Klebeeffekt-status-quo-effekt-beförderung
Der klassische Klebeeffekt ist umstritten. Oft wird er im Zusammenhang von Zeitarbeit gebraucht: Der Zeitarbeitnehmer macht seinen Job bei dem ausleihenden Unternehmen so gut, dass dieses ihm gleich ein reguläres Jobangebot macht. Er bleibt also kleben, im positiven Sinne.

Kritiker sagen allerdings, der Klebeeffekt mache allenfalls 7 Prozent aus. Mehr Leiharbeiter würden nicht übernommen. Die Zeitarbeitsfirmen sprechen erwartungsgemäß lieber von einer Übernahmewelle von rund 30 Prozent. Die Wahrheit liegt - wie so oft - dazwischen. Allerdings gibt es auch einen negativen Klebeeffekt. Der ist weniger populär, aber weitaus gefährlicher...

Status-Quo-Effekt: Keine Aussicht auf Beförderung

Diese Art des Klebeeffekts ist auch bekannt als Status-quo-Effekt und kommt leider gar nicht mal so selten vor und hat gleich mehrere Dimensionen:

Nehmen wir an, Sie sind schon länger auf Ihrem Posten. Der Job macht Ihnen Spaß, die Kollegen sind nett. Klar, haben Sie sich immer auch mit dem Unternehmen mitentwickelt. Aber letztlich "kleben" Sie seit ein paar Jahren auf derselben Stelle und Position.

Das muss zunächst nichts Schlechtes sein. Aber irgendwann setzt der Klebeeffekt ein, und man unterstellt Ihnen, dass Sie vermutlich nur deshalb auf dem Posten geblieben sind, weil sich Ihre Leistung eben nicht wirklich weiterentwickelt hat.

Ja, Sie sind gut - Sie werden aber nicht besser.

Voilà, der Klebeeffekt!

Klebeeffekt-Grafik

Das ist zwar eine gemeine Unterstellung. Aber entfaltet dieser Effekt erst einmal seine Wirkung, dann rückt die Beförderung immer weiter in die Ferne, weil Sie jetzt auch noch gegen das Klischee und Ihr unfreiwilliges Image ankämpfen müssen.

Bloß nicht entscheiden: Wie der Klebeeffekt wirkt

Die zweite Dimension des Klebeeffekts betrifft uns selbst - und damit unser Urteilsvermögen. In dem Fall sorgt der Effekt dafür, dass wir uns lieber nicht (neu) entscheiden, also an unserem Urteil kleben bleiben und festhalten.

Klebeeffekt-Entscheidung-erste-Wahl

Der wohl populärste Beleg dafür ist der sogenannte Becher-Versuch des amerikanischen Ökonomen Jack Knetsch:

  • In seinem Experiment von 1989 schenkte er Studenten eine Kaffeetasse und fragte sie kurz danach, ob sie bereit wären, die Tasse gegen einen Schokoladenriegel zu tauschen. 90 Prozent behielten lieber den Becher. Und das waren keine Diabetiker!
  • Dieselbe Nummer funktionierte auch anders herum: Die Leute bekamen erst einen Schokoriegel und wurden dann gefragt, ob sie ihn gegen einen Kaffeebecher tauschen. Jetzt blieben rund 90 Prozent bei der Süßigkeit.

Fachleute sprechen hierbei auch schon mal von Entscheidungsparalyse: Hauptsache, es bleibt alles beim Alten. Oder: Was man hat, das hat man...

Viele denken so, auch wenn das vielleicht gar nicht so gut ist: Der Job macht längst keinen Spaß mehr; der Partner daheim ödet einen nur noch an; der Sex ist so aufregend wie Marschmusik. Alles langweilig, dröge und nervig. Aber kann das nicht trotzdem bitte so bleiben? Nur so aus Gewohnheit, Routine und Bequemlichkeit?

Tja, lebst du schon oder klebst du noch?

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