Körpersprache-Vorstellungsgespräch-Bewerber
Wir sagen nicht immer, was wir denken. Aber unsere Körpersprache verrät, was wir fühlen. Selbst wenn wir schweigen, redet unser Körper immer noch. Insbesondere im Vorstellungsgespräch hängt die Wirkung der Selbstpräsentation enorm von der Mimik und Gestik, also den Gesichtszügen, der Körperhaltung und Bewegungen ab. Sie können Sympathie wecken, aber auch das Gegenteil. Erst wenn die nonverbalen Signale zu den Aussagen und dem restlichen Bild des Bewerbers passen, entsteht ein stimmiges Bild und damit Glaubwürdigkeit und Authentizität, die bei der Bewerbung eine entscheidende Rolle spielt...

Worauf Personaler bei der Körpersprache achten

Körpersprache-AngstWie stark die Körpersprache ein Gespräch beeinflusst oder gar dessen Ausgang erahnen lässt, haben schon zahlreiche Experimente und Studien gezeigt. Als etwa Wissenschaftler um Alex Pentland Probanden eine 45-minütige Gehaltsverhandlung beobachten ließen, konnten die schon nach nur fünf Minuten sagen, wie das Gespräch ausgehen würde – und lagen damit in 87 Prozent der Fälle richtig. In Bewerbungen ist das nicht viel anders.

So gibt es einige Gesten, die Personalern regelmäßig negativ auffallen und Bewerber - bei massivem Vorkommen - schnell ins Aus katapultieren können. Die Betonung liegt natürlich auf "massiv". Nur weil eine(r) mal zappelt oder verlegen in den Haaren fummelt, fällt keiner unangenehm auf. Das ist normale Nervosität. Aber auch hier ist es wie mit allem: Die Dosis macht das Gift...

Diese 8 Gesten fallen Personalern negativ auf:

  • Fehlender Blickkontakt
  • Kein Lächeln
  • Zappeln, fummeln, nesteln
  • Schlaffe Körperhaltung
  • Schlaffer Händedruck
  • Arme verschränken
  • Mit den Haaren spielen
  • Mit den Händen fuchteln

Wer feste zudrückt, bekommt den Job

Handschlag-Hand-geben-02Laut Wissenschaftlern der Universität von Iowa habe der Händedruck auf den Ausgang des Jobinterviews mehr Einfluss als bisher angenommen. Vor allem Frauen bekommen den Job eher, wenn sie zur Begrüßung feste zudrücken, so die Forscher. Wobei man grundsätzlich beachten sollte: Bei der Handreichung wird weder geschüttelt noch gerührt. Fauxpas! Wer sich begegnet, gibt und drückt sich kurz die Hand. Mit Betonung auf kurz: Ein professioneller Handschlag dauert etwa drei bis vier Sekunden. Längeres Händedrücken sollte engen Freunden vorbehalten bleiben.

Tipps für die Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Die meisten Kandidaten scheitern im Jobinterview nicht an den fachlichen Qualifikationen. Die sind ja schon durch den Lebenslauf und die Vorauswahl abgeglichen worden und haben überhaupt erst zur Einladung zum Vorstellungsgespräch geführt. Vielmehr erleiden Kandidaten Schiffbruch aufgrund ihrer Soft Skills, den nonverbalen Signalen und dem Gefühl beim Personaler, der Betreffende passt vielleicht doch nicht ins Team.

Nicht wenige Personaler verfestigen ihren ersten Eindruck von einem Kandidaten innerhalb der ersten beiden Minuten und rücken danach kaum noch davon ab. Kleidung und Körpersprache bekommen dabei ein enormes Gewicht, denn wer sagt schon in den ersten zwei Minuten soviel Überzeugendes, dass der Rest total egal ist? Eben.

Worauf also kommt es konkret an?

Das Bewerbungsgespräch in drei wichtigen Phasen

  1. Begrüßen.

    Betreten Sie nicht den Raum, während Sie sich noch die Bluse zurecht zupfen, die Krawatte richten oder das Hemd in die Anzughose stopfen. Rennen Sie nicht mit ausgestreckter Hand auf den Personaler zu, sondern warten Sie bis er Ihnen die Hand reicht – und legen Sie ihm keinen toten Fisch in die Handflächen. Ein kurzer, fester Händedruck sollte es schon sein. Und bitte: Halten Sie dabei stets Blickkontakt - lächelnd!

  2. Hinsetzen.

    Setzen Sie sich erst auf den Stuhl, wenn man Ihnen diesen anbietet, um sich zu setzen. Bitte nie in den Stuhl lümmeln, die Arme verschränken und Beine lässig übereinander schlagen oder nervös damit wippen. Tabu sind auch: die Arme hinter dem Kopf verschränken oder Pseudo-Denkerposen wie mit Daumen und Zeigefinger um Wange und Kinn reiben. All das lässt Sie entweder arrogant, desinteressiert, unsouverän, reserviert oder manierlos erscheinen. Richtig ist: Setzen Sie sich aufrecht (=Aufrichtigkeit) hin. Nehmen Sie dabei die gesamte Sitzfläche ein (nicht nur auf die Sitzkante setzen!), die Beine nebeneinander, die Arme und Hände locker im Schoß, der Körper leicht vorgelehnt (signalisiert Engagement und Interesse). Ihre Sitzhaltung sollte sich im Verlauf des Gesprächs der Ihres Gesprächspartners anpassen. Profis sprechen in dem Zusammenhang auch vom Spiegeln der Körpersprache, um Vertrauen und Sympathie herzustellen.

  3. Gestikulieren.

    Die gelten als das Aushängeschild einer Person. Viele, noch dazu hektische Mikro-Gesten, wie Nase kratzen, durch die Haare streichen, an den Ringen spielen, können Ihren Gesamteindruck entwerten. Tatsächlich werden solche Kleinigkeiten fast immer registriert. Vielleicht nicht immer bewusst. Aber das macht es eher noch schlimmer: So prägen sie unterschwellig ein Bild, auf das Sie mit all Ihren klugen Antworten kaum noch Einfluss nehmen können. Richtig also: eine stets offene Körperhaltung, ruhige und nicht zu ausladende Gesten, meistens mit nur einer Hand, seltener mit beiden Händen. Und bitte kein Handspiel mit dem Ring oder Ringfinger, das beweist nur Unsicherheit und wenig Stressresitenz. Wenn Ihre Hände im Schoß liegen, sollten Ihre Handflächen nach oben zeigen. Das signalisiert Offenheit (Motto: Ich habe nichts zu verbergen).

EXTRA-TIPP:

Wenden Sie Ihren Körper stets dem (jeweiligen) Gesprächspartner zu. Nicken Sie, wenn der etwas sagt, halten Sie Blickkontakt und lassen Sie Ihren Gesprächspartner immer (!) ausreden, nie ins Wort fallen. Nur Vorsicht am Schreibtisch! Falls Sie dem Personaler direkt gegenübersitzen und Ihre Unterlagen dort ausbreiten wollen oder sollen, dann beanspruchen Sie dabei so wenig Platz wie möglich. Sie verletzen sonst subtil sein Territorium – und das kostet Sympathiepunkte.

Gefühlsunterdrücker bekommen keine Jobs

Sicher, seine Körpersprache derart unter Kontrolle zu behalten, setzt etwas Übung voraus. Und ganz verstellen sollen Sie sich dabei auch nicht. Denn wer beim Vorstellungsgespräch eine zu coole Fassade aufsetzt, verringert seine Jobchancen ebenso. Das ist das Ergebnis einer Studie von Jane Richards von der Universität von Texas. Die ständige Selbstbeherrschung kostet zu viel Kraft, sodass das Erinnerungsvermögen darunter leidet: Gefühlsunterdrücker können sich deutlich schlechter an Details aus ihrem Lebenslauf erinnern. Und wirkt dann nicht mehr cool, sondern steif.

Die Körperhaltung am Ende des Vorstellungsgesprächs

Körpersprache-VerschlossenWenn Sie bis hierhin alles richtig gemacht haben, versauen Sie Ihren guten Eindruck bitte nicht noch beim Abschied. Das passiert leider auch recht oft.

Deshalb: Reichen Sie erneut dem anderen die Hand, blicken Sie ihm dabei wieder in die Augen und verabschieden Sie sich mit einem selbstbewussten "Auf Wiedersehen", das Sie buchstäblich auch so meinen. Jetzt bloß nicht das Labern anfangen, sondern mit einem Gewinnerlächeln abtreten.

Danach gehen Sie aufrecht und unter anhaltender Körperspannung aus dem Gebäude bis Sie außer Sichtweite sind – erst jetzt dürfen Sie sich umsehen, entspannen, zusammensacken, schreien, zittern, was auch immer. Vorher ist das Gespräch und das Reden des Körpers nicht beendet.

[Bildnachweis: LoloStock, sharpshutter by Shutterstock.com]