Man kann eine Kollegin direkt fragen, wie sie sich fühlt. Oder auf ihre Schuhe hören. Sie denken jetzt, das ist wieder so eine Quatschthese. Stimmt aber nicht. Denn wer den ersten Weg wählt, der sei gewarnt: Das ist vermintes Gelände. Genauso gut könnte man versuchen, in Harlem Weißbrot zu verkaufen oder Multivitaminsaft am Ballermann. Frauen verstehen diese Frage grundsätzlich falsch. Nicht nur im Büro. Sobald sie jemand nach ihren Gefühlen fragt, fährt ihre hochentwickelte Intrigensensorik hoch und sucht nach Subtext. Weil Männer aber Zwischenzeilen-Legastheniker sind, muss diese Konversation unvermeidlich im Konflikt münden:

    „Wie fühlst Du Dich gerade?“
    „Warum fragst Du?“
    „Weil ich gerne wissen würde, wie Du Dich fühlst.“
    „Sonst interessierst Du Dich auch nicht dafür.“
    „Aber jetzt würde ich es gerne wissen.“
    „Du hast doch ein schlechtes Gewissen!“
    „Nein, ich interessiere mich für Deine Gefühle…“
    „Ist was mit meinem Kleid nicht in Ordnung? Sitzen meine Haare schlecht?“
    „Ich will doch bloß wissen, wie Du Dich fühlst…!“
    „Schwein!“ ……………………………………………………………………………………………

Man muss dazu sagen, dass Männer diese Frage aber stellen müssen. Ich sage dies nicht als Entschuldigung. Männer wissen es einfach nicht besser, weil sie es nicht besser wissen können. Im Gegensatz zu Frauen haben sie nämlich kein angeborenes Einfühlungsvermögen. Der empathische Mann ist ein Mythos, das behaupten jedenfalls britische Forscher. Ich habe dazu irgendwo gelesen, dass nur das vom Vater auf die Tochter vererbte X-Chromosom jenes Gen enthält, das dazu befähigt, Gefühle bei anderen Menschen zu erahnen und darauf einzugehen. Um zu funktionieren, muss sich das Gen aber mit dem X-Chromosom der Mutter vereinen. Da Väter ihren Söhnen aber nur ein läppisches Y-Chromosom weitergeben, sind Männer von Geburt an emotional blind. Angeblich fehlt Männern sogar das Feingefühl dafür, wie sie auf andere wirken – egal, ob sie sich bewegen, reden oder schreiben. Das wussten Sie wohl noch nicht, Sie Depp?!

Aber zurück zum Thema. Während also direkte Fragen an eine Frau gestellt direkt ins Verderben führen, ist das Belauschen ihrer Schuhe ein geradezu fortschrittlicher Akt der Geschlechterverständigung. Es ist nämlich so: Fußbekleidung, insbesondere die mit erhöhtem Absatz, ist nicht nur gut für das Selbstbewusstsein der Frau – sie spiegelt ebenso Ihre Gemütsverfassung wider. Insbesondere der dabei erzeugte Trittschall bildet eine Art Morsecode, an dem man(n) bis zu sieben Gefühlslagen akustisch erkennen kann. Glauben Sie nicht? Testen Sie es selbst:

Der Schallkörper-Code
  • Klack-Klack „Ich liebe diesen Tag, ich liebe diese Schuhe, ich liebe mich…“
  • Klackklack-Klackklack „Blöde Kuh! Was bildet die sich ein!”
  • Klack-Klack-Klack „Und dann muss ich noch zu Zara… Mist, wo finde ich den passenden Rock? Achja, Brot wollte ich auch noch kaufen…”
  • Klaaaack-Klaaaack - „Die Nacht war viel zu kurz – ich brauch jetzt ’nen Kaffee.”
  • Glag-Glag - „Hoffentlich hört mich keiner!”
  • Kalacker-Kalacker „Ich weiß, dass Du mir gerade auf den Hintern glotzt, aber mach ruhig weiter…“
  • Klick-Klack „Scheiße, Schuh kaputt!“

Diese nonverbalen Signale sind vielleicht die einzigen Fixpunkte in der sonst vagen und komplizierten Kommunikation zwischen Mann und Frau. Es sind rhythmische Dolmetscher, die Männern die multidimensionale Gedankenwelt der Frau auf einen für sie verständlichen Kommunikationscode transformieren. Kurz: Es sind akustische Türöffner, Seelenschlüssel, Verständnisbrücken, Zeugs.

Es sei denn, Sie haben Teppichboden.