Antworten Sie bitte ganz spontan: Wie viele Firmen kennen Sie, die Social Media gar nicht nutzen? Wenn es Ihnen so geht wie mir, sind das nicht all zu viele, mir fällt beispielsweise kein einziges Unternehmen ein. Wirklich überraschend ist das nicht, denn eine eigene Facebook-Präsenz oder ein eigenes Twitter-Konto ist für viele Firmen inzwischen obligatorisch, von der Firmen-Homepage ganz zu schweigen. Grundsätzlich ist der Einsatz von Social Media für Unternehmen sinnvoll, dass zeigen wir auch auf der Karrierebibel in einer Vielzahl von Artikeln.

Das Einsatzgebiet reicht von Werbung, über die Kundenkommunikation bis hin zu kollaborativem Arbeiten in Abteilungen oder Teams. Doch Unternehmen sollten sich nicht blindlings auf Social Media stürzen und einfach alles umsetzen, was möglich ist.

Social Media – ganz oder gar nicht

Okay, das eine Webseite für die Präsentation eines Unternehmens sinnvoll ist, muss nicht mehr diskutiert werden. Doch schon beim Unternehmensblog ist es nicht mehr ganz so klar. Grundsätzlich ist ein gut geführtes Blog – meiner Meinung nach – für jedes Unternehmen eine wichtige Präsentations- und Kommunikationsplattform. Die Betonung liegt dabei jedoch auf “gut geführt”, denn wenn ein Blog einfach nur vor sich hin dümpelt und nur alle vier bis fünf Wochen ein lustlos geschriebenes Beitrag erscheint, ist das auch eine Art der Unternehmenspräsentation – nur eben eine negative. Der gleiche Ansatz gilt natürlich auch für Facebook, Twitter oder Google+. Egal welchen Kanal Sie nutzen, er muss aktiv gepflegt werden.

Kunden fragen – und Sie müssen antworten

Das gilt ganz besonders für Fragen oder Kommentar von Kunden. Auf der Facebook-Fanpage eines Unternehmens sollten Sie beispielsweise innerhalb von 24 Stunden auf Kundenanfragen reagieren, bei einer Kontaktaufnahme via Twitter ist die Erwartungshaltung noch höher. Doch auch auf klassische Kommentare auf dem Unternehmensblog sollte reagiert werden. Das gilt übrigens auch dann, wenn Kommentare keine Fragen beinhalten. Und wenn es sich bei Ihrer Reaktion um ein schlichtes “Danke” handelt, es zeigt Wertschätzung und signalisiert dem Kunden, dass seine Meinung wahrgenommen wird. Das alles sollte selbstverständlich sein, das Problem ist nur: Viele Firmen unterschätzen den Zeitaufwand, den eine aktiv gepflegte Social Media Präsenz braucht. Deswegen: Lieber weniger Kanäle, diese dafür aktiv nutzen.

Öffentlichkeitsarbeiter – Wer schreibt denn da?

Apropos aktive Pflege von Social Media Kanälen, ohne qualifizierte Mitarbeiter läuft hier gar nichts. Die Qualifikation besteht allerdings nicht nur aus einer Affinität zu Social Media, sondern vor allem auf das Verständnis der Unternehmenskultur. Denn nur wenn die Mitarbeiter wissen, welche Philosophie das Unternehmen verfolgt und wie sie diese am besten kommunizieren, wirkt der Social Media Auftritt authentisch. Auch wenn die Berufsbezeichnung Social Media Manager und Community Manager oft eher missbraucht werden, gute Mitarbeiter, die diese Rollen wirklich ausfüllen, sind enorm wichtig für eine funktionierende Kommunikation und Darstellung des Unternehmens nach außen und innen.

Die Kommunikation wird dabei gerne mal vergessen, dabei ist sie mindestens ebenso wichtig, wie die Außendarstellung. Denn die meisten Mitarbeiter nutzen zwar privat soziale Netzwerke, sind jedoch oft skeptisch, wenn ihr Arbeitgeber auch damit beginnt. Daher ist es sehr wichtig, die neuen Kanäle und deren Zielsetzung klar zu kommunizieren.

Die Zielgruppe – Wer liest das überhaupt?

Natürlich sollten sich Firmen auch die Frage stellen, ob Sie Ihre Zielgruppe mit einem Kommunikationskanal überhaupt erreichen. Firmen, die ganz gezielt Fachpublikum ansprechen, müssen nicht zwangsläufig auf Facebook vertreten sein. Hier können Netzwerke wie Xing oder Linkedin oder auch Fachforen für diese Branche die deutlich sinnvolleren Kanäle sein. Sucht ein Unternehmen neue Mitarbeiter, so ist je nach Branche Facebook oder Xing die bessere Wahl für das Recruiting. Ein Google+-Konto macht in Deutschland beispielsweise für Firmen Sinn, die in der Werbe- oder Medienbranche aktiv sind. Ein Modeunternehmen wird aktuell jedoch noch keinen spürbaren Nutzen von einer Präsenz auf Google+ haben.

Datenschutz versus Kommunikation?

In der Praxis spielen die bisher genannten Faktoren – gerade bei deutschen Unternehmen – eine eher untergeordnete Rolle. Die bange Frage lautet bei vielen Firmen sinngemäß eher: “Und was ist mit dem Datenschutz?” Gut, werden Soziale Netzwerke für die Kommunikation in Teams oder Abteilungen eingesetzt, ist die Frage berechtigt. Hier müssen klare Grenzen gezogen werden, unternehmensinterne Informationen sollten auch nur innerhalb der Unternehmensinfrastruktur ausgetauscht werden. Doch bei der Kommunikation über Facebook, Twitter oder ein Blog gebe ich den Unternehmen drei Grundsätze mit, die – richtig umgesetzt – das Problem lösen.

  1. Halten Sie sich an die Datenschutzbestimmungen des verwendeten Dienstes.
  2. Kommunizieren Sie Ihren Kunden und Besuchern glasklar, welche Daten erhoben werden und wozu diese genutzt werden.
  3. Kommunizieren Sie nur Informationen, die sie auch problemlos in einer Zeitung oder im Fernsehen veröffentlichen würden.

Sicher, der erste Punkt ist nicht so einfach wie er klingt, das haben die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Facebook und deutschen Datenschützern gezeigt. Doch wenn alle drei Punkte umgesetzt werden, ist der Datenschutz meines Erachtens nach gewährleistet. Umgekehrt gilt natürlich ebenso: Können diese Kriterien – aus welchen Gründen auch immer – nicht erfüllt werden, sollte das Unternehmen die entsprechende Plattform nicht nutzen.