Schon im Kindesalter offenbart sich unser Karrierepotenzial. Oder anders formuliert: Wer sich und seine Gefühle als Kind im Griff hat, dessen Chancen steigen, im Beruf später erfolgreich zu sein.
Selbstbeherrschung und Disziplin als Schlüssel zum Erfolg – das ist das Fazit einer Langzeitstudie (pdf) von Avshalom Caspi und Terrie Moffit, die dazu die Laufbahn von 1037 Kindern aus Dunedin (Neuseeland) verfolgt haben – von der Geburt bis zum 32. Lebensjahr.
Dabei befragten die Forscher die Kinder regelmäßig – mit drei, fünf, sieben, neun und elf Jahren -, machten Charakterstudien, befragten Eltern und Lehrer und wiederholten das Ganze bei der weiteren Laufbahn im Erwachsenenalter. Dabei zeigte sich: Selbstbeherrschung war ein besonders verlässlicher Indikator für den späteren Erfolg. Je stärker Beharrlichkeit, Geduld oder Sorgfalt schon bei den Dreijährigen ausgeprägt waren, desto eher machten sie Karriere. Im umgekehrten Fall brachen die Kinder häufiger die Schule ab oder hatten im Erwachsenenalter öfter Gesundheits-, Figur- oder Drogenprobleme.
Wenn Ihnen das alles seltsam vertraut vorkommt: Ihr Gefühl täuscht Sie nicht! Schon in den Sechzigerjahren fanden Sozialpsychologen mithilfe des sogenannten Marshmallow-Tests dasselbe heraus: Selbstdisziplin – im Umgang mit Süßigkeiten – verrät späteren Lebenserfolg.
Damals stellten die Wissenschaftler eine Gruppe von Vorschülern vor eine Tüte Marshmallows und die Alternative: Entweder ihr bekommt eine Süßigkeit sofort – oder ihr wartet, bis der Versuchsleiter zurückkommt und bekommt dann zwei. Einige Kinder griffen sofort zu, die Mehrheit aber wartete ab und bekam den doppelten Lohn. Damit war das Experiment aber nicht vorbei: Rund 14 Jahre später wurden dieselben Schüler erneut unter die Lupe genommen: Die Geduldigen waren zu selbstbewussten, sozial kompetenten Persönlichkeiten gereift, konnten mit Rückschlägen umgehen und waren in der Lage, eine Belohnung aufzuschieben, wenn es ihren Zielen diente. Die Sofortesser dagegen waren unsicherer, unentschlossener, neidischer, und schnitten auch – unabhängig von ihrer Intelligenz – in der Schule schlechter ab. Kurzum: Die Fähigkeit zum Gratifikationsverzicht oder besser gesagt -aufschub ist ein Kennzeichen starker Charaktere, es ist: emotionale Intelligenz.
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Constantin Sander
Ein sehr spannender Versuch. Manfred Spitzer hat mal darüber berichtet. Danke für die Links, Herr Mai. Allerdings hat das mit Genetik wenig zu tun. Verhalten ist vor allem ein Frage der Prägung. Der Versuch zeigt uns aber, wie sich früh gebildete Muster langfristig auswirken können.
Jochen Mai
Gen war hier auch eher ein Synonym. Man spricht in dem Zusammenhang ja immer wieder von Erfolgs-”Genen”…
Constantin Sander
Yep. Aber seit Sarrazin …Bei Gen assoziiere ich immer eine unveränderbare Festlegung. Aber unser Gehirn ist ja formbar.
Gehirn
Ein Gehirn ist keineswegs formbar. Dies würde ansonsten zu erheblichen und irreversiblen Schädigungen führen, Herr Sander.