Komfortzone-Job-Box
Bekannte Abläufe und Routinen, Themen, die Sie im Schlaf bearbeiten können und ein berechenbarer Tagesablauf ohne Überraschungen - so sieht die klassische Komfortzone aus. Wer sich auf bekanntem Terrain bewegt, erlebt nur selten Überraschungen, geht kaum Risiken ein, schließt Projekte meist erfolgreich ab und erfüllt die Erwartungen der Kollegen und Vorgesetzten. Angenehm und ruhig ist es in der Komfortzone. Auf Dauer aber auch brandgefährlich. Wer sich immer nur im gewohnten Rahmen bewegt, entwickelt sich nicht weiter und macht es sich in einer Sackgasse gemütlich. Die Erkenntnis ist unbequem, aber deswegen nicht weniger wahr: Wer erfolgreich und glücklich sein will, muss regelmäßig seine Komfortzone verlassen. Die gute Nachricht ist: Der Schritt raus aus der Routine gelingt schon durch kleine Veränderungen im Alltag. Jeder kann seine Komfortzone verlassen - wenn er oder sie denn nur will...

Warum die Komfortzone so verlockend ist

Jeder hat gerne das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Es gibt uns Sicherheit, wiegt uns in Geborgenheit, ist komfortabel eben. Es ist der Bereich, in dem Sie sich auskennen, auf den Sie Einfluss nehmen können. Insbesondere drei Ängste sorgen dafür, dass wir unsere Komfortzone nur so ungern verlassen:

  • Die Angst vor dem Versagen.

    Die Versagensangst ist eine der größten Hürden, die jeder in seinem Leben einmal überwinden muss. Gerade berufliche Veränderungen verursachen diese Angst, da viele mit der Veränderung gleichzeitig etwas Negatives assoziieren. Sie sehen eher die Risiken als die Chancen.

  • Die Angst vor der Anstrengung.

    In der Komfortzone müssen sich die Betroffenen nicht mehr groß anstrengen, sie kennen die Abläufe und wissen, was auf sie zukommt. Diese Zone zu verlassen, bedeutet entsprechend, sich mehr anstrengen und neuen Herausforderungen stellen zu müssen. Man muss Neues lernen, klein anfangen. Und Lehrjahre fühlen sich einfach nicht so gut an, wie Herrenjahre.

  • Die Angst vor Zurückweisung.

    Wer etwas gut kann, sein Wissen und seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, genießt in der Regel den Respekt seines Umfeldes. Man ist wer, hat einen Namen. Außerhalb dieses Hoheitsgebietes aber muss man sich neu beweisen und der Beurteilung durch andere (die es schon besser können) neu aussetzen. Und womöglich sehen die einen gar nicht so, wie man sich selber sieht, weisen einen ab oder reagieren mit Antipathie - schließlich dringt da einer vielleicht sogar in die eigene Komfortzone ein. Dem muss man sich also erst einmal stellen - und das auch wollen.

Sich zurückzulehnen und in der eigenen Komfortzone zu verharren, ist scheinbar einfacher, aber keinesfalls sicherer oder gar risikofrei. Im Gegenteil: Wer sich so zum Stillstand zwingt, verpasst womöglich...

  • Seine Beförderung. Die Konkurrenz schläft nicht. Wer zwischen den Kollegen nicht auffällt, nur macht, was er oder sie immer schon gemacht hat, hat es schwer, sich für Beförderungen zu qualifizieren. Zeigen Sie Ihrem Chef stattdessen, wozu Sie noch fähig sind.
  • Neue Kontakte. Wenn niemand Notiz von Ihnen nimmt, können Sie Ihr Netzwerk auch nicht durch neue Beziehungen erweitern. Dabei könnten diese für die weitere Karriere eine große Rolle spielen - das berühmte Vitamin B eben. Seien Sie bereit, auf andere zuzugehen und von sich zu überzeugen.
  • Persönlichen Ziele. Wer seine persönlichen Ziele erreichen will, sollte bereit sein, dafür zu kämpfen. Karriere passiert nicht - sie wird gemacht.

Das Boiling Frog Syndrom

sei-kein-froschKennen Sie die Geschichte vom Frosch im Topf, in der Fachliteratur auch bekannt ist als das Boiling Frog Syndrome?

Die Parabel geht so: Versucht man einen Frosch in heißes Wasser zu setzen, wird er sofort wieder herausspringen. Obwohl Frösche Kaltblüter sind und ihre Körpertemperatur der Umgebung anpassen, spürt er unmittelbar die Gefahr für Leib und Leben. Ganz anders, wenn man einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser setzt und diesen ganz langsam erhitzt. Obwohl es für den Frosch darin immer unbequemer wird, bleibt er sitzen, passt sich an und harrt aus - so lange, bis es für einen Absprung zu spät ist und er verbrüht.

Nicht wenige von uns verhalten sich exakt wie ein Frosch: Haben sie sich erst einmal akklimatisiert und mit ihrem Umfeld arrangiert, harren sie in ihrer Komfortzone aus - obwohl sie durchaus bemerken, dass die Bedingungen um sie herum immer schlechter werden.

Die Quintessenz daraus: Wenn Sie feststellen, dass Sie (in Ihrem Job) in einem Topf auf einer eingeschalteten Herdplatte sitzen, dann verfallen Sie nicht in klassische Begründungen, um dort zu verharren. Viele dieser typischen Erklärungen klingen nur am Anfang klug und plausibel. Am Anfang sind die Unterschiede womöglich noch gering, sodass sie kaum auffallen. Aber auf lange Sicht, ist es ein dramatischer Kurswechsel.

Wie bei der Navigation im All: Schon eine minimale Abweichung – und man landet Lichtjahre entfernt ganz woanders.

Komfortzonen verlassen: Eine Frage der Motivation

Komfortzonen zu verlassen ist daher niemals angenehm oder komfortabel im Wortsinn. Manch einem kommen dabei leicht Zweifel, warum er oder sie die Komfortzone überhaupt verlassen sollte, schließlich hat man sich den Wohlfühlbereich gerade erst nett eingerichtet...

Die Antwort darauf klingt leider schrecklich pathetisch und kommt wie ein Spruch auf einem Abreißkalender daher:

Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone.

Wir sind nicht dafür gemacht, es bequem zu haben, so schön sich das zunächst auch anfühlen mag. Körper und Geist hungern nach neuen Reizen, nach Training, nach Entwicklung. Nur so leben wir unser Leben und lassen es nicht nur einfach geschehen.

Nicht anders ist es im Beruf: Wachstum und Entwicklung sind nur möglich, wenn Sie sich regelmäßig neuen Herausforderungen und Aufgaben stellen. Diese wiederum finden sich nur außerhalb unserer Komfortzone.

So unbequem und unangenehm die ersten Schritte außerhalb der gewohnten (und meist selbstgesteckten) Grenzen auch sein mögen: Sie sind es wert. Es passiert eine Menge, wenn man Routinen aufgibt, Neues wagt, ausprobiert, Grenzen verschiebt - vor allem, wenn man sich bewusst ist, wozu man es wagt...

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Komfortzone verlassen: Beginnen Sie mit kleinen Schritten

Bevor Sie sich jetzt kopfüber in völlig neues Terrain stürzen, warten Sie bitte noch einen Moment. Denn wenn Sie Ihre Komfortzone sinnvoll verlassen, sich dadurch weiterentwickeln und Ihre Karriere voranbringen, sollten Sie das zunächst in kleinen Schritten tun.

  • Erstens sind Sie sonst schnell frustriert, wenn Ihr Unternehmen nicht gleich funktioniert.
  • Zweitens stehen Sie bei zu großen Vorhaben vor einem scheinbar unüberwindbaren Berg an Herausforderungen. Auch das lähmt.

Beginnen Sie daher zunächst mit kleinen Veränderungen. Verlassen Sie in kleinen Dingen die Komfortzone, gewöhnen Sie sich daran, Neues unsicher und unbehaglich zu beginnen und überwinden Sie so die Scheu vor dem Unbekannten. Steigern lassen sich die Schritte später immer noch.

Im Folgenden haben wir einige Vorschläge, wo im Alltag sich die Komfortzone verlassen lässt:

  • Ändern Sie den morgendlichen Ablauf.

    Sie gehen jeden Morgen beim gleichen Bäcker vorbei? Der Kaffee am Bahnhof ist fester Bestandteil Ihres Arbeitsweges? Dann wählen Sie morgen eine andere Route, tauschen Sie Kaffee gegen Tee aus oder bringen Sie ihn von zu Hause mit. Schon solche Mini-Veränderungen können enormes Kreativpotenzial freisetzen.

  • Stehen Sie früher auf.

    Stehen Sie 30 Minuten vor Ihrer gewohnten Zeit auf. Sie werden sicher müde und wenig begeistert sein - haben Ihre Komfortzone damit aber schon verlassen. Sinnvoll wird dieser Schritt allerdings erst, wenn Sie die gewonnene Zeit für sich nutzen - beispielsweise zur Meditation, zum Lesen oder Beten.

  • Verändern Sie Arbeitsroutinen.

    Ihr Tagesablauf steht fest, die entsprechenden Routinen sind eingespielt und scheinbar bewährt? Dann ändern Sie diese trotzdem einmal ganz bewusst ab und probieren Sie eine neue Struktur der Arbeitsschritte aus. Ändern Sie Ihre Arbeitsabläufe, verbringen Sie Ihre Pausen an anderen Orten oder verabreden Sie sich mit anderen Kollegen zum Essen. Statt sich von täglichen Routinen langweilen zu lassen, können Sie auf diese Weise jeden Tag aufs Neue motiviert an Ihrem Erfolg arbeiten. So manche Gewohnheit entpuppt sich dabei als überraschend optimierbar.

  • Sprechen Sie vor Menschen.

    Egal ob in einem Meeting oder bei einer Tischrede: Wenn das Sprechen in der Öffentlichkeit und vor anderen Menschen ein Problem für Sie darstellt, sollten Sie Gelegenheiten dazu suchen und nutzen. Das kostet Überwindung, keine Frage. In der Regel geht damit aber auch eine hervorragende Wachstumserfahrung einher.

  • Übernehmen Sie mehr Verantwortung.

    Suchen Sie sich aktiv Aufgaben aus, bei denen Sie eine größere Verantwortung tragen, als in Ihrem bisherigen Tätigkeitsbereich. Sie können auch Ihren Chef darauf ansprechen und mit ihm gemeinsam nach passenden Möglichkeiten suchen. Sie können beispielsweise die Leitung eines Teams übernehmen oder einen wichtigen Kunden betreuen. Dadurch machen Sie neue Erfahrungen und Ihr Vorgesetzter kann sich aus erster Hand von Ihren Qualifikationen überzeugen.

  • Definieren Sie ein Worst-Case-Szenario.

    Klingt im ersten Moment kontraproduktiv, sich die möglichen Schattenseiten bewusst zu machen. Doch das kann Ihnen tatsächlich helfen, Ihre Komfortzone zu verlassen. Wenn Sie vor einer Entscheidung stehen, überlegen Sie, was das für Sie schlimmste Ergebnis werden könnte und ob das wirklich so schlimm ist, wie es Ihnen die Ängste weiß machen wollen. Meist ist es das nicht.

Bei allen genannten Punkten handelt es sich um Vorschläge. Wenn Sie Ihre Komfortzone verlassen, sollten Sie Aktivitäten wählen, die für Sie ungewohnt sind und Ihnen neue Perspektiven eröffnen. Das kann auch etwas ganz anderes sein.

Anders Ericsson ist ein renommierter Psychologe an der Florida State Universität, der Dekaden damit zugebracht hat, herauszufinden, was wahre Experten ausmacht. Sein Resumé ist eindeutig: Beharrliches Ausprobieren, Scheitern, Lernen führen zur wahren Meisterschaft. Und das ginge eben nur, indem wir regelmäßig Routinen und die Komfortzone verlassen.

Oder wie er sagt:

Sie werden erst viele Male scheitern, bevor Sie in der Lage sind, auf diesem neuen Niveau nennenswerte Leistungen und Erfolge zu erzielen. Die wenigsten Menschen machen gerne Fehler - und verharren daher in ihrer Komfortzone. Diesen Prozess aus mutigem Herauswagen, regelmäßigem Lernen und Üben, Üben, Üben ist der eigentliche Schlüssel zu echter Expertise.

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