Und tschüss: Warum Menschen die Firma wechseln
Karrieren verlaufen heute nicht mehr so gradlinig wie vor einigen Jahren noch. Der Lebenslauf mit nur einem Arbeitgeber von der Ausbildung bis zur Rente gehört der Vergangenheit an. Zum Glück! Das macht Arbeitnehmer flexibler, die Jobs abwechslungsreicher, das Berufsleben spannender - aber auch herausfordernder. Karrierewechsel bringen nicht nur neue Erfahrungen mit sich, die - richtig genutzt - zum persönlichen und auch beruflichen Glück führen können. Sie stellen die Betroffenen auch vor die Aufgaben, ihre Erwerbsbiografien aktiver zu gestalten, Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und entsprechende Karrierewechsel gut zu planen und gegenüber neuen Arbeitgebern gut zu begründen. So gelingt das Umsatteln...

Gründe, warum Sie einen Karrierewechsel in Betracht ziehen

Loyalität war gestern. Nicht nur, dass Arbeitgeber sich im Zweifel schneller von Mitarbeitern trennen. Auch die Beschäftigten selbst sind häufiger auf der Suche nach besseren Alternativen. Studien zufolge hat sich allein der Anteil der Arbeitnehmer, die aktiv eine neue Stelle suchen, in den vergangenen vier Jahren um acht Prozent erhöht - auf 30 Prozent.

Auch diejenigen, die zwar nicht aktiv suchen, aber durchaus offen für einen Jobwechsel sind, werden mehr: 57 Prozent können sich aktuell vorstellen, eine neue Herausforderung anzunehmen - acht Prozent mehr als vor vier Jahren. Entsprechend geht die Zahl der Zufriedenen, für die ein Karrierewechsel ausgeschlossen ist, stetig zurück - von 16 auf heute nur noch 13 Prozent.

Dabei zeichnen sich zugleich einige Trends ab:

  • Größe macht unattraktiv

    Großkonzerne verlieren an Anziehungskraft. Kleinere und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern sind dagegen die Gewinner. Hier erhoffen sich Mitarbeiter unter anderem bessere Aufstiegschancen und mehr Verantwortung.

  • IT zieht an

    Wirtschaftsbereiche, die überproportional viele Mitarbeiter aus anderen Branchen rekrutieren, sind auf globaler Ebene der IT-Bereich, Gesundheit und Energie. Aus dem Bildungsbereich, Behörden, NGOs und Handelsunternehmen wandern dagegen besonders viele Mitarbeiter in andere Branchen ab.

  • Ingenieure und Berater wechseln öfter

    Unter Ingenieuren ist die Fluktuation am größten, auch Berater wechseln häufiger - der hohe Bedarf nach ihnen macht es möglich. Weniger häufig treten Mitarbeiter in der Administration, in der Produktion und im Verkauf neue Jobs an.

Auch die Gründe für einen Karrierewechsel sind fast immer dieselben:

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All die genannten Gründe sind allerdings kein Freibrief dafür, vorschnell die Flinte ins Korn zu werfen und seinen Job zu kündigen. Woanders muss das Gras nicht grüner sein... Soll heißen: So ein Karrierewechsel will gut überlegt und geplant sein.

Falls Sie also gerade mit dem Gedanken spielen, Ihre jetzige Position in etwas gänzlich Neues zu verändern, sollten Sie sich fragen, warum Sie dies tun wollen - und wohin.

Gute Gründe für einen Karrierewechsel

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  • Gesundheit.

    Es gibt Jobs, die machen krank: Es herrscht Permastress, der Chef vergiftet die Atmosphäre, die Kollegen mobben. So etwas kann und sollte kein Mensch auf Dauer ertragen. Das Geld mag wichtig sein - die Gesundheit ist wichtiger.

  • Langeweile.

    Gemeint ist weniger das angebliche Phänomen Boreout. Dagegen lässt sich etwas unternehmen. Wenn aber der Job keinerlei Herausforderungen bietet und Sie dort auch nichts mehr lernen oder erreichen können, wird es Zeit, den Job zu wechseln - intern oder extern.

  • Stillstand.

    Und zwar in jeder Hinsicht: Es fehlen sowohl Karriereperspektiven als auch finanzielle. Und der Laden entwickelt sich auch nicht weiter. Gut, Sie haben einen Job. Aber wie lange noch? Und wo bleibt da der Anreiz und Spaß?

  • Unsicherheit.

    Zugegeben, kein Job ist heute noch sicher. Dafür verändern sich Märkte und Branchen zu schnell. Aber wenn Sie in Dauerangst um Ihre berufliche Existenz oder Zukunft leben, ist das nur noch kräftezehrend - und macht auf Dauer krank (siehe oben.)

  • Vetternwirtschaft.

    Sie rackern sich jeden Tag und hören nicht mal ein "Danke". Geringschätzung wäre schon so ein Grund zu gehen. Aber wenn das dann noch mit Günstlingswirtschaft zusammenfällt, ist das Maß voll.

Schlechte Gründe für einen Karrierewechsel

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  • Frust.

    Wir haben alle mal einen schlechten Tag im Job. Manchmal hält der Unmut auch ein paar Tage an. Aber das ist kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Frusttage gibt es auch in anderen Jobs und Unternehmen. Das Gesamtbild im Jahresverlauf ist entscheidend.

  • Kritik.

    Okay, der Chef war mit Ihrer Leistung so gar nicht zufrieden und hat sie ordentlich gefaltet. Nicht die beste Art, sicher. Aber eher ein Grund zur Selbstreflexion, wo Sie sich verbessern können. Erst wenn die Kritik haltlos und chronisch wird, spricht das für einen Karrierewechsel.

  • Fehler.

    Und zwar ein richtig schwerwiegender. Sie haben es so richtig vermasselt, das kommt das Unternehmen teuer zu stehen. Die Scham ist groß, und es kann sein, dass man Sie dafür feuert. Klüger aber wäre die Haltung von IBM-Gründer Tom Watson: "Die Firma hat gerade mehrere Hunderttausend Euro in Ihre Ausbildung investiert. Warum sollte jemand anderes diese Erfahrung gratis bekommen?" Also übernehmen Sie Verantwortung und lernen Sie daraus.

  • Chef.

    Man sagt, Mitarbeiter kommen für Jobs und gehen wegen Chefs. Das stimmt - zum Teil. Denn mal ehrlich: Die wenigsten Chefs sind perfekt, wie wir auch. Aber auch Manager lassen sich managen - nur subtiler.

Diese 4 Motive sind entscheidend

Check-Icon-TransparentDie Motive zu gehen, mögen hier und da variieren. Aber am Ende läuft es aber immer auf vier wesentliche Fragen hinaus. Fragen, die jeder nur für sich beantworten kann, die aber eine deutliche Tendenz aufzeigen können, ob es Zeit ist, den Job zu wechseln:

  • Erwarte ich innerhalb der nächsten zwölf Monate eine wichtige Rolle im Unternehmen und in der Organisation zu spielen?
  • Habe ich einen Chef, der mein Engagement wertschätzt und würdigt, der mich fördert und fordert, um mich weiterentwickeln zu können?
  • Werde ich nicht nur meine Leistung, sondern auch meinen Marktwert durch meine Arbeit hier steigern können?
  • Bin ich sicher, meine Fähigkeiten und Talente optimal einsetzen zu können, um nicht zuletzt den Wandel signifikant und aktiv zu begleiten, zu gestalten und den Herausforderungen begegnen zu können?

Selbsttest zum Jobwechsel

Sie sind noch immer unsicher? Zwar sind Sie unzufrieden und spielen mit dem Gedanken, den Job zu wechseln, aber genau wissen Sie es nicht? Dann machen Sie unseren kurzen Selbsttest. Die Fragen darin können Ihnen ebenfalls dabei helfen, klarer zu sehen und regen dazu an, sich intensiver mit der eigenen Situation auseinander zu setzen.

HIER geht’s zum Test.

Die 10 besten Tipps für den Karrierewechsel

Wie gelingt der Sprung in ein neues berufliches Umfeld, in dem bisher keine oder bestenfalls kaum Erfahrungen gesammelt wurden? Wir habe dazu mehrere Experten, Branchenwechsler und Karriereberater befragt und daraus die zehn besten Tipps destilliert, die Ihrem Karrierewechsel zum Erfolg verhelfen können:

  1. Machen Sie sich bewusst, was Ihnen gefällt

    Vermutlich streben Sie einen Karrierewechsel an, weil Sie in Ihrem jetzigen Berufsfeld unzufrieden sind. Es ist daher notwendig, dass Sie sich bewusst machen, was Sie vom neuen Job (Besseres) erwarten: Welche Tätigkeiten machen Ihnen Spaß? Wie und wohin wollen Sie sich weiterentwickeln, was wollen Sie verdienen und was für ein Arbeitsumfeld suchen Sie? Bevor Sie eine endgültige Entscheidung für einen neuen Beruf treffen, sollten Sie sich diese Fragen stellen und die passenden Antworten finden.

  2. Kalkulieren Sie das notwendige Budget ein

    Mit ausreichend Geld auf dem Konto fällt es leicht, sich in aller Ruhe Gedanken über einen Karrierewechsel zu machen. Für die weniger Begüterten ist der Umstieg beschwerlicher. Für sie ist daher wichtig, das Budget genau zu kalkulieren und eisern unter Kontrolle zu halten: Benötige ich einen Kredit für die Umschulung, Weiterbildung oder Überbrückung? Wie lange kann ich mit dem Ersparten durchhalten, ohne nebenher jobben zu müssen? Ein finanzieller Rahmen hilft Ihnen, sich voll und ganz auf den neuen Job konzentrieren zu können - und sorgt auch für mentale Absicherung. Beispiel Freelancer: Für sie sind Einnahmen in den ersten Wochen und Monaten nur schwer vorhersehbar, viel hängt von Eigenmarketing, Auftragslage, auch der Konjunktur ab. Und: Die Einnahmen gehen nur unregelmäßig auf dem Konto ein. Daher wichtig: Werden Sie der Finanzen Herr, bevor sie den Karrierewechsel mangels Bargeld beenden müssen.

  3. Lassen Sie die Entscheidung reifen

    Malcolm Gladwell schrieb 2005 seinen Bestseller "Blink" über die Macht der Intuition - darüber, wie man innerhalb kürzester Zeit sinnvolle Entscheidungen treffen kann. Das sollten Sie in diesem Fall aber sein lassen: Nehmen Sie sich lieber die Zeit, um in einem länger währenden Denkprozess alle Pros und Cons gegenüberzustellen, verschiedene Szenarien durchzuspielen, abzuwägen und abschließend zu urteilen. Räumen Sie sich selbst ein großzügiges Zeitlimit ein und fällen erst dann die Entscheidung, wie es mit Ihnen weitergeht.

  4. Holen sie die notwendigen Informationen ein

    Es ist leicht, sich in eine fixe Idee zu verlieben und anschließend nicht mehr davon abzurücken. Sie sollten aber immer die Fakten im Auge behalten und alle relevanten Informationen über neue Berufsfelder einholen: Wie ist die Arbeit in Ihrem gewünschten Bereich, welche Anforderungen werden gestellt und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Eine gute Vorbereitung ist für einen erfolgreichen Karrierewechsel unerlässlich. Achten Sie dabei auch auf Ihre sogenannte latente Prägung

  5. Nutzen Sie gezielte Weiterbildungen

    Da Sprünge zwischen unterschiedlichen Branchen und Berufszweigen teilweise sehr groß sind, werden Sie in vielen Fällen nicht um eine Fort- oder Weiterbildung herumkommen. Einige vorhandene Fähigkeiten werden in jedem Job geschätzt, doch gibt es immer auch spezielle Fähigkeiten, die von Bewerbern erwartet werden. Fragen Sie bei Brancheninsidern und Arbeitgebern nach, was von Bewerbern erwartet wird und besuchen Sie die nötigen Weiterbildungen, um mit fachlicher Kompetenz zu überzeugen. Bei uns können Sie sich hier auch gleich kostenlos über entsprechende Angebote informieren:

  6. Knüpfen Sie Kontakte in die neue Branche

    Je weiter der neue Arbeitsbereich von Ihrem alten Job entfernt ist, desto schwieriger ist es, einen Einstieg zu finden. Hier macht es sich bezahlt, wenn Sie bereits ein großes Netzwerk aufgebaut haben. Gut für Sie: Dafür ist es nie zu spät. Knüpfen Sie also am besten heute noch neue Kontakte in der Branche, in der Sie künftig arbeiten wollen und besuchen Sie beispielsweise passende Events. So erfahren Sie vielleicht von der ein oder anderen Firma, die gerade auf Personalsuche ist oder kommen gleich mit einem passenden Personaler ins Gespräch.

  7. Bauen Sie sich eine Marke auf

    Wir leben in Zeiten, die einen Karrierewechsel eher vereinfachen als erschweren. Über das Internet hat heute jeder die Möglichkeit, an seiner Reputation - dem Personal Branding - zu arbeiten und sich einen Namen als Fachkraft und Experte zu machen. Dazu benötigen Sie zum Einen gute Argumente, die Ihren Bruch im Lebenslauf möglichst geschmeidig wirken lassen. Zugleich sollte deutlich werden, was Sie zu bieten haben. Unerlässlich sind dazu gepflegte Profile in Business-Netzwerken wie Linkedin oder Xing. Aber auch ein eigenes Blog sollten Sie dafür in Erwägung ziehen. Ja, das macht Arbeit und dauert länger im Aufbau - lohnt sich dafür aber über eine ganze Berufslaufbahn hinweg.

  8. Bringen Sie Ihren Lebenslauf auf den neuesten Stand

    Nach einigen Jahren in Ihrem Beruf ist Ihr Lebenslauf vermutlich ein wenig verstaubt. Die wenigsten Arbeitnehmer denken regelmäßig daran, Ihre Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren. Spätestens jetzt ist aber die Zeit dafür - Sie wollen sich schließlich auf eine neue Herausforderung einlassen. Die besten Tipps, Dossiers und Mustervorlagen dazu finden Sie bei uns hier:

    ABC der Bewerbungstipps
    Bewerbung Checkliste
    Kostenlose Bewerbungsvorlagen

  9. Erwarten Sie nicht zu viel

    Ein Karrierewechsel kann am Anfang immer auch ein Schritt zurück auf der Karriereleiter bedeuten. Schließlich beginnen Sie mehr oder weniger wieder von vorn in einem neuen Berufsfeld. Es wird Ihnen daher wahrscheinlich nicht gleich der rote Teppich ausgerollt und eine Führungsposition in Aussicht gestellt. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen: Auch eine Einstiegsposition kann der perfekte Anfang sein, um neu durchzustarten. Schauen Sie sich dazu am besten auch vorab auf dem Arbeitsmarkt um: Was wird gesucht? Was wird angeboten? Auch hier können Sie gleich die Suchfunktion unserer eigenen Jobbörse Karrieresprung.de nutzen - derzeit sind dort mehr als 100.000 offene Stellen gelistet:

    Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.
  10. Bleiben Sie weiterhin flexibel

    Da Sie sich beruflich verändern, sollten Sie auch die nötige Flexibilität mitbringen, die diese Entscheidung erfordert. Nicht jeder ist so glücklich und findet das neue berufliche Glück in der gleichen Stadt. Es kann durchaus nötig sein, eine weitere Anfahrt zum Job in Kauf zu nehmen oder sogar umzuziehen. Gerade für Familien ist das schwierig, doch es gilt: Je flexibler Sie sind, desto größer sind Ihre Chancen.

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