Konkurrenzdenken: Im Wettbewerb mit anderen
Wir konkurrieren ständig. Im Kindergarten wollen wir uns gegen die anderen durchsetzen, wir streben danach, die besseren Noten zu haben, wollen im Sport schneller sein, weiter springen, besser werfen und auch als Erwachsener mehr verdienen, besser wohnen oder das schnellere Auto fahren. Kurz gesagt: Wir sind immer im Wettbewerb mit anderen - ob wir nun wollen oder nicht. Dieses Konkurrenzdenken kann zu egoistischem Handeln führen, das nur darauf bedacht ist, die eigene Position zu stärken. Gleichzeitig kann der Wettbewerb zu unseren Mitmenschen aber auch für mehr Glück und Wohlbefinden sorgen...

Konkurrenzdenken: Wir wollen besser sein als andere!

Dooder/shutterstock.comKennen Sie den Spruch: Um einem Bären zu entkommen, muss man nicht schneller sein als der Bär - sondern nur schneller als der Freund? Diese mit einer kleinen Portion Humor versehene Redensart beschreibt sehr pointiert den Kerngedanken des Konkurrenzdenkens. Es geht nicht darum, eine Fähigkeit zu perfektionieren oder ein Talent auszubauen. Letztlich geht es nur noch darum, besser zu sein, als die anderen.

Selbst wenn noch Luft nach oben besteht, die eigenen Grenzen noch nicht erreicht sind oder Sie im Beispiel mit dem Bären noch deutlich schneller laufen könnten, kommt es nur darauf an, die anderen abzuhängen und selbst an der Spitze zu sein. Dafür sind wir sogar bereit, das Wohlergehen unserer Mitmenschen hinten an zu stellen und Sie falls nötig auch einem 500 Kilogramm schweren hungrigen Bären zu opfern.

Wie egoistisch Menschen entscheiden, wenn es um Wettbewerb und die eigene Position darin geht, zeigt ein eindrucksvolles Experiment der Harvard School of Public Health. Dabei wurden die Teilnehmer vor eine Wahl gestellt: Würden sie lieber in einer Welt leben, in der das Durchschnittseinkommen bei 25.000 Dollar liegt und sie selbst 50.000 Dollar verdienen - oder in einer Welt, in der sie 100.000 Dollar verdienen, das durchschnittliche Gehalt aber bei 200.000 Dollar liegt?

Die Hälfte der Teilnehmer gab an, lieber in einer Welt mit geringem Einkommen zu leben, solange sie selbst besser gestellt sind als die anderen. Anders ausgedrückt: Wir sind bereit, auf einen Vorteil für alle Beteiligten - inklusive uns selbst - zu verzichten, wenn wir uns dadurch im Wettbewerb mit anderen Menschen besser stellen können.

Das Ergebnis der Studie zeigt auch, dass die Mehrheit der Teilnehmer nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist, wenn es um Intelligenz, Schönheit oder auch das Lob von Vorgesetzten geht. In der Praxis würde das bedeuten, dass die Menschen bereit sind, lieber gänzlich auf den Zuspruch des Chefs zu verzichten, als die netten Worte zu empfangen und zu sehen, wie ein anderer Kollege ein noch dickeres Lob erhält.

Doch wie kann es sein, dass Konkurrenzdenken den absoluten allgemeinen Vorteil ignoriert und nur den eigenen Nutzen sieht?

Konkurrenzdenken erreicht seinen Höhepunkt mit 50

Schon in der Kindheit fängt es an, dass sich Männer miteinander messen und vergleichen: "Mein Lego-Raumschiff ist cooler." "Dafür hat meins mehr Laser!" "Dafür bin ich größer." Nach der Adoleszenz und mit dem Führerschein geht das auf der Straße weiter. Und mit zunehmender Reife (wenn man das überhaupt so nennen kann), wird daraus: "Mein Haus, mein Auto, mein Bott, meine Frau, mein Job, mein..." Kurzum: Dieser Schwanzvergleich, wie die männliche Attitüde umgangssprachlich auch genannt wird, hört nie auf. Oder doch?

Es gibt Hoffnung, sagen einige Wissenschaftler um Ulrich Mayr von der Universität von Oregon. Laut ihren Studien steige die Lust am Wettkampf und Kräftemessen mit zunehmendem Alter zwar an - im Alter von 50 Jahren erreiche das Konkurrenzdenken aber seinen Höhepunkt und nehme danach deutlich ab.

Für ihre Untersuchungen pilgerten die Forscher unter anderem in ein großes Einkaufszentrum. Insgesamt nahmen 543 Freiwillige im Alter zwischen 25 und 75 Jahren an den Experimenten dort teil - Männer wie Frauen. Dabei wurden sie gebeten ein paar Matheaufgaben möglichst schnell zu lösen, etwa: wahr oder falsch: 7 + 2 + 3 - 6 = 5? Dabei konnten sie mit jeder Runde Punkte sammeln und am Ende Preise gewinnen.

Der Trick war: Es gab unterschiedliche Arten von Runden:

  • In der ersten spielten die Probanden lediglich gegen sich selbst und die Zeit.
  • In der Zweiten mussten sie einen zufällig ausgewählten Rivalen besiegen.
  • In der dritten, entscheidenden Runde hatten sie die Wahl, ob sie noch einmal gegen die Zeit oder einen Konkurrenten spielen wollen.

Wie sie in den ersten beiden Runden abgeschnitten hatten, wussten sie zu dem Zeitpunkt allerdings nicht, das verrieten die Wissenschaftler erst am Ende aller drei Durchgänge. Eine wichtige Prämisse, um strategisches Optieren auszuschließen.

Das Resultat ist wirklich verblüffend: Die Probandinnen entschieden sich mit 35 Prozent deutlich seltener für den persönlichen Wettkampf als die Männer mit 73 Prozent. Ebenso gab es klare Altersunterschiede bei beiden Geschlechtern: Nahezu 70 Prozent der Männer zwischen 45 und 54 wollten gegen andere spielen, aber nur 50 Prozent der Probanden zwischen 25 und 34 Jahren.

Konkurrenzdenken: Der Wettbewerb soll uns glücklich machen

Dooder/shutterstock.comAuf den ersten Blick scheint das Verhalten vollkommen irrational zu sein. Und ganz falsch ist dieser Gedanke nicht, denn hinter dem Verhalten stehen keine logischen Gedanken und rationalen Erklärungen, sondern eine Emotion - Glück.

Es geht aber nicht einfach darum, dass mehr Geld zu größerer Zufriedenheit mit dem eigenen Leben führt.

Diesen Zusammenhang entdeckte der Ökonom Richard Easterlin bereits vor über 40 Jahren. Er konnte in mehreren Studien zeigen, dass Menschen eben nicht glücklicher werden, wenn der Wohlstand eines ganzen Landes wächst. Um noch einmal zum obigen Beispiel zurückzukehren: Für das eigene Befinden macht es keinen Unterschied, ob ich 50.000 Dollar oder 100.000 verdiene - es kommt nur auf die Relation zu den Einkünften der anderen an.

Genau das ist der Motor der der Konkurrenz und des Wettbewerbs: Manchmal scheint es zwar, als würden viele Menschen nur nach Geld streben, doch dahinter steht der Wunsch nach einem glücklichen und zufriedenen Leben.

Frauen meiden Jobs mit viel Wettbewerb

Konkurrenz belebt zwar das Geschäft. Doch wenn es darum geht, mehr Frauen einzustellen, dann schreckt Wettbewerb diese eher ab. Kurz: Frauen meiden Jobs, in denen starkes Konkurrenzdenken herrscht – erst recht, wenn der Wettbewerb die Höhe des Gehalts beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Chicago.

Die Forscher schalteten dazu ein paar Stellenanzeigen in 16 größeren Metropolen der USA - alle neutral gehalten, sie enthielten also die üblichen Stellenbeschreibungen und Anforderungen.

Später dann im Bewerbungsgespräch erfuhren die Kandidaten allerdings die genaueren Bedingungen:

  • Der einen Gruppe wurde erzählt, sie erhalten eine Bezahlung von 15 Dollar die Stunde.
  • Die zweite Bewerbergruppe wurde das Honorar auf 13,50 Dollar gekürzt – dafür würden Mitarbeiter, die im Vergleich zu ihren Kollegen besonders gut abschnitten, einen Bonus von zusätzlich drei Dollar pro Stunde erhalten.
  • Ein drittes Angebot sah gar einen Stundenlohn von nur zwölf Dollar vor – bei einem Bonus von sechs Dollar.

Von den insgesamt 6779 Kandidaten, die sich auf die Stellen bewarben, waren 2702 tatsächlich bereit, den Job anzunehmen, davon 1566 Frauen und 1136 Männer. Allerdings waren die Männer zu 94 Prozent eher bereit, die Boni-Jobs zu übernehmen als die Frauen. Die lehnten die Angebote mehrheitlich ab, wenn sie individuell mit Kollegen konkurrieren sollten.

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