Auch wenn die formale Gestaltung von Bewerbungen weitgehend normiert ist, definiert doch jedes Unternehmen für sich, was eine gute Bewerbung ausmacht. Um Ihnen einen Einblick in Auswahl- und Bewerbungsprozesse zu geben, haben wir verschiedenen Firmen einige Fragen rund um die Bewerbung gestellt. Die Antworten veröffentlichen wir im Rahmen einer neuen Serie immer freitags hier auf der Karrierebibel. Die teilnehmenden Unternehmen stammen aus den verschiedensten Branchen und decken daher ein großes Spektrum. Mitlesen lohnt sich also auf jeden Fall.
Philips-Recruiterin Susanne Hagen hatten wir bereits interviewt, heute folgt ein Unternehmen aus einer ganz an anderen Branche. Das Haus der Betreuung und Pflege ist ein Alten- und Pflegeheim, das zur Alpenland GmbH gehört. Im Sozialbereich sind die Schwerpunkte – wie Sie an den Antworten sehen werden – etwas anders gelagert als in großen Konzernen. Bei den Bewerbern handelt es sich naturgemäß hauptsächlich um Fachkräfte aus dem Pflege- und Betreuungsbereich. Die Fragen hat uns Einrichtungsleiter Franz-Josef Würfl beantwortet.
Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?
Bitte kein Hochglanz, am besten Mappen verwenden, die vorne durchsichtig sind. Diese sind am praktischsten beim Auswahlprozess.
Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?
Nur eine Seite und die dafür optimal nutzen, um sich interessant zu machen. Das ist der Schlüssel, damit die Bewerbung überhaupt weiter gelesen wird. Der Leser darf nicht gelangweilt werden und zwei Seiten sind defintiv zu viel.
Gehaltsvorstellungen angeben?
Das kommt auf jeden Fall gut an und zeigt Initiative und Selbstbewusstsein.
Das größte Tabu in der Bewerbung?
Kein Bewerbungsfoto. Das macht die Bewerbung unpersönlich und wirkt seltsam. Ein Bild bei einer Freizeitbeschäftigung ist allerdings auch nicht gut. Das wirkt unprofessionell und alles andere als engagiert.
Lebenslauf – chronologisch, amerikanisch oder thematisch?
Chronologisch, jedoch bitte mit dem aktuellen Zeitpunkt beginnen. So ist der Lebenslauf am einfachsten zu lesen und lässt sich schnell überfliegen.
Interessieren Hobbys?
Ja, denn diese sagen zusätzlich etwas über die Eignung für die spätere Arbeit aus. Daran lässt sich auch ablesen, ob der Bewerber einen Ausgleich zur Arbeit hat und abschalten kann.
Mit oder ohne Bewerbungsfoto?
Immer mit. Das Foto sollte möglichst aktuell sein und gut aussehen. Schöne Bilder von vor zehn Jahren sind nicht gut. Das Bild passt dann nicht mehr zur Person und erzeugt eine falsche Erwartungshaltung, die dann im Vorstellungsgespräch enttäuscht wird.
Farbe oder Schwarz/Weiß?
So lange das Bild aktuell ist und der Bewerber darauf gut aussieht, ist beides gut.
Dritte Seite – ja oder nein?
Nein, ein überzeugendes Anschreiben und ein übersichtlicher Lebenslauf reichen völlig.
Wie viele Zeugnisse dazu?
Grundsätzlich alle, außer es geht um Führungspositionen. Dann reichen die Zeugnisse ab dem Zeitpunkt, ab dem der Bewerber als Führungskraft tätig war.
Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?
Auf jeden Fall, so zeigt der Bewerber Interesse und Engagement. Wir beantworten jede Nachfrage möglichst schnell.
Googlen Sie Kandidaten?
Nur bei Bewerbungen für Führungspositionen oder Stabsstellen. Ansonsten reichen das Anschreiben und das Vorstellungsgespräch.
Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?
Maximal vier Wochen, alles andere ist sowohl für uns als Unternehmen als auch für den Bewerber zu lang.
Der gruseligste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
Ein Bewerber der Kaugummi kauend im Schlabberlook zum Gespräch kam und dann wippend im Stuhl saß. Er hat das Gespräch offensichtlich nicht ernst genommen und wollte den Job wohl nicht.
Der genialste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
Ein Bewerber, der selbstbewusst und überzeugend auftrat und im Vorstellungsgespräch Humor einfließen lies. Das macht ein Gespräch angenehm und erhöht die Chancen auf den Job.
Disclaimer: Seit September 2011 arbeitet Karrierebibel-Autor Christian Müller im Bereich Kommunikation für das Haus der Betreuung und Pflege. Auf die Antworten hatte er keinerlei Einfluss, innerhalb der Serie werden noch andere Soziale Einrichtungen vertreten sein.
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