Konfliktmanagement-Chef-Boss-boese
Manche Chefs machen es einem wirklich nicht leicht: Sie sind launisch, nörgeln ständig, kommen immer auf den letzten Drücker mit Extraaufgaben und sind nie zufrieden. Wahrscheinlich können auch Sie aus dem Stegreif dutzende Verhaltensweisen und Eigenarten aufzählen, die Sie an Ihrem Chef nerven. Was aber, wenn der Ärger eskaliert und sich ein veritabler Streit entwickelt? Heikel! Gutes Konfliktmanagement braucht Fingerspitzengefühl - erst recht bei dem ungleichen Duell mit dem Chef. Wie Sie Konflikte mit dem Chef lösen...

Konflikt mit dem Chef: Der Boss sitzt am längeren Hebel

Wer verscherzt es sich schon gerne mit dem Chef? Niemand. Der Chef entscheidet schließlich über das Gehalt, eine mögliche Beförderung oder Kündigung maßgeblich mit. Dieses ungleiche Machtverhältnis weckt das Gefühl, dem Boss schutzlos ausgeliefert zu sein. Nicht wenige Arbeitnehmer glauben daher, dass es nichts bringt, sich mit dem Chef zu streiten - der hat ja doch das letzte Wort! Das ist so allerdings nicht richtig...

Tyrannen-Test: 7 Anzeichen für einen fiesen Chef

Es gibt viele gute Wege auf den Chefsessel. Der andere ist, ein Ekel zu sein. Immerhin: Es gibt ein paar typische Merkmale und verräterische Anzeichen, woran Sie frühzeitig erkennen, zu welchem Cheftyp Ihr Vorgesetzter gehört. Finden Sie es heraus - mit unserem Tyrannen-Schnelltest mit typischen Indizien für einen schwachen, bösen Boss. Oder aber mithilfe dieser Indizien:

  1. Entscheidungsschwäche

    Es gibt immer Unsicherheiten, Fürs und Widers. Managen heißt, riskante Entscheidungen trotzdem zu treffen, weil immer Variablen übrig bleiben. Wankelmütige Manager aber suchen ständig nach neuen Optionen. Sie wollen Fehler vermeiden und vermeiden doch nur eins: das Handeln.

  2. Bevormundung

    Wer seine Mitarbeiter wie Kinder behandelt, darf sich nicht wundern, wenn diese irgendwann das Denken einstellen. Mehr noch: Solches Verhalten sorgt dafür, dass keiner mehr Verantwortung übernimmt. Es entsteht eine Kultur der Unselbstständigkeit und des Misstrauens.

  3. Kritikunfähigkeit

    Ein Klassiker. Auch Manager sind Menschen und damit fehlbar. Wer jedoch übersensibel auf Kritik reagiert und sich nur noch mit Ja-Sagern umgibt, hat einen sicheren Weg gefunden, von Katastrophen erst dann zu hören, wenn sie nicht mehr zu vermeiden sind.

  4. Gesetzestreue

    Regeln sind Leitplanken, die auf Erfahrungen beruhen. Die wenigsten davon sind jedoch mit der Hand Gottes geschrieben und in Stein gehauen. Deshalb dürfen Sie gelegentlich auch gebrochen oder angepasst werden. Das nennt man dann Reaktionsvermögen und Anpassungsfähigkeit. Ansonsten bieten Traditionen freilich einen guten Vorwand, nichts mehr hinterfragen zu müssen.

  5. Eitelkeit

    Es ist ein ehernes Gesetz des Erfolgs: A-Leute umgeben sich mit A-Leuten, B-Leute mit C-Leuten. Soll heißen: Top-Talente erkennt man daran, dass sie die Nähe zu anderen Top-Talenten suchen. Sie schätzen den Austausch untereinander, fürchten sich nicht vor den eigenen Unzulänglichkeiten und sehen in dem anderen eine Bereicherung, ja vielleicht sogar einen Ausgleich der eigenen Schwächen. Anders die zweitklassigen Manager: Sie sehen vor allem ihre Schwächen und sind ständig in Sorge, ein besserer könnte diese offenbaren oder schlimmer – sie überholen. Deswegen umgeben sich die Zweitklassigen am liebsten mit Drittklassigen und fördern diese auch nicht. So bleibt ihr Sattel sicher. Vorläufig.

  6. Beraterliebe

    Das klingt vielleicht ungewöhnlich, beweist sich aber oft in der Praxis: Viele Consultants werden gerufen, um unangenehme Entscheidungen zu rechtfertigen. Sie liefern die Show, damit der Chef sagen kann: "Eine unabhängige Studie hat ergeben, dass wir Kosten sparen und Stellen streichen müssen. Ich wollte das ja nicht, aber jetzt..." Dabei stand das von vorne herein fest. Manager, die zu oft und für jede Kleinigkeit einen Berater einstellen, müssen sich fragen lassen, worin ihre Leistung eigentlich noch besteht. Und vor allem: Warum sie nicht den Schneid haben, für ihre Entscheidungen selber gerade zu stehen?

  7. Überstunden

    In vielen Unternehmen gibt es eine objektivierte Messlatte für Einsatz und Leistung: die Zeit. Wer bis spät abends noch im Büro hockt und malocht, gibt alles für die Firma, hat Spaß am Job und diesen im Griff. Wirklich? Nicht selten sind Überstunden nur ein Zeichen für mangelnde Organisation, reine Show oder ein Indiz für private Probleme. Wer abends der letzte im Büro und morgens schon wieder der erste ist, kann sich vielleicht selbst nicht managen. Und wem das schon bei sich selbst nicht gelingt...

Konflikt mit dem Chef lösen: So geht's

Chef-Konflikt-Streit-CholerikerJe enger der Raum, desto schneller entwickelt sich der Streit, soll Schopenhauer einmal gesagt haben. Dabei verglich er den Menschen mit Stachelschweinen, die sich umso mehr stechen, je näher sie zusammenrücken, wenn sie sich eigentlich nur wärmen wollen.

Im Büro geht es teilweise genauso zu. Mit entsprechenden Folgen... Angenommen, Sie haben einen potenziellen Konfliktherd mit dem Chef: Ein Projekt wird nicht rechtzeitig fertig, und das müssen Sie ihm beichten. Der Chef geht damit aber nicht konstruktiv um, sondern explodiert und brüllt Sie vor versammelter Mannschaft an. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

In Tränen ausbrechen oder zurück brüllen? Beides wird Ihnen beim Konfliktmanagement und im Umgang mit dem Chef nicht helfen. Zum Glück gibt es Alternativen:

  • Bewahren Sie Ruhe.

    Wenn das Blut kocht, sollten Sie erst einmal tief durchatmen und schweigen. Damit vermeiden Sie Kurzschlussreaktionen. Auch Ihr Chef ist gerade so wütend, dass es zwecklos wäre zu versuchen rational mit ihm zu reden. "Mit einem Vulkan ist nicht zu reden", wusste schon Ernst Jünger. Bleiben Sie daher völlig ruhig und vermeiden Sie jede hektische Bewegung. Hören Sie stattdessen genau zu: Überhören Sie Beleidigungen, denn Sie bringen Sie nur selbst in Rage. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Problem. Und Unterbrechen Sie den Chef auf keinen Fall. Lassen Sie ihn ausreden – und warten Sie dann selbst noch kurz bis Sie antworten. Das drosselt das Tempo und nimmt den Druck raus.

  • Analysieren Sie die Lage.

    Sowohl Sie als auch Ihr Chef brauchen erst einmal die Möglichkeit, in Ruhe über den Streit nachzudenken. Denken Sie daran, dass ein Streit immer nach dem gleichen Muster verläuft: Es gibt einen Auslöser, etwas dass schief läuft oder anders als geplant, darauf reagieren die Beteiligten mit Wut und Frust. Das führt zu einem Tunnelblick. Treten Sie einen Schritt zur Seite und fragen Sie sich: Was war der Auslöser? Steckt dahinter vielleicht ein ganz anderer Konflikt?

  • Versetzen Sie sich in die Lage des Chefs.

    In Momenten, in denen man wütend auf eine Person ist, fällt es einem schwer, sich in deren Situation hineinzuversetzen. Man fühlt sich ungerecht behandelt und will die andere Seite gar nicht sehen. Doch ein solches Verhalten verhindert, dass man Verständnis für das Gegenüber entwickelt. Ihr Chef hat überreagiert aus Gründen, die Sie noch nicht kennen. Vielleicht erhält er Druck von oben und vom Kunden und musste seinem Ärger mal Luft machen. Sicher, professionell ist das nicht, aber menschlich.

  • Schildern Sie Ihre Sicht der Dinge.

    Wenn Sie antworten, reden Sie ruhig und langsam. Versuchen Sie durch Ihre Sprache und Stimme auch Ihr Gegenüber zu beruhigen. Sagen Sie aber bitte niemals, dass sich der andere beruhigen soll. Er fühlt sich sonst gegängelt. Wirken Sie allein indirekt auf ihn ein, durch Ihr souveränes Vorbild. Und vermeiden Sie lange Schachtelsätze, kurze einfache Hauptsätze genügen. Mehr wird der Wüterich eh nicht verstehen.

  • Holen Sie sich Rat von einem Kollegen.

    Sprechen Sie mit einem Kollegen, zu dem Sie einen guten Draht haben, über die Situation. Dieser hat den Streit von außen betrachtet und kann Ihnen Input geben. Auf keinen Fall sollten Sie die Sache jedoch im gesamten Team breittreten. Beim Kaffee zusammenzustehen und sich über den Chef auszulassen, ist nur schädlich. Aus zwei Gründen: Erstens wird er es wahrscheinlich mitbekommen und das vergrößert seinen Ärger und zweitens verhindert es, dass Sie Empathie für seine Situation entwickeln, weil Ihre Kollegen Ihnen Ihre Sichtweise bestätigen.

  • Suchen Sie das Gespräch.

    Es gab eine Auseinandersetzung und Ihr Chef wurde lauter. Nach so einer Situation ist die Versuchung groß, dem Chef aus dem Weg zu gehen und den Konflikt zu ignorieren. Doch damit riskieren Sie, dass der Konflikt eskaliert und zu einem Dauerzustand wird, der Sie all Ihre Zeit und Energie kostet. Sobald Sie das Gefühl haben, dass Ihre Wut über das Verhalten Ihres Chefs abgeklungen ist und Sie gefasst über die Sache sprechen können, gehen Sie auf Ihren Chef zu. Warten Sie nicht, bis Ihr Chef den ersten Schritt macht, denn in der Regel wird er das nicht tun.

  • Sprechen Sie gemeinsam über den Streit.

    Mit einer offenen Kommunikation können Sie den Konflikt lösen. Verzichten Sie auf Vorwürfe und Angriffe. Schildern Sie einfach, wie Sie die Situation wahrgenommen haben, was Sie gestört hat und wie Sie die Reaktion Ihres Chefs empfunden haben. Erfragen Sie danach die Sichtweise Ihres Chefs. Wichtig ist, dass Sie sich gegenseitig zuhören und nicht unterbrechen. Auch wenn die Wahrnehmungen an einer bestimmten Stelle auseinander gehen, akzeptieren Sie das.

  • Werden Sie nicht persönlich.

    Sollte sich das Gespräch mit Ihrem Chef zu einer hitzigen Diskussion entwickeln, achten Sie unbedingt darauf, nicht unverschämt oder persönlich zu werden. Vermeiden Sie es den Streit zu verallgemeinern. Es geht darum, über das aktuelle Problem zu sprechen und nicht über alles, was bislang schief gelaufen ist oder über die Dinge, die Sie an Ihrem Chef nerven.

  • Finden Sie einen gemeinsamen Nenner.

    Wichtig ist, dass Sie am Ende des Gesprächs eine Basis für die weitere Zusammenarbeit finden. Sie kennen nun die Sichtweise des jeweils anderen und wissen, was den Konflikt ausgelöst hat. Nun geht es darum, sich darauf zu einigen, wie künftig mit einer ähnlichen Situation umgegangen werden soll. Was ist Ihrem Chef dabei wichtig? Will er beispielsweise rechtzeitig informiert werden, wenn Sie merken, dass Sie eine Deadline nicht halten können? Was ist Ihnen wichtig? Idealerweise gehen Sie so auseinander, dass keiner mehr Groll für den anderen hegt.

Drei Tipps, um sich nach einem Streit zu beruhigen:

  1. Lächeln Sie.

    Klingt vielleicht seltsam, funktioniert jedoch wunderbar: Wenn Sie sich gerade furchtbar aufregen und Sie am liebsten losschimpfen würden... lächeln Sie. Ja, setzen Sie ganz bewusst ein Lächeln auf und grinsen Sie sich idealerweise im Spiegel an. Fühlt sich zunächst vielleicht komisch an, doch nach wenigen Minuten werden Sie über sich selbst lachen müssen und Ihr Ärger verraucht.

  2. Freuen Sie sich.

    Dieser Tipp klingt vermutlich noch seltsamer als der erste, funktioniert jedoch ebenso. Wenn Sie merken, dass Sie drauf und dran sind, sich so richtig aufzuregen, werfen Sie einen Blick auf den vor Ihnen liegenden Tag. Konzentrieren Sie sich dabei vor allem auf die noch anstehenden schönen Ereignisse und Aktivitäten, stellen Sie sich diese möglichst plastisch vor und genießen Sie die Vorfreude. Ihr Ärger hat dagegen keine Chance.

  3. Schreiben Sie.

    Bei schwelenden Konflikten kann es sinnvoll sein, sich den ganzen Frust von der Seele zu schreiben. Vielleicht machen Sie daraus sogar einen Brief an Ihren Streitpartner und geigen ihm darin mal so richtig die Meinung. Sie werden sehen, der Prozess des Schreibens befreit und beruhigt ungemein. Den fertigen Text oder Brief stellen Sie dem Adressaten aber bitte nie zu, sonst dürfte es um Ihre neu gefundene Ruhe geschehen sein.

Kritik am Chef: Vorsicht vor dem "Mein-Chef-ist-doof-Syndrom"

Daumenhochrunter-BewertungWas denken Sie über Ihren Chef? Halten Sie ihn für einen Idioten? Diese Geisteshaltung ist gefährlich. Natürlich begegnet man im Berufsleben immer wieder Menschen, die Murks machen und schlechte Einfälle haben. Womöglich ist so jemand sogar der eigene Chef. Ihn deswegen spontan für einen unfähigen Nichtskönner halten, ist zwar menschlich verständlich, spricht aber gegen Sie.

Mag der Alle-sind-doof-außer-mir-Blickwinkel noch so realistisch sein: Wer so denkt, betrachtet sich irgendwann als edles Opfer einer Mischpoke aus Versagern. Solche Menschen werden unfähig, den Wert anderer mit all ihren Macken und Fehlern anzuerkennen – ganz besonders, wenn diese hierarchisch über ihnen stehen.

Klassische Fehler bei der Kritik am Chef:

  • Bestürmen

    Reinkommen, Zettel zücken und dem Boss 37 Vorwürfe à la "Warum haben Sie nicht...?!" vor die Füße kübeln. Das macht jeden Gesprächspartner aggressiv. Höchste Abfuhrgefahr!

  • Lamentieren

    Wer unzufrieden ist, sollte sich vor der Aussprache wenigstens die Mühe machen, seiner Kritik konkrete Konturen zu geben - möglichst konstruktive: "Was halten Sie stattdessen von...?" Allgemeines Rumnörgeln disqualifiziert, ein überlegter Auftritt dagegen vermittelt Souveränität und Qualitätsstreben: Sie wollen nicht anders, sondern besser.

  • Moralisieren

    Wer mit moralinsauerer Miene aufläuft, darf sich nicht wundern, wenn auch der andere eine Fluppe zieht. Sind die Argumente gut, ist Moral nicht nötig. Sind sie es nicht, helfen Appelle, Adjektive und Bewertungen auch nicht weiter. Sätze wie "Ich bin nicht der einzige, der das so sieht..." gehen immer nach hinten los. Ein kluger Chef fragt jetzt nach Namen - und dann werden Sie entweder zur Petze oder ihr Argument verpufft.

  • Erpressen

    Ist die dümmste denkbare Variante. Die kommt immer als Bumerang zurück: Wer etwa mit Kündigung droht oder Dienst nach Vorschrift in Aussicht stellt, sägt am eigenen Bürostuhl.

  • Triumphieren

    Sollte der Boss einlenken, ist plumpe Vertraulichkeit ebenso tabu wie Ironie oder Sarkasmus. Nur weil Sie ihn überzeugt haben, ist das noch lange kein Grund, sich im Sessel zurückzulehnen und überlegen zu grinsen.

Konfliktmanagement: So hört Ihnen der Chef zu

  • Perspektive wechseln

    Beim Schach gewinnt auch derjenige, der voraus denkt. Wer sich entsprechend vorab in die Lage des Chefs versetzt, baut nicht nur Ärger ab, sondern findet oft Erklärungen für die Debatte. Genauso hilfreich: Der Dialog mit Kollegen.

  • Atmosphäre schaffen

    Der Beginn ist entscheidend – für Sie! Bemühen Sie sich um eine sachorientierte Ebene: "Sie sehen das so, ich sehe das so. Wie kommen wir da zusammen?" Auch nonverbale Faktoren – wie Kopfnicken oder Blickkontakt – zählen. Behalten Sie sich aber auch ein Quäntchen Selbstbewusstsein: Sollte der Chef ständig Telefonate annehmen, hilft nur der Hinweis: "Wenn es Ihnen jetzt nicht passt, können wir auch einen neuen Termin finden."

  • Emotionen unterdrücken

    Ihr Chef reagiert anders als erwartet - und nicht in Ihrem Sinne? Dann bleiben Sie erst recht sachlich und bewahren Sie Ruhe. Fragen Sie lieber noch einmal nach den Hintergründen und Argumenten des Vorgesetzten. Allerdings nicht so, dass es wie ein Verhör klingt. Er soll sich nicht rechtfertigen müssen, das wäre unhöflich und respektlos. Aber es ist Ihr gutes Recht, ihn verstehen zu wollen, schließlich sollen Sie danach später handeln. Womöglich gibt es zwischen Ihnen beiden auch nur Missverständnisse statt handfester Meinungsverschiedenheiten.

  • Argumente finden

    Zeigen Sie bei Ihrer Kritik stets, dass Sie das Wohl des Unternehmens im Blick behalten. Je konkreter die Punkte vorgebracht werden und je ruhiger der Ton dabei bleibt, desto offener die Ohren beim Gegenüber. "Was ich Ihnen schon immer einmal sagen wollte..." gehört nicht gerade zu den Highlights der Kritikkunst. Wer den Häuptling dagegen ausreden lässt, obwohl seine Lamentis jedem vernunftbegabten Menschen Pickel ins Gesicht treiben, bekommt eine Taktikmedaille.

Konflikten vorbeugen durch regelmäßige Aussprachen

Für die Karriere ist die Beziehung zum Chef entscheidend. Wer einen guten Draht zum Chef hat, dem fällt es leichter, die Karriereleiter empor zu klettern. Förderlicher für Ihre Karriere und leichter für Ihren Arbeitsalltag ist es jedoch, den Chef zum Verbündeten zu machen. Regelmäßige Aussprachen und Feedbackgespräche können dabei helfen. Tipps für das 1:1 Gespräch mit dem Chef:

  • Rhythmus

    Die erste Empfehlung ist zugleich die mit größter Wirkung und eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Führungskräfte. Eigentlich. - Versuchen Sie regelmäßig solche 1:1 Meetings mit Ihrem Chef zu haben. Einmal im Monat sollte er sich Zeit für Sie nehmen. Zugegeben, nicht alle Chefs wollen und können das - je nachdem wie groß das Team ist. Aber auch wenn die Frequenz variiert: ein regelmäßiger und konstruktiver Austausch hilft beiden Seiten und verbessert Klima und Leistung enorm.

  • Agenda

    Bereiten Sie eine Agenda vor - die meisten Vorgesetzten machen das nicht. Leider. Das mag auch daran liegen, dass Sie das als Ihr Meeting also auch Ihren Job ansehen. Aber sehen Sie das positiv: Wenn Sie die Agenda setzen können, bestimmen Sie auch Inhalte und Schwerpunkte.

    Extra-Tipp: Mailen Sie ihm die Agenda vorab und bringen Sie auch eine Kopie mit. Da muss ja nicht viel draufstehen, aber es unterstreicht noch einmal Ihre gute Organisation und Vorbereitung. Vom praktischen Standpunkt aus können Sie in so einer Agenda auch Platz für Notizen lassen. Dann wird es eine Art Protokoll.

  • Feedback

    Halten Sie Ihren Boss auf dem Laufenden. Gleich am Anfang des Meetings sollten Sie ihm kurz (!) einen Zwischenstand präsentieren: Was machen Sie gerade? Wie ist der status quo? Was sind die nächsten Schritte? Chefs mögen das - und es gibt Ihnen die Chance, noch mal ein paar Leistungen und Erfolge zu referieren. Wenn Sie es nicht machen, wer dann? Ein bisschen klappern gehört nun mal zum Geschäft.

  • Lösungen

    Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, aber viele Mitarbeiter vergessen das: Wenn Sie ein Problem mitbringen, bringen Sie stets auch mindestens einen Lösungsvorschlag dazu. Wenn Sie eine Entscheidung benötigen, dann geben Sie wenigstens zwei Wahloptionen Ihrem Chef vor. Ja, das klingt ein bisschen wie aus dem Abreißkalender, aber es ist wahr: Wer mit offenbar unfertigen Gedanken und völlig ratlos ins Chefzimmer schneit, degradiert sich selbst zum unselbstständigen Befehlsempfänger. Und wie sieht das auch aus? Sie wollen sich doch als Leistungsträger empfehlen und einen cleveren Eindruck machen. Dann machen Sie zumindest Vorschläge - auch bei Konflikten zwischen Ihnen beiden. Noch mal Abreißkalender: Entweder Sie sind Teil des Problems oder Teil der Lösung.

  • Priorisieren

    Apropos selbstständig: Aus dem selben Grund sollten Sie Ihren Chef auch nie bitten, Ihre Arbeit zu priorisieren, Motto: Was soll ich als Nächstes tun? Das ist Ihr Job! Falls Sie zu viele Aufgaben haben, um Sie in der erforderlichen Zeit bewältigen zu können, machen Sie wieder Vorschläge, wie Sie das Problem lösen - auch mit Hinweis auf mögliche Konsequenzen. In der Agenda können Sie ein Liste Ihrer bereits priorisierten Projekte aufführen und im Meeting darüber diskutieren, Motto: "So würde ich das machen, dann wir Projekt X oder Kunde Y allerdings eine Woche warten müssen. Oder wir fragen Müller, ob er das übernehmen kann..."

  • Verantwortung

    Gehen wir mal davon aus, dass Sie weniger gute Nachrichten zu überbringen haben oder aber dass der Konfliktfall schon eingetreten ist. Dann ist es enorm wichtig Verantwortung zu übernehmen (im Zweifel auch sich zu entschuldigen). Das ist nicht gleichbedeutend mit Schuld. Die Schuldfrage ist sowieso nie konstruktiv, denn sie blickt nach hinten - und passiert ist es ja schon. Blicken Sie also nach vorne. Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf andere oder Umstände (es sei denn Sie haben Spaß am Mikromanagement), sondern packen Sie das Problem an. Siehe oben: Entweder Sie sind Teil des Problems oder... na, Sie wissen schon.

  • Attitüde

    Egal, was der Anlass des Gesprächs - erscheinen Sie stets mit einer positiven Haltung. Gewiss, einige werden jetzt einwenden, es sei die Aufgabe des Chefs, sie zu motivieren oder für eine professionelle und positive Atmosphäre zu sorgen. Richtig. Aber das entbindet Sie nicht davon, es selbst besser zu machen. Zumal: Wozu sind Sie in dieses Meeting gegangen, was ist Ihr Ziel? Wenn Sie dem Boss nur beweisen wollen, wie schlecht er sich als Führungskraft macht, dann werden das sehr kurze und ineffektive Meetings. Beweisen Sie lieber Ihre Professionalität und Souveränität und erreichen Sie Ihre Ziele. Viel wichtiger ist, Ihren Vorgesetzten wissen zu lassen, was Sie benötigen, um (noch) erfolgreicher zu werden und Ihren Job besser zu machen. Das wissen Chefs in der Regel nicht, es sei denn, sie sind medial veranlagt. Und das beste Argument haben Sie ohnehin auf Ihrer Seite: Ihr Erfolg ist auch sein Erfolg...

  • Beurteilung

    Von Zeit zu Zeit, nicht unbedingt in jedem Meeting, sollten Sie den Chef bitten, Sie einzuschätzen und Ihnen ein Feedback zu geben, wie er Sie und Ihre Arbeit sieht - insbesondere, wenn er sich davor drückt. Dann bitte einfordern! Das hat zweierlei Gründe: Sie können sich verbessern - und falls es mal zu Streit kommt, kann er nicht behaupten, Sie würden das schon immer falsch machen. Schließlich hatte er seine Chancen, Sie darauf hinzuweisen.

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