Nicht wenige Bewerber investieren mehrere Stunden in Ihre Bewerbung, recherchieren Ansprechpartner und Infos über das Unternehmen, feilen an Formulierungen und dem Design ihrer Bewerbungsmappen. Alles aktuell, alles perfekt, alles ziemlich unverhältnismäßig. Denn auf der anderen Seite sitzen die Personalverantwortlichen – und die nehmen sich pro Bewerbung meist weniger als fünf Minuten Zeit, so das Ergebnis des ICR Recruiter Survey, an dem sich rund 250 Personalverantwortliche beteiligt haben.
Bei mehr als einem Drittel sind es sogar oft nur zwei bis drei Minuten, die sich ein Personaler Zeit nehmen, um einen Kandidaten auszuwählen. Vielleicht noch nicht endgültig, aber diese drei Minuten entscheiden schon über Hopp oder Top – also ob die Mappe sofort auf den Absagenstapel wandert oder eine Runde weiter kommt. In dieser kurzen Spanne sieben die HR-Manager dann vor allem nach diesen zwei Kriterien aus:
- Allgemein: geht gar nicht (trifft auf 30 bis 40 Prozent der Bewerbungen zu)
- Persönliche oder fachliche Nicht-Eignung (40 Prozent)
Die restlichen 20 bis 30 Prozent kommen weiter. Und für sie und ihre Bewerbungsunterlagen - was die Eingangszahl etwas relativiert - nehmen sich die Personaler auch wieder deutlich mehr Zeit: bis zu 20 Minuten.
Interessant: Die These - je größer das Unternehmen, desto kürzer dauert der erste Auswahldurchgang - stimmt nicht. Bei Unternehmen mit 25.000 bis 50.000 Mitarbeitern gaben die Recruiter zwar an, lediglich bis zu zwei Minuten für die Durchsicht einer Bewerbung zu benötigen. Ihre Kollegen in den Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern und mehr gaben eine doppelt so lange Zeit an. Noch mehr Zeit nehmen sich allerdings Mittelständler mit weniger als 100 Mitarbeitern (siehe auch Grafik).
Aber zugegeben, ein bisschen frustrierend ist das schon, dass mancher Bewerber vielleicht tage- oder gar wochenlang über seiner optimalen Bewerbung brütet, und dann fällt sie nach nur zwei Minuten durch.








Anna-Sadako
Traurig aber wahr, und oftmals bekommt man die Bewerbung nicht einmal zurück geschickt. Wartet also vergebens auf eine Antwort.
Tanja Ries
“Aber zugegeben, ein bisschen frustrierend ist das schon, dass mancher Bewerber vielleicht tage- oder gar wochenlang über seiner optimalen Bewerbung brütet, und dann fällt sie nach nur zwei Minuten durch.”
Oder -Wir sehen es als Herausforderung!
Wie schaffe ich es mich in meiner Bewerbung mit all meinen Potentialen so “sichtbar” zu machen, dass ich, in eben diesen wenigen Minuten, bei dem/der Personaler_in einen “guten Eindruck” hinterlasse. Also, mit meiner Bewerbung ein “Versprechen” gebe, dass für die Firma attraktiv ist, und das ich auch einlösen kann.
Beste Grüße. Tanja Ries.
Caldrin
Eine Bewerbung, an der Bewerber der tage- oder gar wochenlang gearbeitet hat, sollte doch gut genug sein, um nicht in die “völlig ungeeignet”-Ablage zu fallen. Wenn das nicht der Fall ist, wäre das zumindest ein guter Grund, warum man die Person nicht einstellen will.
Dani
Ja, aus Bewerbersicht eine frustrierende Erkenntnis. Aus eigener Erfahrung in der Personalarbeit muss ich leider sagen, dass die kapazitäten der Personaler immer enger gesteckt werden und man sich häufig gerne länger Zeit nehmen würde, wenn man sie hätte. Nicht gut. Viele Grüße.
Jochen Mai
@Dani: Das glaube ich sofort und habe dafür auch Verständnis. Nur ist die nackte Tatsache, dass gerade mal zwei Minuten über das Schicksal entscheiden können, einfach auch sehr schwer emotional nachzuvollziehen. Es kommt einem Akt der Geringschätzung gleich.
Tanja Ries
Hallo,
aus Bewerbersicht glaube ich gerne, dass dies schnell mit einem Akt der Geringschätzung gleich gesetzt wird. Diese Haltung ist jedoch ebenfalls wenig förderlich für den Bewerbungsprozess. “Jetzt nehmen die mich nicht einmal wahr” “Ich habe mich doch so angestrengt und brauche den Job” – eine weitere Falle in die Bewerbende ab und an hineintappen. Die Haltung: Ich bin bedürftig. Ich brauche etwas (Geld, Anerkennung usw.).
Da hilft nur sich aus der “Opferrolle” heraus zu begeben und dem klassischen “first give, than take” zu folgen: Was habe ich zu bieten? Was zeichnet mich aus? Was ist der Gewinn, den ich ihrer Firma biete?
Ich erlebe des öfteren, dass Menschen diese Fragen nicht ad hoc beantworten können. Diese Arbeitsleistung, sich zu beschäftigen mit der Antwort auf die Frage: “Was macht mich, neben meinen rein fachlichen Qualifikationen und Zeugnissen, als Mensch, als Persönlichkeit aus. Was sind meine Potentiale? Wie, und durch was, kann ich die anderen bereichern? Meine positive Ausstrahlung (da wo ich bin scheint immer die Sonne), mein Mut Neues zu denken, meine akkurate Art, meine Ordnungsliebe, meine hohe Kommunikationsfähigkeit, meine Ruhe, meine Beständigkeit, meine Kreativität, Flexibilität …” All das sind die Potentiale in unseren Persönlichkeiten die letztendlich die Entscheidung für uns maßgeblich beeinflussen.
Und wenn wir wissen was uns ausmacht, dann ist es ein Leichtes dies auch eindeutig zu kommunizieren. Dann ist das sichtbar. Schon auf unserem Photo. Schon in den ersten sätzen unseres Anschreibens. – Dann reichen 2 Minuten aus.
Beste Grüße. Tanja Ries.
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