Wenn Sie bitte kurz an einen wirklich kompetenten Manager denken, den Sie schätzen und respektieren (vielleicht denken Sie jetzt an Ihren Chef, vielleicht aber auch an sich selbst – das ist okay): Was, glauben Sie, ist dessen wahre, wenn nicht gar wichtigstes Talent: Seine Kraft, sich durchzusetzen? Seine Fähigkeit, Dinge zu organisieren? Sein Können und Wissen? Seine Eloquenz? Sein Sinn für politische Spielchen?

Oder anders gefragt: Was denken Sie, macht diese Führungskraft so erfolgreich?

Falsch!

Es ist seine Fähigkeit, zuzuhören.

Zuhören zu können, wird massiv unterschätzt. Deshalb kann man das gar nicht oft genug wiederholen. Es ist womöglich die mächtigste Eigenschaft eines Managers (und Menschen) überhaupt. Wer anderen, insbesondere seinen Mitarbeitern zuhört, der …

  • … erfährt mehr und kann so bessere Entscheidungen treffen.
  • … kann Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden – und dies anschließend auch entsprechend kommentieren. Übrigens: Andersherum funktioniert das nicht.
  • … gibt dem anderen das Gefühl, respektiert und gewertschätzt zu werden und hilft ihm sich besser zu fokussieren.
  • … hilft sich selbst dabei, sich besser zu fokussieren und wird hernach mehr respektiert und gewertschätzt. Wer immer nur alles besser weiß, bleibt womöglich bloß eine Windmaschine.

Glauben Sie nicht? Nun, mir ist kein Fall bekannt, dass sich jemals jemand um Kopf und Kragen zugehört hätte. Was das Reden anbelangt, fallen mir umso mehr Beispiele ein.

Verwechseln Sie Zuhören aber bitte nicht mit dem großen Lauschangriff und schon gar nicht mit Schweigen. Gute Zuhörer sind immer auch gute Fragensteller: Sie erkundigen sich, wenn sie etwas nicht verstanden haben und wiederholen mit eigenen Worten, was sie verstanden haben. Dabei geht darum, den anderen wirklich zu verstehen, seine Emotionen, seine Motive zu erfassen. Damit ist Zuhören letztlich eine Form von Empathie und damit von emotionaler Intelligenz. Sie werden feststellen: Die meisten brillanten Köpfe sind zugleich gute Zuhörer. Wie das geht? Zum Beispiel so:

8 Tipps für besseres Zuhören

  1. Halten Sie den Mund. Ernsthaft. Man kann nicht zuhören und reden zur selben Zeit. Also lassen Sie den anderen erst einmal aussprechen.
  2. Entspannen Sie. Und zwar nicht nur sich, sondern die ganze Atmosphäre. Wie Sie dreinschauen, ob Sie mit dem Kopf nicken oder schütteln – all das wirkt natürlich auch auf Ihr Gegenüber. Und damit, ob er Ihnen wirklich etwas Gehaltvolles erzählt (was fürs Zuhören irgendwie hilfreich wäre) oder sich nur in Smalltalk übt.
  3. Stellen Sie Fragen. Zuhören ist tatsächlich eine aktive Strategie. Stellen Sie also Rückfragen vom Typ „Sie sagen also, dass…?“ oder „Habe ich Sie richtig verstanden, wenn…?“ Dabei geht es nicht darum, bloß wiederzukauen, sondern den anderen zu verstehen und ihm zu signalisieren, dass Sie es damit ernst meinen.
  4. Halten Sie permanent Blickkontakt. Achten auf die Körpersprache Ihres Gegenübers. Registrieren Sie Mikrogesten oder sein nervöses Fußwippeln unter dem Tisch. In manchen Situationen dürfen Sie sogar darauf eingehen: „Entschuldigung, mache ich Sie nervös? Sie zittern so…“ Wenn Sie das behutsam und freundlich tun, öffnet das den anderen für sie, denn er fühlt sich ernst genommen – und Sie genießen sofort mehr Vertrauen.
  5. Quasseln Sie nicht dazwischen. Und vervollständigen auch nicht seine Sätze. Das ist respektlos. Gute Zuhörer sind sogar in der Lage, Stille auszuhalten und ihr zu lauschen, während der andere noch um Worte oder Fassung ringt. Dadurch führen sie das Gespräch, selbst wenn sie nichts sagen.
  6. Nutzen Sie Pausen. Zum Beispiel, um das Gesagte zu verdauen und darüber nachzudenken. Für die Auszeit müssen Sie sich überhaupt nicht schämen. Schließlich geben sie später umso bessere Antworten.
  7. Belehren Sie nicht. Ein guter Zuhörer ist an langfristigen und gehaltvollen Lösungen interessiert, nicht an schnellen Effekten – noch weniger an solchen, die seinem Ego schmeicheln. Deshalb sollten Sie Ihre Ratschläge auch nur erteilen, wenn Sie darum gebeten werden. Alles andere wirkt latent aufdringlich und besserwisserisch. Zuhören dient einer wohlwollenden Beziehung, keiner Selbsttherapie.
  8. Halten Sie öfter mal die Klappe. Und hören Sie immer länger zu als Sie reden! Menschen, die während einer Konversation weniger Airtime beanspruchen als Ihr Gegenüber, werden durchweg als bessere und intelligentere (!) Gesprächspartner empfunden.

Und falls Sie während des Lesens jetzt die ganze Zeit genickt haben, aber dennoch denken, Sie seien der falsche Adressat, weil Ihr Chef Ihnen nie zuhört, dann hätte ich da noch drei Empfehlungen, wie Sie vielleicht auch Ihren Boss dazu bekommen, Ihnen künftig zuzuhören:

  1. Kurz fassen. Egal, was Sie Ihrem Boss zu sagen haben – ein Problem, das sofort gelöst werden muss; eine Einschätzung, die Sie gerne von ihm hätten: Versuchen Sie es in maximal 60 Worte zu packen. Manager haben wenig Zeit und lieben Mitarbeiter, die eine Sache auf den Punkt bringen können.
  2. Alternativen bieten. Sprechen Sie in Szenarien und überlassen Sie es Ihrem Boss, die beste Alternative herauszupicken. Sprechen Sie auch mögliche Folgen und Konsequenzen der Wahl an. Natürlich können Sie so seine Entscheidung auch manipulieren: Ihre Wahl nennen Sie zum Schluss.
  3. Empfehlung abgeben. Noch besser ist, Sie packen zu Ihrer Analyse auch gleich eine Empfehlung. Das beweist, dass Sie nicht nur mit-denken, sondern auch voraus. In jedem Fall ist Ihnen aber so seine Aufmerksamkeit sicher, solange Sie dafür nicht mehr als 140 Wörter (nicht Zeichen!) brauchen.