Ausharren, aushalten und den wachsenden Ärger einfach aussitzen – nicht wenige Arbeitnehmer denken derzeit so. Die Stimmung in den Unternehmen ist so schlecht wie nie. Steigender Druck und immer neue Kündigungswellen zermürben die Belegschaften bis in die Führungsetagen hinein. Jeder Dritte Arbeitnehmer in Deutschland beurteilt seinen Job als schlecht, hat kürzlich eine eine DGB-Studie ermittelt. Eine Umfrage des Institutes für Mittelstandsforschung an der Leuphana Universität Lüneburg, an der mehr als 2200 Fach- und Führungskräften teilgenommen haben, wiederum ergab: Nur jeder Zweite rechnet 2009 noch mit einem beruflichen Aufstieg.

Doch statt sich intern wie extern nach Alternativen umzusehen, verfallen die Betroffenen mehrheitlich in Lethargie. Ab hier: keinen Schritt weiter. Nichts geht mehr. Das belegt auch eine Umfrage, die die Personalberatung Lachner Aden Beyer & Company Mitte Juni exklusiv für die WirtschaftsWoche unter 392 Managern durchgeführt hat: Zwar gab knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) an, dass sich ihre Wechselbereitschaft in den vergangenen zwölf Monaten erhöht habe. Doch zeigt das nur deren grundsätzliche Bewegungsfreiheit. Verglichen mit dem Vorjahr hat der Wille zum Wechsel deutlich abgenommen: Damals sahen sich noch 63,2 Prozent auf dem Sprung.

Die Lage könnte kaum widersprüchlicher sein. Auf der einen Seite furchtsames Stillhalten, auf der anderen Seite rechnet jeder zehnte mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes, weitere 6,4 Prozent halten ihre Kündigung sogar für „sehr wahrscheinlich“. Es gäbe derzeit so was wie eine „Schockstarre in den Köpfen“, konstatiert Marcel Derakhchan, Managing Partner bei LAB.

Doch das ist gefährlich. Eine Kündigung – so sie denn kommt – verhindert es nicht. Stattdessen steigert das innere Stillhalteabkommen nur den Jobfrust. Zudem sind viele klassische Begründungen, um im Job zu verharren, nur auf den ersten Blick plausibel. Auf den zweiten Blick aber bleiben es Ausreden. Diese etwa:

  • „Irgendwann geht es auch wieder bergauf.“ – Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
  • „Ich bin loyal.“ – Eine gute Eigenschaft. Aber ist das Ihr Arbeitgeber auch – vor allem, wenn die Umsätze einbrechen oder Sie eine berechtigte Gehaltserhöhung einfordern?
  • „Woanders ist das Gras auch nicht grüner.“ – Stimmt. Jedes Unternehmen hat seine Probleme. Aber jedes seine eigenen. Womöglich kommen Sie mit den Defiziten der anderen besser klar.
  • „Wenn ich kündige, hat mein Chef erreicht, was er wollte (der Mistkerl)!“ – Na und?! Wenn Sie bleiben, kann er Sie noch länger mobben. Was ist mehr Wert: Ihre Gesundheit und Karriere oder Ihr Stolz?
  • „Ich finde so schnell keinen neuen Job.“ – Haben Sie es denn schon versucht? Und haben Sie es richtig versucht? Womöglich suchen Sie an der falschen Stelle oder stellen unmögliche Anforderungen.
  • „Wenn ich kündige, verliere ich mein Abfindung, mein Einkommen, meinen Dienstwagen, meinen Status.“ – Warum arbeiten Sie dort: für das Geld oder aus Leidenschaft? Verwechseln Sie nicht Ursache mit Wirkung: Das Geld ist Ergebnis Ihrer Leidenschaft und Leistung. Wenn Sie in Ihrem jetzigen Zustand verharren, verlieren Sie womöglich noch Ihre Reputation. Nur nicht Ihre Motivation, die sind Sie schon quit.
  • „Der Job ist einfach zu gut bezahlt.“ – Das nennt man Schmerzzulage. Offenbar haben Sie aber bereits Ihre Schmerzgrenze erreicht, sonst würden Sie nicht über einen Jobwechsel nachdenken.
  • „Ich habe bis jetzt einfach zu viel in dieses Projekt investiert.“ – Aber wird das auch honoriert?
  • „Jetzt schon zu kündigen sieht schlecht im Lebenslauf aus.“ – Zu bleiben und zu scheitern oder gar gekündigt zu werden, sieht noch schlechter aus.

Ob und für wen sich derzeit ein Jobwechsel lohnt, beschreiben wir in der neuen Ausgabe der WirtschaftsWoche. Dort gibt es auch eine Checkliste für den Jobwechsel. Interessant indes, was den Umsteigern bei der Bewertung einer neuen Stelle laut LAB-Befragung wichtig ist:

Jobanforderung Angaben in Prozent
Perspektive/Entwicklung 76,5
Kompetenz/Verantwortung 76,5
Mehr Gehalt 50,8
Neue Herausforderung 48,7
Attraktiver Arbeitsort 36,7
Dominante Marktposition 30,9
Arbeitsplatzsicherheit 27,0
Finanzkraft des Arbeitgebers 25,0
Größe des Unternehmens 22,4
Hierarchie/Titel 11,0
Image des Jobs 9,4