Komplimente machen, ist eine Kunst für sich. Wer sie beherrscht, ist erfolgreich im Job und im Privatleben. Psychologen behaupten, dass die Fähigkeit, ehrliche Komplimente zu machen, ein wunderbares Werkzeug sei, um Türen zu öffnen, im Team besser anzukommen, Sympathien zu gewinnen und überhaupt die Atmosphäre zu verbessern. Kurz: Komplimente stärken Beziehungen. Sie müssen allerdings von Herzen kommen, sonst können sie leicht mit Schmeicheleien, oder schlimmer: mit Schleimerei verwechselt werden...

Komplimente machen loben schmeicheln Anerkennung

Kompliment und Schmeichelei: Eine Gratwanderung

Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen dem Komplimente machen und schmeicheln. Das Zweite impliziert Übertreibung positiver Eigenschaften einer Person. Häufig werden dabei jemandem Tatsachen zugedichtet, die so nicht vorhanden sind. Ein Kompliment dagegen hebt auf eine delikate Weise die Besonderheiten beim Gesprächspartner hervor, bleibt aber bei der Wahrheit.

Vergleichen Sie selbst: Wir wirkt das auf Sie?

    Daumenhoch_t

  • Diese Farbe steht Dir wirklich gut.
  • Ich bewundere Dein Talent, die Aufgaben anzupacken.
  • Klasse, dass du diesen Blick für Einzelheiten besitzt.

  • Wow! Du siehst wie immer super sexy aus.
  • Besser als Du kann das sowieso niemand hier im Büro.
  • Mensch, du weißt ja immer und auf alles eine Antwort.

Ein gelungenes Kompliment hinterlässt beim Gegenüber einen angenehmen Eindruck, eine Schmeichelei provoziert dagegen meist Misstrauen – man spürt die Absicht und ist verstimmt. Oder aber man sucht den Haken - wie bei einem vergifteten Kompliment ("DU kannst das tragen...!")

Aber Achtung: Das Maß der Komlimente, der richtige Zeitpunkt und auch der Anlass müssen stimmen, sonst verkehrt sich die Wirkung ins Gegenteil. Zu viele Komplimente machen verdächtig und gleichen wieder der Schleimerei. Betroffene können dann schnell denken, Sie wollen etwas von ihm oder ihr, womöglich gar etwas Anzügliches.

4 Arten Komplimente: Kleiner Unterschied, große Wirkung

Es gibt vier Arten von Komplimenten, die bei Kollegen und Geschäftspartnern angebracht sein können:

  1. Kompliment zur Persönlichkeit

    Das Kompliment zur Persönlichkeit eines Menschen aufgrund seiner Fähigkeiten und seines Charakters.

    Vanessa, mir gefällt deine Zielstrebigkeit; deine Fähigkeit, immer das Ziel zu erreichen. Es sieht immer so aus, als ob Dir alles leichtfällt. Aber ich weiß, dahinter steckt harte Arbeit und Können.

    Das Entscheidende bei dieser Art des Kompliments ist, dass Sie konkret und sachlich erwähnen, was so besonders an dieser Person ist und dies auch fachlich begründen. Diese Art des Kompliments eignet sich perfekt für das Arbeitsumfeld.

  2. Kompliment zu materiellen Gütern

    Das Kompliment zu materielleren Gegenständen (Telefon, Computer, Auto, Wohnung, Haus und so weiter).

    Peter, dein neues Smartphone ist einfach klasse. Ist das das neuste Modell? Mensch, das war doch bestimmt teuer, oder?!

    Komplimente zu materiellen Besitztümern können schnell als Neid interpretiert werden. Wenn Sie die Uhr oder das Auto des Kollegen loben wollen, dann beziehen Sie möglichst einen fachlichen Verweis mit ein: "Ich finde deine Uhr toll - sie beweist Understatement ohne aufdringlichen Protz. So wie deine Arbeit." So eignet sich auch diese Form des Kompliments für den Job. Allerdings sollten Sie sparsam damit umgehen. Wer nur Materielles lobt, wirkt leicht oberflächlich oder versnobt.

  3. Kompliment zu Gefühlen

    Das Kompliment zu Gefühlen, die eine Person weckt.

  4. Markus, neben dir fühle ich mich sicher. Du bist immer so entschlossen und verlierst nie den roten Faden aus den Augen. Das gibt mir das Gefühl, dass auch ich das schaffen kann.

    Es ist nichts Falsches daran, offen über eigene Gefühle zu sprechen. Die meisten Kollegen und auch Chefs werden Sie dafür bewundern. Allerdings sind hier erneut das Maß, die Art des Gefühls und die Person, an die das Kompliment gerichtet ist, entscheidend: Jemanden dafür zu loben, dass er Sie ansport, ist unverfänglich. Geht es hingegen um romantische Gefühle, wirkt das Kompliment sofort anzüglich. Definitiv ungeeignet fürs Büro. Auch sollten Sie genau überlegen, welche Gefühle (und Schwächen) Sie auf diese Weise offenbaren.

  5. Kompliment über Äußerlichkeiten

    Komplimente über Äußerlichkeiten (Schminke, Kleidung, Frisur, Figur und so weiter).

  6. Deine Frisur sieht heute aber klasse aus. Die betont deine Augen enorm vorteilhaft.

    Wenn sie ehrlich sind und von Herzen kommen, geben auch diese Komplimente dem Adressaten ein gutes Gefühl und werden gerne gehört. Im Büro sind sie aber gefährlich: Unter gleichgeschlechtlichen Kollegen sind sie meist kein Problem. Spricht aber der Chef ein solches Kompliment gegenüber einer Angestellten aus (womöglich vor Publikum), kann schnell ein verfänglicher Eindruck entstehen. Zwischen Männern und Frauen werden solche Komplimente meist als Flirtversuche gedeutet und können die Arbeitsatmosphäre empfindlich stören.

Komplimente im Büro sind gut

Verstehen Sie die obige Liste bitte nicht falsch: Im Büro sind Komplimente keineswegs fehl am Platz. Wenn sie ehrlich und erfinderisch sind, vor allem zu Beginn eines Gesprächs oder Smalltalks, sind sie ein wunderbarer Eisbrecher und helfen, die Atmosphäre aufzulockern.

Komplimente als Gesprächsöffner und Eisbrecher

  • Sie haben ein entwaffnendes Lächeln.
  • Wenn meine Gesprächspartner doch immer so angenehm wären.
  • Sie haben eine hervorragende Beobachtungsgabe.
  • Sie haben eine besondere Fähigkeit, den Sinn der Sache zu erkennen.
  • Ich finde es gut, dass Sie so einen standhaften Charakter haben.
  • Ihre Güte ist beachtlich.
  • Von Ihnen kann ich viel lernen.
  • Es war sehr angenehm, sich mit Ihnen zu unterhalten.

Allerdings sollten Sie es, wie schon gesagt, mit all dem nicht übertreiben. Auch passende Komplimente können im Übermaß einen negativen Eindruck entstehen lassen. Schon Paracelsus erkannte: Die Dosis macht das Gift.

Kompliment verschenken

Komplimente für den Chef

Die meisten Mitarbeiter denken, dass Lob, Komplimente und Anerkennung reine Chefasache sind. Der soll schließlich seine Mitarbeiter wertschätzen und motivieren.

Andersrum funktioniert das aber genauso. Auch Chefs sind Menschen, die ab und an Anerkennung und soziales Feedback brauchen. Nur so lernen sie, was in der Belegschaft gut ankommt und ob ihr Führungsstil anspornt, fördert und fordert. Warum also nicht auch mal den Chef loben?

Warum es trotzdem so wenige wagen, liegt schlicht daran, dass einem so schnell der Hautgout eines Chefzäpfchens und Stiefelleckers anhängt. Kollegen reagieren darauf selten tolerant, sondern neigen vielmehr zur Ächtung und zum Ausschluss des vermeintlichen Strebers. Fatal!

Achten Sie daher darauf, wann und wo Sie solche Komplimente platzieren. Vor Publikum (und Kollegen) sollten Sie allenfalls die erste Art Kompliment fallen lassen - und auch das nur dosiert. Unter vier Augen können Sie auch mal etwas persönlicher werden oder über (positive!) Gefühle sprechen. Aber immer alles in Maßen.

Diese Komplimente hört jeder Chef gerne

  • Sie sind ein guter Chef. Nicht nur, weil Sie das Beste aus den Menschen kerausholen, sondern auch weil Sie sie verstehen.
  • Ich merke immer wieder, dass Ihnen die Belegschaft nicht gleichgültig ist. Sie setzen sich für Ihre Mitarbeiter ein - dafür schätze ich Sie enorm.
  • Sie haben mir beigebracht, meine Arbeit besser zu organisieren. Ich habe dadurch viel mehr Selbstsicherheit gewonnen – dafür: herzlichen Dank!
  • Sie sind zwar manchmal streng, aber immer professionell und fair. Das ist mir ein echtes Vorbild.

Komplimente bekommen: Verlegenen Dank!

Komplimente bekommenBekommen Sie gerne Komplimente? Die meisten Menschen würden wahrscheinlich mit "Ja" antworten. Aber nicht alle.

Die Unfähigkeit, mit Komplimenten umzugehen, bringt Betroffene häufig in Verlegenheit und eine unangenehme Lage - besonders dann, wenn sie nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. Sie schämen sich, statt sich darüber zu freuen oder etwas Gutes darauf zu antworten.

Komplimente annehmen? Mit diesen drei Schritten gelingt es

  1. Annehmen

    Das Kompliment wird Sie überraschen - vielleicht aus mangelndem Selbstbewusstsein oder aus gelernter Bescheidenheit. Betroffene lehnen das Lob dann ab, weil es ihnen peinlich, übertrieben oder unberechtigt vorkommt und Sie Ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken darin nicht erkennen.

    Wirken Sie dem entgegen - und Stärken Sie gleichzeitig Ihr Selbstbewusstsein. Machen Sie sich klar, dass Sie Eigenschaften haben, die durchaus bewundernswert sind. Sie haben Lob und Anerkennung verdient - wie jeder von uns (erst recht, wenn es von Herzen kommt und wahr ist).

  2. Schweigen

    Nicht wenige reagieren auf ein Kompliment mit einem Gegenkompliment. Oder Sie versuchen es runterzuspielen, abzulenken und das Thema zu wechseln. Ein klassischer Heldennotausgang - aber auch ein Fehler.

    Durch einen solchen Reflex schmälern Sie nicht nur das eigene Kompliment - Ihre Antwort erzeugt häufig auch einen unehrlichen Eindruck beim Gesprächspartner, weil es aussieht, als ginge es Ihnen hier um eine Art Ausgleich. Widerstehen Sie diesem Impuls - und machen Sie lieber weiter mit Schritt drei...

  3. Bedanken

    Nehmen Sie das Kompliment also an und bedanken Sie sich dafür - gerne auch mit einem Lächeln. Das ist nicht nur die positive Reaktion, die der oder die Lobende (zu Recht) erwarten darf. Es zeigt Ihrem Gesprächspartner auch, dass Sie sein Urteil wertschätzen.

    Konzentrieren Sie sich im Zweifel weniger auf auf den Inhalt des Kompliments, dafür umso mehr auf ein höfliches Lächeln. Ob das Lob passt oder nicht, können Sie später noch in Ruhe entscheiden.

Mitarbeit: Vera Moor
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