jung-gründen

Ein Gastbeitrag von Alexander Plitsch

Nach Schule, Ausbildung oder Studium stehen viele vor der Frage: Wo soll es hingehen für den ersten Job? Konzern oder Mittelstand, fragen sich die Ingenieure. Unternehmensberatung oder Wirtschaftsprüfung, fragen sich die Betriebswirtschaftler. Agentur oder Marketingabteilung, fragen sich die Kreativen. Aber wer stellt sich die Frage Festanstellung oder Selbstständigkeit? Den Berufseinstieg direkt als Unternehmer zu gestalten, scheint für die meisten jungen Menschen keine Option zu sein. Wer doch darüber nachdenkt, bekommt aus seinem Umfeld einiges auf die Ohren...

Jung gründen: Das spricht eher dafür

Jeder kennt sie anscheinend, die Argumente gegen eine Selbstständigkeit in jungen Jahren. Hier kommen die beliebtesten – und wie sie sich entkräften lassen...

  1. Bevor man sich selbstständig macht, sollte man erst ein paar Jahre im Job lernen und Erfahrungen sammeln.

    Auf den ersten Blick ein nachvollziehbares Argument: Wer gerade erst in die Berufswelt einsteigt, kann vieles noch nicht wissen – Branchen- und Markt-Know-how fehlen genau wie die Kenntnis allgemeiner Regeln und Gepflogenheiten in Unternehmen. Wer als Angestellter in einem Team beginnt, kann zudem von den Kollegen lernen und hat im besten Fall einen Chef, der als Mentor sein Wissen und seine Erfahrungen weitergibt.

    Ein überzeugender Grund also, erst noch ein paar Lehr- oder Lernjahre zu absolvieren und dann den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Nicht wirklich! Es gibt keine steilere Lernkurve für junge Menschen als in der Selbstständigkeit: Wenn Sie für alles die Verantwortung tragen – und zwar jederzeit – dann lernen Sie in einem extrem hohen Tempo. Sie machen zahlreiche Erfahrungen, die Ihnen im Job vorenthalten werden, die dort Chefsache sind.

    In seinem Buch Die kaputte Elite beschreibt Benedikt Herles, wie die Realität in einem vermeintlichen Traumjob wie dem des Unternehmensberaters für viele Berufseinsteiger aussieht:

    Einmal erfolgreich rekrutiert, ist Köpfchen nicht mehr gefragt. Junge Berater müssen Excel und PowerPoint beherrschen, sonst nichts.

  2. Das Risiko zu scheitern ist viel zu hoch.

    Ja, es stimmt: Viele Ideen von Gründern scheitern am Markt. Aber erstens ist das meistens kein Beinbruch, sondern gehört zum Unternehmerdasein dazu – aus Fehlern lernt man immer noch am besten! Und zweitens ändert sich an diesem Risiko auch nichts im fortgeschrittenen Alter. Im Gegenteil, die Risikobereitschaft dürfte in der Regel in jungen Jahren deutlich höher sein. Ein noch niedriger Lebensstandard lässt sich einfacher aufrechterhalten, es gibt meist noch keine Kinder und familiären Verpflichtungen, kein kreditfinanziertes Eigenheim oder sonstige Schulden.

    Scheitern Sie mit Ihrer Idee, können Sie sich ja immer noch anstellen lassen. Was haben Sie zu verlieren? Eben. Aber gewinnen können Sie einiges – und wenn es im Fall des Scheiterns nur eine lehrreiche und spannende Erfahrung ist.
  3. Als Grünschnabel wird man von Kunden und Geschäftspartnern nicht ernst genommen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieses von den genannten Argumenten noch das stärkste ist. Ich selbst war 24 Jahre alt, als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe – ausgerechnet eine Kommunikationsagentur, also ein Beratungsunternehmen. Und ja, immer wieder gab es Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, auf mein Gegenüber nicht die gewünschte kompetente Wirkung zu haben. Doch es gibt viele Strategien, mit diesem Problem umzugehen: Ich zum Beispiel habe damals aus der gefühlten Schwäche eine Stärke gemacht und bewusst Kunden adressiert, die junge Zielgruppen ansprechen wollten.

    In vielen anderen Bereichen und Branchen, gerade bei den stark wachsenden Online-Geschäftsmodellen, spielt das Alter ohnehin nur eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Andererseits habe ich immer wieder auch das genaue Gegenteil erlebt: Viele Menschen zollen einem jungen Unternehmer Respekt für den Mut und die Fähigkeit, schon so früh ein eigenes Unternehmen aufzubauen.
  4. Arbeiten an der eigenen Idee, an der Erfüllung des eigenen Traumes

    Wie Sie sehen, lassen sich Argumente gegen eine Selbstständigkeit zum Berufseinstieg entkräften, wenn man nur will. Und das ist der entscheidende Punkt: Ein starker Wille, etwas Eigenes aufzubauen. Wenn dieser vorhanden ist, sollte man die Gegenargumente zwar ernst nehmen – sich aber auch klarmachen, welche großen Vorteile die Selbstständigkeit mit sich bringt:

    • Natürlich arbeiten viele Selbstständige sehr viel, oft mehr als 40 Stunden pro Woche. Aber sie genießen andere Freiheiten, arbeiten an ihrem eigenen Projekt, entscheiden selbst und teilen sich ihre Zeit frei ein.
    • Ja, viele Unternehmen werfen nicht gleich von Beginn an viel Gewinn ab. Aber auf lange Sicht haben Selbstständige noch immer die besten Karten, aus eigener Kraft ein außergewöhnlich hohes Einkommen zu erzielen.
    • Es stimmt, dass man eine Menge Verantwortung trägt und niemand über einen wacht, der im Zweifelsfall eingreifen kann. Aber ist es wirklich besser, abhängig vom Wohlwollen und den Launen eines Vorgesetzten zu sein?
    • Klar, eine großartige Idee, die am Markt erfolgreich ist, muss man erst mal finden. Aber die Mühe lohnt sich: Einmal gefunden, arbeitet man tagtäglich an der eigenen Idee, an der Erfüllung des eigenen Traumes – und nicht als kleines Rädchen im großen Getriebe eines Konzerns.

    So könnte man eine ganze Weile weitermachen. Für jede Sorge, für jede Hürde, für jede Angst gibt es auch die Gegenperspektive. Warum man die so selten hört oder liest – die Warnungen und Bedenken hingegen ständig?

    Das ist leider typisch für die Mentalität in unserer Gesellschaft: Sicherheit geht eben doch oft vor Freiheit. Und Gleichheit geht leider viel zu oft vor Individualität und Kreativität. In seinem fantastischen Artikel hat Wolf Lotter beleuchtet, wieso sich unsere Gesellschaft so schwer tut im Umgang mit Talenten:

    Talente und Begabungen sind eine natürliche Bedrohung für alle, denen an der Änderung des Status quo nicht gelegen ist. Talente bringen Veränderungen. Das stellt das Vorhandene infrage – und stört.

    Schlummert in Ihnen ein Entrepreneur?

    Jemand, der sein Talent entfaltet, eine neue Idee entwickelt und sich selbstständig macht, verlässt die Komfortzone, hebt sich von der breiten Masse ab, verhält sich nicht konform. Jemand, der sich das auch noch direkt nach der Schule oder Uni traut, passt erst recht nicht ins Raster. Das macht die Menschen unsicher:

    • Was traut der sich da?
    • Was nimmt die sich heraus?
    • Können und dürfen die das denn überhaupt?

    Hier gilt wie so oft die wichtige Erkenntnis: Nicht alles, was die breite Masse sagt und denkt, muss richtig sein. Sie müssen nicht das Leben leben, das Andere von Ihnen erwarten – leben Sie das Leben, dass Sie sich wünschen.

    Wollen Sie auf Jobsuche gehen? Wollen Sie sich durch hunderte Stellenbeschreibungen auf Online-Portalen ackern, in der Hoffnung, ein einigermaßen passendes Jobprofil zu entdecken? Oder schlummert in Ihnen vielleicht doch ein Entrepreneur?

    Wenn ja, seien Sie mutig und kreieren Sie sich selbst genau den Job, den Sie sich wünschen.

    Über den Autor

    alexanderplitschDr. Alexander Plitsch ist Unternehmer, Kreativstratege und Autor. Gleich im Anschluss an sein Studium der Kommunikations-wissenschaft machte er sich selbstständig – er berät heute Unternehmen und begleitet Gründer und Startups als Coach und Mentor etwa bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen. In seinem Blog schreibt er über Erfolgsstrategien für Selbststarter, die aktiv ihr Potential entfalten und mit smarten Geschäftsmodellen die Welt bereichern wollen.

    [Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]