1864 entschleierte der deutsche Chemiker Friedrich August Kekulé von Stradonitz die Struktur des Benzolmoleküls. Der Legende nach kam das so: In der Nacht seiner spektakulären Entdeckung saß Kekulé in seinem Sessel, sah den Holzscheiten im Kamin beim Verbrennen und seinen Gedanken beim Verklären zu als seinen dösenden Geist eine Vision befiel: Kohlenstoff- und Wasserstoffatome tanzten vor seinen Augen; eine Schlange erschien, biss sich selbst in den Schwanz und bildete einen Ring. Daraufhin ordneten sich auch die Atome zu einer Ringstruktur. Kekulé erkannte die lang gesuchte Anordnung. Es war die Geburtsstunde der organischen Chemie.
Eine schöne Geschichte. Kekulé selbst erzählte sie 25 Jahre nach seiner Entdeckung. Allerdings war das gemogelt: Bereits 1861 wurde er durch einen Kollegen auf die Ringtheorie aufmerksam gemacht, er lehnte sie damals aber ab. Das Beispiel zeigt dennoch, wo Ideen häufig entstehen: beim Tagträumen. Der Dämmerzustand ist das Weckzeichen für die rechte Gehirnhälfte. Die linke, logisch ordnende Gehirnhälfte hat derweil Pause. Sie wird erst später wieder gebraucht, um aus den wirren Phantastereien eine brauchbare Idee zu formen. Wer sich zu lange mit einer Aufgabe beschäftigt, lenkt sein Denken in einen Tunnel und sorgt für geistige Blindheit. Es fehlt die Frischluft der freien Assoziation. Im Halbschlaf aber bekommt das Gehirn die nötige Zeit, damit es Informationen verknüpfen kann und so zur Keimzelle für gute Einfälle mutiert.
Deswegen endet dieser Text auch hier. Tagträumen Sie lieber!







Norbert Glaab
Fast hätte ich mit der Arbeit begonnen, doch die Aufforderung zum Tagträumen nehme ich gerne an. Ein sonniges, verträumt schönes Pfingstfest :-)
classless
Das ist ja einfach: man muß nur zu den privilegierten Menschen gehören, die Zeit und Ruhe finden und einen Kamin besitzen und schon gelingen einem die erstaunlichsten Dinge!
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