Der Kommunikationsstil, den wir wählen, wenn wir uns mit anderen unterhalten, ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Er sagt etwas aus über unsere Selbstwahrnehmung, über die Rolle, die wir uns selbst zuschreiben oder die wir gerne einnehmen würden. Wir präsentieren uns auf eine bestimmte Art und Weise im Umgang mit anderen Menschen und hinterlassen so einen Eindruck über unsere Persönlichkeit. Geprägt wird ein Mensch in seinem Verhalten vor allem in seiner Kindheit. Dies wirkt sich auf den Kommunikationsstil aus. Nicht immer wird so kommuniziert, wie es der Situation und dem Gegenüber angemessen wäre. Sich bewusst zu machen, welche Stile es gibt und wie wir in unserer Art auf andere damit wirken, kann ein erster Schritt sein...

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Kommunikationsstil Definition: Man kann nicht NICHT kommunizieren

Kommunikationsstil DefinitionWer von Kommunikationsstil spricht, meint damit die Art und Weise, wie Informationen und Argumente ausgetauscht werden. Wie Paul Watzlawick bereits feststellte, kann man nicht nicht kommunizieren, das heißt:

Selbst wenn wir nichts sagen, nimmt unser Gegenüber durch unser Verhalten wie beispielsweise die Körperhaltung, aber auch Kleidung bestimmte Signale auf. Nicht umsonst sagt der Volksmund: Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Es sind also verschiedene Kommunikationskanäle, die dazu beitragen, ob und wie etwas vom Gegenüber aufgefasst wird:

  • Verbale Kommunikation

    Sie nimmt mit sieben Prozent einen überraschend geringen Anteil an dem ein, was wir vermitteln. Gemeint ist damit der Inhalt.

  • Paraverbale Kommunikation

    Darunter werden Tonfall, Intonation und Artikulation zusammengefasst. Sie machen 38 Prozent dessen aus, was beim Gesprächspartner ankommt.

  • Nonverbale Kommunikation

    Der überwiegende Teil dessen, was unser Gegenüber aufnimmt, nämlich 55 Prozent, entstammt unserem Auftreten, Bewegung, Gestik und Mimik.

Kommunikationsstile lassen sich unter vielen Gesichtspunkten betrachten, denn auch die Kultur spielt eine Rolle. Die Deutschen und die deutsche Sprache werden beispielsweise von anderen Nationen oftmals als sehr direkt, geradezu unhöflich empfunden. Das hängt damit zusammen, dass hierzulande Sachverhalte klar und ohne Umschweife benannt werden.

Anderenorts ist ein eher indirekter Kommunikationsstil üblich, dort werden Inhalte eher umschreibend vermittelt. Das führt allerdings auch dazu, dass es einen großen Interpretationsspielraum gibt, da Dinge mitunter zweideutig beim Gesprächspartner ankommen können.

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Die Kommunikationsstile nach Schulz von Thun

Auf den Hamburger Psychologen Friedemann Schulz von Thun gehen acht Kommunikationsstile zurück, in denen er bestimmte Verhaltensweisen beschreibt. Ihm geht es im zweiten Band seiner Reihe "Miteinander reden" darum, dass Gesprächspartner differenziert betrachtet werden.

Seiner Meinung nach bedienen sich alle Menschen dieser Kommunikationsstile. Welcher dominiert, ist abhängig davon, welche Persönlichkeitsmerkmale besonders ausgeprägt sind. Die Ursachen für das jeweilige Kommunikationsverhalten sieht er in den Erfahrungen der Kindheit.

Jeder dieser Stile hat gewisse Stärken und Schwächen, so dass sich nicht einer als der ideale beschreiben lässt. Welcher Kommunikationsstil verwendet wird, ist neben der Persönlichkeit des Menschen abhängig von der jeweiligen Situation und einer möglichen Vorgeschichte der beiden Gesprächspartner.

Schulz von Thun beschreibt folgende Kommunikationsstile:

Der bedürftig-abhängige Stil

  • Merkmal

    Den Kommunikationsstil des Bedürftig-Abhängigen kennzeichnet Hilflosigkeit und chronische Überforderung. Statt Tatendrang zu demonstrieren, ist er passiv und hofft darauf, dass andere ihm helfen. Gelingt das nicht durch den Wink mit dem Zaunpfahl, versucht er es mit Jammern und scheinbaren Komplimenten wie "Dir gelingt alles immer viel besser...". Dadurch, dass der Bedürftig-Abhängige sich selbst als schwach inszeniert, können andere sich als stark und kompetent empfinden.

  • Ursache

    Möglicherweise wurden dem Bedürftig-Abhängigen bereits in der Kindheit andauernd Grenzen gesetzt, die in Überbehütung und letztlich erlernter Hilflosigkeit mündeten. Das Selbstvertrauen des Bedürftig-Abhängigen ist infolgedessen sehr gering ausgeprägt. Ebenso denkbar ist, dass der Bedürftig-Abhängige kaum Zuwendung erfahren hat und sich diese als Erwachsener nun in Form von Hilfestellung holt.

  • Stärken und Schwächen

    Wird ihm der Lösungsweg gezeigt, arbeitet er zuverlässig. Und er kann Hilfe annehmen, lässt sich etwas sagen, während andere noch verbissen selbst nach der Lösung suchen. Nachteilig ist allerdings, dass er sich selbst nichts zutraut. Das erschwert ihm vor allem Entscheidungen.

  • Umgang

    Wer den bedürftig-abhängigen Kommunikationsstil praktiziert, wird sich mit Leuten umgeben, die den helfenden oder distanzierenden Stil pflegen. So gesehen scheinen sich hier zwei Stile zu ergänzen. Allerdings hat dieses Verhalten wenig von einem mündigen Menschen, daher geht es bei Bedürftig-Abhängigen darum, zu mehr Selbstvertrauen zu gelangen. Statt sofort um Hilfe zu bitten, könnte erst einmal selbst aktiv nach Lösungswegen gesucht werden. Mit zunehmenden Erfolgserlebnissen bei selbständigen Lösungen steigt auch das Selbstvertrauen.

Der helfende Stil

  • Merkmal

    Im Gegensatz zum obigen Beispiel wirkt der Helfer wie jemand, der in allen Situationen den richtigen Rat und Weg weiß. Er strahlt daher Kompetenz, Souveränität und Hilfsbereitschaft aus. Gleichzeitig wirkt er unabhängig, da er selbst nie hilflos zu sein scheint.

  • Ursache

    Der Helfer hat in seiner Kindheit möglicherweise oft sich selbst überlassen und hat die Erfahrung gemacht, dass er alles allein schaffen muss. Menschen mit Helfersyndrom holen sich Liebe und Anerkennung über die Menschen, die wiederholt ihre Hilflosigkeit demonstrieren. Indem sich der Helfer sofort um die Nöte anderer kümmert, kann er getrost seine eigenen Probleme ausblenden.

  • Stärken und Schwächen

    Nicht selten findet man Helfer in sozialen Berufen, als Krankenpfleger, Mediziner oder Streetworker. Sie sind geduldige Zuhörer und sind sofort da, wenn es brennt. Das führt allerdings oftmals dazu, dass sie nicht nein sagen können. Das kann in Überforderung und psychosomatischen Erkrankungen enden.

  • Umgang

    Helfer umgeben sich häufig mit bedürftig-abhängigen Menschen. Bedingt durch die Persönlichkeitsanteile derjenigen, die diese Kommunikationsstile praktizieren, geraten beide in einen Kreislauf: Der Helfer sucht sich Hilfesuchende, weshalb diese keinerlei Veranlassung haben, etwas an ihrem Verhalten zu ändern und umgekehrt. Dabei sollte er lernen sich abzugrenzen, um stressbedingten Krankheiten vorzubeugen. Das geht nur, wenn er einsieht, dass auch er mitunter hilfebedürftig ist.

Der selbstlose Stil

  • Merkmal

    Wer den selbstlosen Kommunikationsstil anwendet, weist in einigen Punkten Übereinstimmung mit dem helfenden Kommunikationsstil auf. Der Einsatz für andere scheint seine Bestimmung zu sein. Im Gegensatz zum Helfer tut er das allerdings sehr unterwürfig und schwächt seinen Anteil an Errungenschaften immer ab. Sein ganzes Verhalten signalisiert, dass er sich als wert- und bedeutungslos empfindet. Aus Angst vor Ablehnung und Trennung bürdet er sich immer noch die Arbeit anderer auf.

  • Ursache

    Der Selbstlose hat in seiner Kindheit wenig Wertschätzung erfahren; ihm wurde vermittelt, dass er nicht wichtig sei. Das führt dazu, dass er ständig bemüht ist, anderen zu gefallen und bloß jeden Konflikt zu meiden, so dass er wenigstens darüber Anerkennung erfährt.

  • Stärken und Schwächen

    Wie den Helfer zeichnet den Selbstlosen eine große Hilfsbereitschaft aus; außerdem ist er frei von Starallüren. Gleichzeitig hat auch er Schwierigkeiten sich abzugrenzen und mal auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu achten.

  • Umgang

    Selbstlose helfen gerne Bedürftig-Abhängigen, finden sich aber auch mit Menschen wieder, die den aggressiv-entwertenden Kommunikationsstil haben: Denn diese bestätigen durch ihre Art das, was der Selbstlose sowieso bereits von sich denkt. Wichtig ist für Selbstlose daher, dass sie ihre eigene Persönlichkeit hervorbringen und ihren Willen artikulieren. Dazu bedarf es einer klaren, verbindlichen Sprache und dem Willen, auch mal nein zu sagen. Durch Selbstbehauptung lässt sich die Wertschätzung anderer gewinnen.

Der aggressiv-entwertende Stil

  • Merkmal

    Der aggressiv-entwertende Kommunikationsstil ist recht weit verbreitet. Wer so kommuniziert, will sich selbst erhöhen, indem er seinen Gesprächspartner klein macht. Er wertet ihn ab oder lässt ihn schuldig erscheinen, indem er auf dessen Fehler und Schwächen herumhackt. Seine Handlungsmaxime wird davon bestimmt, dass er zuerst "zuschlägt", bevor es jemand anderer bei ihm tun kann.

  • Ursache

    Psychologen vermuten, dass Aggressiv-Entwertende in ihrer Kindheit Gewalterfahrungen und/oder Demütigungen über sich ergehen lassen mussten. Um das daraus resultierende Gefühl der Schwäche unbedingt zu vermeiden, werden andere erniedrigt, um selbst überlegen zu erscheinen.

  • Stärken und Schwächen

    Mit seinem Verhalten beißt er sich durch, Kritik kann er offen vortragen. Allerdings sind Kränkungen bei anderen Gesprächspartnern oft vorprogrammiert, was das Miteinander erschwert.

  • Umgang

    Hat der Aggressiv-Entwertende es mit höher gestellten Personen zu tun, kann es durchaus sein, dass er hier den selbstlosen Kommunikationsstil einnimmt. Um sein Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren, sucht er sich Schwächere aus. Sein Verhalten lässt sich daher am ehesten mit der Metapher des Fahrradfahrers beschreiben: "Nach oben buckeln, nach unten treten". Meist sucht er sich Menschen, die den selbstlosen Kommunikationsstil haben oder tatsächlich ebenfalls aggressiv-entwertend auftreten. Wichtig wäre für Entwertende, Selbstkritik und Taktgefühl anderen gegenüber zu entwickeln. Denn wirklichen Respekt erlangt man nicht durch Abwertung anderer.

Der sich beweisende Stil

  • Merkmal

    Auch dem sich beweisenden Kommunikationsstil liegt ein gewisser Minderwertigkeitskomplex zugrunde. Diesen versucht der Beweisende allerdings nicht durch Erniedrigung seiner Gesprächspartner zu kompensieren; vielmehr zeichnet ihn eine Profilneurose aus. Ständig muss er anderen seinen Wert beweisen, indem er allen erzählt wie toll er ist und seinen Verdienst bei Projekten unnötig aufbläht. Die Angst, als Versager zu gelten, treibt ihn zum Perfektionismus - womit er sich allerdings oftmals selbst Stress verursacht und über seine Grenzen hinausgeht.

  • Ursache

    Das Gefühl, nicht um seiner selbst geliebt zu werden, ließ den Beweisenden einen großen Ehrgeiz entwickeln. So erlangt er immerhin durch sein Können Anerkennung und Liebe.

  • Stärken und Schwächen

    Der Beweisende ist sich seiner Kompetenzen bewusst. Er bringt auf der Arbeit immer den totalen Einsatz und zeichnet sich durch Zuverlässigkeit und aktives Anpacken aus. Die Angeberei zeigt ihn allerdings nicht gerade als liebenswürdigen Kollegen. Auch führt sein großes Engagement dazu, dass unter den Kollegen Konkurrenz und Rivalität entstehen.

  • Umgang

    Begegnen sich Personen, die den sich beweisenden Kommunikationsstil anwenden, wird es anstrengend. Jeder versucht den anderen zu übertrumpfen, was einerseits bedeutet, dass eigene Schwächen unbedingt verborgen werden müssen. Andererseits wird der Ehrgeiz gnadenlos angestachelt, um bloß allen die eigene Leistung beweisen zu können. Wesentlich entspannter könnte das Leben für diese Menschen sein, wenn sie sich Fehler mal eingestehen könnten. Wer nicht immer perfekt ist, sondern auch Macken und Kanten zeigt, gewinnt die Zuneigung anderer.

Der bestimmende-kontrollierende Stil

  • Merkmal

    Dem bestimmend-kontrollierenden Kommunikationsstil liegt die Ansicht zugrunde, dass der Bestimmend-Kontrollierende allein im Besitz der absoluten Weisheit ist, wie Dinge erledigt zu werden haben. Ähnlich wie beim aggressiv-entwertenden Kommunikationsstil werden so die Mitmenschen in ihrem Handeln abgewertet. Allerdings passiert es hier aus dem Wunsch heraus, sie zum Besseren zu ändern: "Das muss so erledigt werden." Das Maß aller Dinge ist dabei er, der pingelig darauf achtet, dass die von ihm aufgestellten Regeln beachtet werden. Hinter diesem Kommunikationsstil steckt die Angst vor Kontrollverlust, daher klammert sich der Bestimmend-Kontrollierende an traditionelle Vorgehensweisen und ist neuen Erfahrungen gegenüber wenig aufgeschlossen.

  • Ursache

    Prägend war für diese Menschen vermutlich eine Kindheit, die aus strengen Regeln und Disziplin bestand. Impulse wie Neugier, Entdeckungslust und Spontaneität wurden von den Eltern unterdrückt. Daraus entwickelt sich später ein eigener Antrieb: Um Strafe zu vermeiden, kontrolliert der Bestimmend-Kontrollierende massiv die eigenen Wünsche. Diese Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung hat mitunter etwas Zwanghaftes.

  • Stärken und Schwächen

    Wenn du willst, dass etwas gut gemacht wird, musst du es selbst tun - diese Ansicht ist zwar herablassend, führt aber dazu, dass der Bestimmend-Kontrollierende Arbeit nahezu perfekt ausführt. In seinem Auftreten bietet er anderen eine verlässliche Orientierung. Da alles klaren Regeln folgen muss, ist wenig Spielraum für Phantasie und Neues. Der Bestimmend-Kontrollierende ist damit sehr unflexibel und verhindert nicht nur Chaos (sein Hauptanliegen), sondern auch Kreativität und Innovationen.

  • Umgang

    Bestimmend-Kontrollierende kommen gut mit Bedürftig-Abhängigen und selbstlosen Personen klar. Diese sind dankbar für seine klaren Aussagen und empfinden Sicherheit, wenn sie danach vorgehen. Schwierig wird es bei Mitmenschen, die einen eigenen Kopf und eigene Vorstellungen davon haben, wie etwas gemacht werden soll. Sinnvollerweise sollte der Bestimmend-Kontrollierende mehr Mut für Neues entwickeln und den Kontrollzwang unterbrechen. Gelingen kann das, indem er von anderen gespiegelt bekommt, dass auch andere Vorgehensweisen zielführend sind.

Der sich distanzierende Stil

  • Merkmal

    Menschen, die den sich distanzierenden Kommunikationsstil anwenden, sind darum bemüht, einen Abstand zwischen sich und anderen zu schaffen - sowohl verbal als auch räumlich. Der Distanzierende meidet zu große Nähe zu anderen Menschen und flüchtet sich häufig in sachlich-rationale Formulierungen. Räumlich zeigt sich diese Distanz durch "Barrieren" wie Schreibtische. Der sich distanzierende Kommunikationsstil ermöglicht es dem Sprecher, sein Innenleben vor anderen geheim zu halten. Seine emotionslose Art wirkt auf andere arrogant und steif.

  • Ursache

    Der sich Distanzierende hat in der Kindheit seine Abhängigkeit von den Eltern als verletzend und verunsichernd empfunden. Sein Urvertrauen wurde durch negative Erfahrungen erschüttert, so dass er sich vor zu großer Nähe und Abhängigkeit zukünftig zu schützen versucht.

  • Stärken und Schwächen

    Mit seiner sachlich-rationalen Art geht der sich Distanzierende analytisch und zielgerichtet vor. Er lässt es nicht zu, dass sein Gefühlsleben ihm einen Strick durch die Rechnung macht, sondern behält einen kühlen Kopf. Da er emotional so unabhängig ist, kann er gut nein sagen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Allerdings kann der Distanzierte sich schlecht fallen lassen und seine scheinbare Emotionslosigkeit behindert ihn auch in Situationen, in denen Empathie erforderlich wäre.

  • Umgang

    Was im beruflichen Kontext in gewissen Situationen - etwa im Verhältnis Behörde/Kunde oder Vorgesetzter/Mitarbeiter - vorteilhaft sein kann, ist spätestens im privaten Bereich schwierig. Der sich distanzierende Kommunikationsstil kann dadurch aufgedröselt werden, indem der Sprecher seine Maske fallen lässt und etwas Persönliches von sich preisgibt. Das macht es anderen leichter auf ihn zuzugehen und schützt den Distanzierten wiederum vor Vereinsamung.

Der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil

  • Merkmal

    Der Mitteilungsfreudige bildet den Gegenpart zum Distanzierten. Er braucht die Bühne, daher umgibt er sich gerne mit Menschen, um alle an seinem Leben teilhaben zu lassen. Dabei handelt es sich um eine Selbstinszenierung, denn jedes noch so unwichtige Detail wird zwar erörtert, aber vom Innenleben erfährt der Zuhörer recht wenig. Jemand mit mitteilungsfreudig-dramatisierendem Stil hört sich selbst gerne reden, so dass er andere lediglich als Stichwortgeber benutzt und ihnen schnell ins Wort fällt. Dabei werden die eigenen Erlebnisse gerne aufgeplustert.

  • Ursache

    Als Kind wurde dieser Selbstdarsteller nicht beachtet. Alles, was nicht in irgendeiner Form toll oder herausragend war, weckte keinerlei Aufmerksamkeit. Im Umkehrschluss verhält er sich nun lautstark, um von anderen wahrgenommen zu werden.

  • Stärken und Schwächen

    Von seiner Umgebung wird der Mitteilungsfreudig-Dramatische oftmals als mitreißend, phantasievoll und kreativ erlebt. Leider ist der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil eher eine Einbahnstraße, da Unterhaltungen sich eher als Monolog gestalten. Will jemand ernsthafte Dinge besprechen, hört er nicht hin, da er in seiner Egozentrik nur die eigenen Belange im Blick hat. Andere Menschen dienen ihm oft lediglich zur Selbstbestätigung, sind daher austauschbar.

  • Umgang

    Wer jemanden kennenlernt, der im mitteilungsfreudig-dramatisierenden Kommunikationsstil redet, ist zunächst recht angetan. Diese Person wirkt wenig langweilig und versteht es, einfallsreich und spannend zu erzählen. Diese Anerkennung führt andererseits erst dazu, dass Mitteilungsfreudige noch mehr nachlegen. In dem Moment, in dem Gesprächspartner merken, dass sie austauschbar sind, ebbt das Interesse freilich ab. Für Mitteilungsfreudige empfiehlt es sich daher, aktives Zuhören zu üben und Gesprächspartnern ernsthaftes Interesse zu signalisieren, indem er sie ebenfalls zu Wort kommen lässt. So können Glaubwürdigkeit und Vertrauen entstehen.

Tendenzen nach Geschlecht beim Kommunikationsstil

Dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunizieren, ist bekannt - Mansplaining und Manterrupting sind lediglich Modebegriffe für ein Phänomen, das Soziologen längst kennen.

Auch die oben dargestellten Kommunikationsstile lassen sich überwiegend einem Geschlecht zuordnen.

Typisch weiblich ist demnach...

  • der bedürftig-abhängige Kommunikationsstil
  • der selbstlose Kommunikationsstil
  • der mitteilungsfreudig-dramatisierende Kommunikationsstil

Typisch männlich ist hingegen...

  • der aggressiv-entwertende Kommunikationsstil
  • der sich beweisende Kommunikationsstil
  • der distanzierte Kommunikationsstil

Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen vorkommend sind...

  • der helfende Kommunikationsstil
  • der bestimmend-kontrollierende Kommunikationsstil

Wer die verschiedenen Kommunikationsstile gelesen hat, wird sich vermutlich an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt haben. Wie bereits oben ausgeführt, verwendet kein Mensch nur einen, sondern oftmals situationsabhängig unterschiedliche Kommunikationsstile.

Diese zu kennen, erleichtert die Kommunikation im Alltag, da Sie so Gesprächssituationen besser einschätzen und auf Ihr Gegenüber passender reagieren können. Wichtig ist dafür allerdings nicht nur, das eigene Kommunikationsverhalten zu hinterfragen, sondern auch Verständnis für andere aufzubringen.

Wer Störungen in der Kommunikation vermeiden möchte, sollte sich bemühen, aktiv zuzuhören und sich klar auszudrücken.

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