Mal ehrlich: An wen denken Sie bei dem Namen Jochen? Glaubt man einschlägigen Befragungen zu Assoziationen zu bestimmten Vornamen – sogenannten Onogrammen -, dann handelt es sich bei einem Jochen um einen sehr männlichen, eher großen, intelligenten und zuverlässigen Typen, der aber leider auch unsportlich, ernst und unattraktiv ist. Tja.

Und wen assoziieren Sie bei dem Namen Kevin? Denken Sie dabei an den Chef eines globalen Konzerns oder eher an einen Sachbearbeiter im Osten der Republik? Und wie steht es mit Justin, Maximilian oder Felix? Oder mit Elisabeth, Chantal oder Jaqueline?

Ich weiß, die Begriffe „Unterschicht“ oder „Klassengesellschaft“ sind politisch verpönt. Und doch ist es so, dass viele das soziale Milieu, aus dem jemand stammt, schon beim ersten Klang seines Vornamens assoziieren. Oder um das Kind beim Namen zu nennen: Vornamen sind alles andere als Schall und Rauch! Sie sind vielmehr klischeebeladen und imagebildend, womöglich sogar eine Art selbsterfüllende Prophezeihung. Ganz häufig transportieren sie nicht nur die Identität einer Person, sondern eben auch deren vermeintliche Attraktivität, Intelligenz und deren Alter.

Top-Vornamen 2010

Mädchen

  1. Mia
  2. Hannah/Hanna
  3. Lena
  4. Lea/Leah
  5. Emma

Jungen

  1. Leon
  2. Lucas/Lukas
  3. Ben
  4. Finn/Fynn
  5. Jonas

Das ist jedenfalls das Fazit einer Studie (PDF) des Psychologen Udo Rudolph von der TU Chemnitz. Dabei sollten 149 Probanden anhand eines Fragebogens 60 männliche und weibliche Vornamen hinsichtlich des vermuteten Alters, ihrer Attraktivität, Intelligenz und Religiosität beurteilen. Das Resultat wurde zudem noch mit den Namenranglisten vergangener Jahrgänge verglichen – etwa, um zu unterscheiden, ob es sich dabei um moderne, zeitlose oder eher altertümliche Namen handelt. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher.

Wer einen modernen Vornamen besitzt, wurde von den Versuchsteilnehmern prompt als jünger eingeschätzt. Mehr noch: Wer als vermeintlich jünger galt, wurde ebenso mit den Attributen “attraktiv” und ab und an auch “intelligent” versehen. Oder kurz: Je moderner der Name, desto jünger, desto attraktiver desto intelligenter wird der Träger geschätzt. “Das wahrgenommene Alter ist somit die zentrale Information im Vornamen”, sagt der Forschungsleiter Rudolph. Seine Empfehlung an Eltern lautete deshalb, möglichst zeitlose Vornamen wie Alexander, Michael, Anna oder Claudia an die Sprösslinge zu vergeben, denn “die Kevins, Lauras und Leons von heute werden vermutlich in 50 Jahren als altmodisch und wenig attraktiv assoziiert”.

Eine Reihe weiterer Untersuchungen bestätigt die prädestinierende Wirkung von Vornamen:

  • 2008 zum Beispiel untersuchten US-Wissenschaftler die Wirkung von ethisch auffälligen Namen auf 130 Lehrer, die dazu Fünftklässler in puncto Leistung und Verhalten einstufen sollten, Ergebnis: Kinder mit europäisch anmutenden Namen wurden deutlich besser bewertet als ihre Mitschüler mit afroamerikanisch klingenden Namen.
  • Schon 1973 erforschten Herbert Harari und John W. McDavid solche Namensklischees unter ähnlichen Bedingungen. Damals sollten rund 160 Lehrkräfte Kurzgeschichten benoten. Was sie nicht wussten: Die Namen der Autoren waren willkürlich gewählt. Dennoch beurteilten sie Kinder mit positiv besetzten Namen besser – bei Jungen sogar noch stärker als bei Mädchen.
  • Der Wirtschaftsprofessor David Figlio von der Universität von Florida in Gainsville wiederum untersuchte vor einiger Zeit, ob sich schon anhand der Vornamen ablesen lässt, welche Jungs den Unterricht stärker stören werden. Die Antwort: Ja, und zwar handelt es sich dabei um jene Jungen, die auf Namen hören, die sonst eher Mädchen tragen (etwa Courtney, Jamie, Alexis, Dominique). Hier lag das Störfallrisiko 1,3-mal höher als bei anderen Jungs.
  • Laut Studien am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge kann schon der Klang eines Namens darüber entscheiden, wie anziehend derjenige auf das andere Geschlecht wirkt. Demnach sind Männer mit Vorderzungenvokalen (e und i) besonders sexy – also Oliver oder Felix. Frauen hingegen verdrehen Männern umso mehr den Kopf wenn die sie mit Hinterzungenvokalen (a und u) ansprechen müssen. Fraukes wären somit anziehend, Claudias aber geradezu unwiderstehlich.

Zugegeben, in manchen Fällen ist die Geburtsurkunde auch nichts anderes als ein Mittel zur Selbstinszenierung der Eltern. Diesen Erzeugern reicht dann nicht nur einfach ein Vorname – es müssen schon mindestens drei sein und die möglichst extraordinär. Klasse durch Masse, man gönnt sich ja sonst nichts. Hollywood (siehe Liste hier) macht es schließlich vor: Die vier Geschwister von River Phoenix etwa heißen Liberty, Rainbow, Summer und Leif – offenbar allesamt made in Woodstock. Flugzeug-Fan John Travolta wiederum benannte seinen Sohn direkt nach seiner Leidenschaft: „Jett“ – das zweite T sicher um Verwechslungen auszuschließen.

Selbst wenn es sich bei all dem um eine Reihe haltloser Klischees handelt: Sie können das Urteil unserer Umwelt enorm beeinflussen und im schlimmsten Fall sogar negativ auf Auswahlverfahren (etwa bei Bewerbungen) wirken.

Vielleicht haben Sie noch Lust auf ein kleines Experiment? Wie gesagt: Wir alle verbinden mit manchen Namen irgendwelche Eigenschaften, beziehungsweise Vorurteíle. Diese schwanken zwar von Mensch zu Mensch, doch bei einigen Vornamen assoziieren gleich mehrere Menschen dasselbe Bild. Die folgende (natürlich nicht ernst gemeinte!) Liste soll Ihnen ein paar Anregungen dazu geben:

    Benjamin ist klein.
    Gabi ist Frisörin.
    Jessica höchstwahrscheinlich auch.
    Maria ist katholisch,
    Marie-Luise etwas Etepetete und
    Chantal ist eher spärlich bekleidet.
    Paul trägt eine Brille.
    Wolfgang einen Bart,
    Wilfried dagegen häufig Pollunder und
    Kevin ist jetzt um die 20.

Und jetzt sind Sie dran: Welche Klischees fallen Ihnen noch ein?
Schreiben Sie es uns in den Kommentaren!