Kaugummikauen-gesund
Kaugummi kauen genießt nicht gerade den besten Ruf - vor allem, weil es so viele mit offenem Mund tun. Brrr. Doch das negative Image täuscht. Kaugummis sind besser als ihr Ruf. Unabhängig davon, dass sie den Atem verbessern (bei einigen Zeitgenossen wenigstens kurzfristig) machen sie auch noch schlauer. Ein bisschen wenigstens. Denn Kaugummi kauen beschleunigt unsere kognitive Fähigkeiten, so eine japanische Studie. Oder salopp gesagt: Wer Kaugummi kaut, denkt und merkt sich Dinge schneller...

Kaugummi kauen macht schlauer

Das Studienergebnis deckt sich gleich mit einer Reihe weiteren dazu: Schon vor einiger Zeit fand Serge Onyper, Psychologe an der St. Lawrence Universität heraus, dass sich die Leistung von Studenten tatsächlich verbessert, wenn sie fünf Minuten vor einer Prüfung Kaugummi kauen. Am Ende erzielten seine kauenden Probanden tatsächlich bessere Noten. Allerdings funktioniere der Trick nur in den ersten 15 bis 20 Minuten der Prüfung. Danach nehme die Wirkung ab.

Stimmt's oder Mythos: Kaugummi verschlucken ist gefährlich?

Wohin mit dem Kaugummi, wenn keine Mülltonne in Sicht ist? Nicht wenige schlucken die Kaumasse einfach herunter. Fatal! Hieß es früher. Eltern warnten gar davor, es bilde sich so im Magen ein klebriger Gummiball... Alles Quatsch: Es stimmt zwar, dass Kaugummi bis auf wenige Bestandteile wie etwa der Zucker darin, unverdaulich ist. Diese Reste aber werden ganz normal über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden.

Drei gute Gründe Kaugummi zu kauen:

  1. Kauen macht schlau.

    Forscher der britischen Universität Northumbria testeten 75 Stunden lang das Kurz- und Langzeitgedächtnis ihrer Probanden und teilen sie in drei Gruppen: Die einen kauten Kaugummi, die zweiten absolvierten lediglich Kiefergymnastik, die dritten hielten ihre Klappe still. Ergebnis: Die Kaugummi-Kauer konnten sich am besten an Telefonnummern und Vokabeln erinnern.

  2. Kaugummikauen baut Stress ab.

    Unter psychischem Druck verspannen sich schnell Kiefer-, Gesichts- und Nackenmuskeln – Folge: Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Das Kaugummis zu kauen dagegen kann solche Verspannungen lockern und Stress in körperliche Bewegung umwandeln.

  3. Kaugummi schützt den Magen.

    Untersuchungen zeigten, dass Patienten, die nach einer Darmoperationen dreimal täglich Kaugummis für jeweils eine Stunde kauten, ihren Verdauungsapparat anregten und Magensäuren neutralisierten. Erklärung: Durch das Kauen würden bestimmte Nerven stimuliert, die die Aktivität des Magen-Darm-Trakts anregen.

Überdies zeigten Studien, dass Kaugummi kauen nach dem Essen Sodbrennen lindern kann. Dabei werde die Speichelproduktion angeregt. Der alkalische Speichel wiederum neutralisiere für rund drei Stunden die für das Sodbrennen verantwortliche aufsteigende Magensäure.

Wie der Kaugummi in die Welt (und unter die Schuhsohle) kam

nyul/123rfWas wir heute als Kaugummi kennen, war aber nicht immer so. Am Anfang nämlich schmeckte Kaugummi noch nach Dreck.

Während unsere Steinzeitvorfahren am flackernden Feuer wahlweise über die Vorzüge von Mammuts oder Höhlenmamas sinnierten, kauten sie gerne mal auf Baumharzen und Birkenpech herum. Lecker. In den Hochkulturen der alten Ägypter und Römer war man da schon weiter und katschte lieber den Harz des Mastixbaumes, in der Hoffnung seiner Mundflora so etwas Gutes zu tun. Und im 16. Jahrhundert waren es die spanischen Conquistatores, die aus der neuen Welt Mittelamerikas nicht nur geraubtes Gold und geraubte Azteken einschleppten, sondern auch eine Kaumasse aus dem Latexsaft des Sapotillbaumes, genannt „Chicle“.

Dann kam die Wende. Jahrhunderte später schmeckte Kaugummi auf einmal nur noch nach Juicy Fruit, Pfefferminze und der großen Freiheit: Wieder kam das Zeug aus Übersee, nur diesmal brachten die amerikanischen GIs den Bubble Gum nach Germany. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente er der Bevölkerung vor allem bei der Imitation des amerikanischen Idioms sowie der Bekämpfung von Mundgeruch und mangelnder Coolness, später auch von Karies.

Danach litt die Reputation der Kaustreifen ein wenig. Die Innenstädter pflasterten zunehmend ihre Fußgängerzonen damit. Zahnärzte pflasterten zunehmend Zahnlöcher, weil der frisch-fruchtige Kaugenuss mehr Zucker als Genuss enthielt.

Im Fernsehen tauchten zunehmend Typen auf, die daraus possierliche Figuren lutschen konnten oder – falls Sie McGuyver hießen – daraus Bomben bastelten. Beides mindestens gleich verdächtig.

In Singapur wiederum, dem einzigen Land außer Schwaben, das nicht nur sauber ist sondern rein, ist Kaugummi bis dato nur in Apotheken zu kaufen – und selbst dann darf der Apotheker die Kaumasse nur herausrücken, wenn er sich vorher Name und Passnummer des Käufers notiert. Sonst droht ihm eine Geldstrafe.

Aber zäh wie das Zeug nun mal ist, hat es sich trotzdem über all die Jahrtausende gehalten – nicht nur unter Schuhsohlen. Gut so!

Achtung Süßstoff!

Trotz diverser Vorteile birgt Kaugummikauen auch ein Restrisiko: Viele Diät-Kaugummis enthalten das Süßungsmittel Sorbitol. Es wird auch als Abführmittel genutzt und kann entsprechend bei zu starkem Kaugummi-Konsum zu Durchfall führen. Wer die Kaumasse also übermäßig nutzt, hat die Wahl zwischen Zucker und Karies oder Süßstoff und beschleunigtem Stuhlgang. Zumindest vorrübergehend.

[Bildnachweis: xavier gallego morell by Shutterstock.com; nyul by 123rf.com]