Auch ich habe hier in diesem Blog schon ein paarmal über kollaboratives Arbeiten mit virtuellen Teams geschrieben. Über die Vorteile, die es hat, wenn Mitarbeiter sich morgens nicht mehr quälend langsam durch den Pendlerstau schieben müssen, sondern sich einfach von jedem x-beliebigen Ort auf der Welt – meinetwegen auch in der Hängematte am Strand von Bondi Beach – einloggen, sich austauschen, diskutieren, brainstormen oder gemeinsam produktiv sein können.

Skype, Wikis, Blogs – all diese Webtools haben die Zusammenarbeit von festen Orten und Räumen entkoppelt. Und es stimmt auch: Es ist einfacher geworden, derart virtuell zu kollaborieren. Meine bisherigen Karrierebibel-Praktikanten können das sicher bestätigen.

Aber halt! Inzwischen gibt es eine nicht uninteressante Harvard-Studie, die genau das Gegenteil aussagt – jedenfalls im wissenschaftlichen Umfeld. Nach Auswertung von rund 35.000 wissenschaftlichen Aufsätzen von mehreren Autorenteams und unter Berücksichtung derer räumlicher Entfernung, kamen die Studien-Autoren zum Schluss: Teams, die physisch zusammenarbeiten, also räumlich nah beieinander sind, arbeiten auch besser zusammen. Sie produzieren die gehaltvolleren Texte und Studien und zitieren sich gegenseitig öfter. Oder einfacher ausgedrückt: Schon Wissenschaftler, die im selben Gebäude sitzen, produzieren bessere Ergebnisse als solche, die allein in derselben Stadt beheimatet sind.

Oder wie die Autoren das beobachtete Phänomen beschreiben:

There are a number of possible explanations for these associations. It may be that physical proximity truly allows for better collaboration, resulting in higher quality research that tends to be cited more often. It may also be that investigators have a strategic preference for keeping potentially high impact projects wholly within their own laboratory or close circle of research associates.

Nun kann man sicherlich zurecht einwenden, wissenschaftliche Aufsätze zu verfassen und seine Kollegen ordentlich zu zitieren, sei etwas ganz anderes als beispielsweise ein Auto zu entwickeln oder ein Kraftwerk zu betreiben. Stimmt. Und trotzdem halte ich den Gedanken für erwähnens-, ja sogar bedenkenswert. Denn mal so ganz ehrlich: Wer kennt nicht die gruppendynamischen Phänomene – im Guten wie im Schlechten – die entstehen, wenn man mit Kollegen physisch zusammenarbeitet? Die kurzweiligen Plaudereien, die schnelle Hilfe, der amüsante Tratsch und die inspirierenden kleinen Geschichten, die man sich gegenseitig anvertraut? Dafür eigens Skype aktivieren? Das macht wohl keiner – und entsprechend fehlt es im virtuellen Teamplay.

Zugegeben, auch wenn virtuelle Teams zahlreiche Vorteile besitzen – ein bisschen Beisammensein und menschliche Wärme macht manche Arbeit besser und geselliger. Oder wie sehen Sie das?