Ein Gastbeitrag von Karin Intveen
Ein klassisches Anliegen für ein Coaching ist das Thema Jobwechsel. Der alte Job passt irgendwie nicht mehr und rund um den neuen Job gibt es noch jede Menge Fragezeichen. Die eigens erstellten Pro- und Kontralisten bringen allerdings nicht so recht weiter. Freunde und Bekannte eignen sich nur bedingt als Ratgeber und die Partnerin oder der Partner? Die sind Teil des Hirnchaos. Schließlich betrifft die anstehende Veränderung sie oder ihn ja mit. Und ist kein Partner da, ist das häufig auch ein Problem. Denn wenn Familie zur Lebensplanung gehört, muss das bei der Jobwahl auch berücksichtigt werden. Kommt dann noch der Anspruch auf einen stimmigen Lebenslauf hinzu, ist klar: Spätestens jetzt ist guter Rat teuer.
Also werden sie aufgesucht, die Berater. In der Hoffnung und auch in der Erwartung, dass aus dem innerlichen Chaos Klarheit wird. Grundsätzlich ist der Austausch mit einem neutralen Außenstehenden sinnvoll und häufig auch hilfreich. Jemand, der mit dem Thema nichts zu tun hat, der persönlich keinen Schaden oder Nutzen aus der Entscheidung haben wird und mit dem man emotional nicht verbunden ist, kann helfen, die Enge des eigenen Kopfes zu verlassen. In so einem neutralen Umfeld kann die Katze auch mal aus dem Sack gelassen werden, und unterschiedliche Szenarien können wertfrei und ohne Angst durchgespielt werden.
Und irgendwann kommt dann, was kommen muss: die Entscheidung steht an.
Vielleicht weil ein interessantes Stellenangebot aufgetaucht ist. Oder weil der neue Arbeitsvertrag in der Post war. Oder weil der alte Job einfach unerträglich geworden ist.
Und nun?
Kommt Druck hinzu wird schnell deutlich, wie hilfreich und tragfähig all die bisherigen Überlegungen waren – und sind. Mal hier ein bisschen schauen und da ein wenig planen, ist was komplett anderes als einen Stift in die Hand nehmen und erst die Kündigung und dann den neuen Vertrag unterschreiben. Viele starten hier erst einmal eine neue Denk-Runde. Gerne gepaart mit einer neuen Berater-Runde. Denn jetzt ist ja alles anders, jetzt muss man erst einmal die neuen Fakten anschauen, neu denken, neu planen …
Und irgendwann steht die Entscheidung dann wirklich an.
Sie merken schon, dieses Spielchen kann noch eine ganze Weile so weiter gehen. Und tut es vielfach auch. Denn: Ohne Kriterien geht’s nicht.
Nur meine ich nicht die Kriterien, die man auf ein Blatt Papier schreibt. An denen mangelt es selten. Ich meine innere Kriterien. Die im Bauch und nicht im Kopf stattfinden. Ich meine die innere Referenz, die innere Sicherheit, dass das was wir da entscheiden (werden), gut und richtig ist. Ich meine das gute Gefühl, dass durch nichts und niemanden in Wanken gebracht werden kann.
Sollte dem ein oder anderen beim Lesen gerade ein Seufzer entfleucht sein, ich kann Sie beruhigen: das ist kein Wunschdenken, sondern möglich. Und zwar mit einem kleinen Gedanken-Trick:
Klonen Sie sich!
Zu merken, was einem im aktuellen Job nicht passt, ist recht einfach. Schließlich erlebt man es ja täglich live und in Farbe. Sich jedoch innerlich auf etwas Neues, Fremdes auszurichten hingegen ist eine ganz andere Sache.
Ich benutze hier gerne das Bild vom Klon: Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich klonen: Ein Klon bleibt wo er ist und der andere entscheidet sich für den neuen Job. In drei Monaten treffen Sie sich mit Ihren beiden Klonen. Was würden Sie sie fragen? Auf was wären Sie neugierig?
Lassen Sie sich einfach mal überraschen, welche Fragen Ihnen in den Sinn kommen. Sind es eher sachliche Fragen? Sind Sie neugierig auf die Befindlichkeiten der Klone? Geht es um äußerliche Informationen oder interessieren Sie Befindlichkeiten?
Achten Sie bei Ihren Fragen nur auf die Tiefe der Informationen, die Sie bekommen. Heißt: „Glücklich“ ist als Information zu vage. Warum ist der Klon glücklich? Woran merkt er, dass er glücklich ist? Was genau macht ihn glücklich? Und vermeiden Sie den Konjunktiv. Nicht „Was würde an Job X gefallen?“, sondern „Was gefällt an Job X?“
Warum Klone? Weil sie uns ähnlich sind, wir ihnen also eher vertrauen als einem Fremden. Und durch den Zeitsprung glaubt etwas in uns, dass wir über gemachte Erfahrungen und nicht über Hypothesen reden.
Über die Autorin
Karin Intveen lebt und arbeitet im Fünf-Seen-Land bei München. Als Somatic-Coach verbindet sie die eher kognitiven Elemente des NLP und die systemische Arbeit mit den neuesten Erkenntnissen der Neurobiologie. Ihre Herzblutthemen sind Selbstregulierung, Entschleunigung und Burnout-Prophylaxe.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.
