MannFrau-Gehaltsunterschied

Ein Gastbeitrag von Anna Kalisch

Männer machen klare Ansagen, Frauen formulieren blumig - soweit das Klischee. Tatsächlich hat sich mit der Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen jedoch viel getan: So lässt sich der Kommunikationsstil nicht mehr allein am Geschlecht festmachen. Es gibt heute männlich kommunizierende Frauen ebenso wie weiblich kommunizierende Männer. Das macht die Sache zwar nicht einfacher, doch wer weiß, mit welchem Kommunikationstyp er es gerade zu tun hat, kann sich diese Erkenntnis im Joballtag zu Nutze machen...

Der weibliche und männliche Duktus

Die seit einigen Jahren stattfindende Auflösung und Veränderung der traditionellen Geschlechterrollen wirkt auch auf kommunikativer Ebene: Ein schnöder Mann-Frau Dolmetscher im Stile von Mario Barth hilft uns da allerdings nicht weiter. Zwar gibt es immer noch klassisch männlich und weiblich tradierte Sprachmodelle, doch werden diese nicht mehr nur jeweils von Männern und Frauen genutzt. Laut der Psychologin Lisa Fischbach handelt es sich bei den Modellen nicht um internalisierte oder angeborene Verhaltensweisen, sondern durch Erziehung und Umfeld geprägte Sozialisationsmuster. Entsprechend verändern sich diese zusammen mit der Sozialisation.

ITler sprechen männlich, PRler sprechen weiblich

„Hallo ihr Lieben, wie fühlt ihr euch heute?“ - Wer mit dieser Begrüßung in die IT spaziert, wird vermutlich gegen eine Mauer des Schweigens laufen. Mit solch emotionaler Gesprächseröffnung können Menschen, deren Gehirn auf sachlich-nüchterne Kommunikation trainiert ist, wenig anfangen.

Dabei ist es egal, ob der Kollege in der Technik ein Mann oder eine Frau ist. Frauen, die in männlich konnotierten Berufsfeldern tätig sind, sprechen tendenziell genauso im männlichen Duktus wie ihre männlichen Kollegen.

Neben der IT gehören zu solch sachlich parlierenden Abteilungen zum Beispiel auch das Controlling oder die Buchhaltung - eben solche Umfelder, in denen eine sachlich-nüchterne Denk- und Arbeitsweise gefordert ist. Die Kommunikation ist hier ebenso faktisch und rational, auf Effizienz getrimmt.

Bezogen auf das bekannte Schulz von Thun-Modell bedeutet das, dass die Kollegen hier eher auf Appell- oder Sachebene kommunizieren.

In eher weiblich konnotierten Arbeitsfeldern wie beispielsweise der PR, dem Marketing oder in der Pädagogik steht dagegen die Kommunikation auf Beziehungs- und Selbstbekundungsebene im Vordergrund. Der Stil ist hier eher emotional, beziehungsorientiert, kooperativ.

Egal ob Mann oder Frau: Weiblich sprechende Typen sind geschulter, auf der Beziehungsebene zu kommunizieren, sie versuchen stets über das Gesagte einen Bezug zum Umfeld und dem Gegenüber herzustellen und beziehen Gefühle in ihre Äußerungen mit ein. Sie kommunizieren team-orientierter und kooperativer.

Wenn also zum Beispiel IT und PR ein gemeinsames Projekt umsetzen, kann es hier durchaus zu kommunikativen Missverständnissen kommen. Hierzu einige Beispiel...

E-Mails: Im männlichen und weiblichen Duktus

Typisch weiblicher Stil:

Lieber Martin,
ich hoffe, Du hattest einen schönen Urlaub und bist gut erholt wieder gekommen.
Ich möchte für nächste Woche gern ein Meeting anberaumen. Ich freue mich auf Deinen Terminvorschlag.
Danke und liebe Grüße, Julia

Typisch männlicher Stil:

Hallo,
wann hast Du nächste Woche Zeit für das Meeting? Montag, 16 Uhr?
Gruß, Heiko

Die weibliche E-Mail ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Verbindliche, emotionale Anrede (Lieber, Namensnennung),
  • ein wenig Geplauder, um die Beziehungsebene zu stärken und Sympathie herzustellen,
  • dann folgt die Sachbotschaft inklusive Selbstbekundung (ich freue mich),
  • abgerundet mit einem sympathischen Abbinder.

Die männliche E-Mail dagegen basiert auf der Sach- und Appellebene. Tauschen ein männlicher und ein weiblicher Kommunikationstyp solche zugegebenermaßen zugespitzten E-Mails aus, kann es dazu kommen, dass der weibliche Typ die E-Mail als unhöflich interpretiert und der männliche diese als sinnloses Geschwafel.

Delegieren: Im männlichen und weiblichen Duktus

Typisch weiblicher Stil:

Ich würde mich freuen, wenn Du die Unterlagen bis Freitag fertig haben könntest. Das ist sehr wichtig für unser Projekt.

Typisch männlicher Stil:

Schick mir bis Freitag, 12 Uhr, die Unterlagen.

Weiblich kommunizierende Kollegen formulieren eine Aufforderung meist eher indirekt. Zudem enthält der Beispielsatz eine Selbstbekundung (Ich würde mich freuen) sowie eine Bestätigung (das ist sehr wichtig), um den Mitarbeiter oder Kollegen zu motivieren.

Männlich kommunizierende Kollegen dagegen sprechen den Appell nüchtern und konkret aus. Auch hier können leicht Missverständnisse und Spannungen entstehen, wenn der eine die Aufforderung des anderen nicht als solche erkennt, Motto: „Du hast nicht gesagt, dass ich das machen soll!“

Meetings: Im männlichen und weiblichen Duktus

Typisch weiblicher Stil:

Lasst uns doch in Gruppen aufteilen und die Ergebnisse dann zusammentragen.

Typisch männlicher Stil:

Ich subsumiere mal die Ergebnisse des heutigen Treffens: […] Daraus ziehe ich am Ende des Tages die Konsequenz, dass jeder der Mitarbeiter eine gesonderte Aufgabe erhalten sollte.

Männlichen Kommunikationstypen ist es in Meetings wichtig, ihre Position zu definieren und zu festigen. Sie sprechen eher in Ich-Botschaften, die ihre Unabhängigkeit demonstrieren und nehmen sich insgesamt viel verbalen Raum. So fassen sie oft bereits Gesagtes nochmals zusammen. Sie verzichten auf emotionale Äußerungen und verwenden eher Fach-Termini.

Weibliche Kommunikationstypen setzen dagegen eher das "Wir" ein, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Auch dahinter versteckt sich das Ziel, die Beziehungsebene zu stärken. An Hierarchie sind solche Typen weniger interessiert, ihnen geht es um die kooperative Lösung.

Kommunikationsstil erkennen und spiegeln

Nach diesem Ausflug in weibliche und männliche Kommunikationsstile stellt sich natürlich die Frage: Wie können Sie das Wissen im Berufsalltag nutzen?

Der erste Schritt hierzu ist - wie so oft - die Erkenntnis selbst. Also mit welchem Sprachtypen Sie es in einer beruflichen Situation zu tun haben:

  • Spricht er oder sie eher sachlich-männlich oder beziehungsorientiert-weiblich?
  • Welches der vier Ohren ist bei diesem Kollegen am stärksten ausgeprägt?

Und auf diesem Ohr gilt es dann selbst zu kommunizieren.

Ein weiblich kommunizierender Typ sollte Appelle an einen männlich sprechenden Typen deutlich formulieren und auf die Beziehungsebene weitgehend verzichten.

Umgekehrt sollte ein männlich sprechender Typ einen für ihn vielleicht ungewöhnlichen Umweg über unverbindliches Geplauder nehmen, wenn er Rücksprache mit Kollegen im Marketing hält.

Übrigens beinhaltet jegliche Kommunikation neben dem WAS natürlich auch immer das WIE.

So reagieren weiblich kommunizierende Personen oft irritiert auf die gleichbleibende, sachliche Tonlage eines männlichen Typen. Sie sind es gewohnt emotionaler zu sprechen und Gesagtes durch Gestik zu unterstreichen.

Umgekehrt kann ein männlicher Typus verwirrt sein, wenn die Kollegin ihn leicht am Arm oder der Schulter berührt. Sie tut dies nicht, weil sie flirten will, sondern um Verbundenheit herzustellen.

Über die Autorin

Anna KalischAnna Kalisch arbeitet bei der Online-Partnervermittlung ElitePartner und schreibt dort für das Online-Magazin über Liebe, Partnerschaft, Männer und Frauen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com, Anna Kalisch]