Die Daimler AG wendet sich immer mehr der Kommunikation im Internet zu. Neuerdings werden die Mitarbeiter sogar dazu ermutigt, sich an Online-Diskussionen zu beteiligen: Jörg Howe, Leiter Unternehmenskommunikation schreibt dazu in einem internen Social Media Leitfaden, der Karrierebibel exklusiv vorliegt:
Die wachsende Beliebtheit von Social Media ist auch für Unternehmen von großer Bedeutung: Nutzer sprechen im Internet über Firmen, diskutieren über neue Technologien und empfehlen Produkte – oder eben nicht. Wer diese Diskussionsplattformen ignoriert, der ignoriert auch einen äußerst wirksamen Kommunikationskanal. Social Media Engagement kann helfen, Trends frühzeitig zu erkennen, auf Kritik zu reagieren oder eigene Themen anzustoßen. Und wer könnte das Unternehmen und seine Vielfalt in der Öffentlichkeit besser darstellen als die Mitarbeiter? Mit Ihrem Expertenwissen können Sie Diskussionen im Internet bereichern oder nützliche Anregungen für Ihre Arbeit finden. Es ist daher im Interesse der Daimler AG, Ihr Engagement im Bereich Social Media zu fördern.
Howe mahnt in dem Zusammenhang aber auch, dass das Unternehmen immer wieder feststelle, dass es im Umgang mit diesen Kommunikationsformen „noch viele Unsicherheiten gibt“. Um die Mitarbeiter über die Möglichkeiten und Risiken der beruflichen Nutzung zu informieren, hat er deshalb einen 10-Punkte-Plan erstellt, der „ausdrücklich“ keine Gebote enthält, sondern „Empfehlungen“ und Hilfen beim Umgang mit Social Media. Und so sieht er aus:
10 Tipps zum Umgang mit Social Media
- Es geht immer um Konversation. Wenn Sie Social Media nur für Einbahnstraßenkommunikation nutzen, reden Sie bald gegen eine Wand. Nur wer aktiv das Gespräch sucht, sich in Diskussionen zu Wort meldet und auf Fragen antwortet wird im Web 2.0 ernst genommen.
- Achten Sie auf Qualität. Es ist einfach, im Internet schnell und viel Aufmerksamkeit zu erhalten. Langfristige, intensive und wertvolle Konversationen lassen sich aber nur mit qualitativ hochwerti-gen Inhalten anstoßen bzw. bereichern.
- Seien Sie ehrlich. Lügen haben im Internet besonders kurze Beine. Informationen sind im Netz sofort nachprüfbar. Falschaussagen oder oft auch nur Weglassungen werden umgehend aufge-deckt und schaden Ihrer Glaubwürdigkeit.
- Bleiben Sie höflich. Eine Konversation kann nur wertvoll sein, wenn sich alle Beteiligten respekt-voll begegnen. Vermeiden Sie Provokationen und Beleidigungen und brechen Sie Gespräche ab, wenn der Gesprächspartner beleidigend wird.
- Achten Sie das Gesetz. Veröffentlichen Sie keine verleumderischen, beleidigenden oder ander-weitig rechtswidrigen Inhalte. Stellen Sie keine Inhalte ohne entsprechende Urheberverweise ins Netz und beachten Sie Copyrights. Respektieren Sie das Recht am eigenen Bild. Halten Sie unter-nehmensbezogene Informationen geheim, die sich auf den Börsenpreis von Daimler-Wertpapieren auswirken könnten. Solange Sie Zugang zu solchen öffentlich nicht bekannten Informationen ha-ben, dürfen Sie keinem anderen den Kauf oder Verkauf von Daimler-Wertpapieren empfehlen oder andere Personen in sonstiger Weise dazu verleiten.
- Berichtigen Sie eigene Fehler. Viele Nutzer im Web 2.0 sind schnell verärgert, verzeihen aber auch rasch. Geben Sie eigene Fehler zu und berichtigen Sie diese. Es empfiehlt sich, diese Ände-rungen so vorzunehmen, dass sie nachvollziehbar sind, um Missverständnisse oder Irritationen zu vermeiden.
- Seien Sie auch als Privatperson professionell. Auch wenn Sie Social Media „nur“ privat nutzen, kann es vorkommen, dass Sie auf berufliche Kontakte stoßen oder mit Fragen aus Ihrem Beruf konfrontiert werden. Dann ist es gut, wenn Ihnen Privates nicht peinlich sein muss.
- Legen Sie Ihre Quellen offen. Das zeugt von Respekt dem Urheber gegenüber und Sie gewinnen an Glaubwürdigkeit. Seien Sie sorgsam im Umgang mit Firmeninformationen! Sie dürfen bei-spielsweise keine vertraulichen Informationen verbreiten, die Sie im Rahmen Ihrer Anstellung er-halten (siehe Punkt 5 und den Hinweis am Ende des Leitfadens).
- Trennen Sie Meinungen und Fakten. Um Missverständnisse zu vermeiden sollten Sie deutlich machen, welche Teile Ihrer Aussagen Meinungen und welche harte Fakten darstellen. Zudem soll-ten Sie darauf hinweisen, ob Sie Ihre persönliche oder die Unternehmensmeinung vertreten.
- Seien Sie ganz Sie selbst. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind die Grundpfeiler sozialer Netze. Verstellen Sie sich nicht, sondern zeigen Sie wer und wie Sie sind. Zur offenen Kommunikation im Web 2.0 zählt auch, dass Sie Ihren Hintergrund offen legen. Wenn Sie für die Daimler AG im Inter-net aktiv sind bzw. deren Interessen vertreten, stehen Sie dazu! Transparenz können Sie bei-spielsweise durch einen Disclosure-Hinweis (Disclaimer) sicherstellen, welcher an den Diskussi-onsbeitrag angehangen wird. Beispiel: Ich arbeite für die Daimler AG im Bereich xxx oder Ich bin Angestellter der Daimler AG, vertrete hier jedoch meine eigene Meinung.
Allerdings fehlt am Ende nicht auch noch der Hinweis auf Einhaltung geltender Rechtsvorschriften, die bereits im Arbeitsvertrag enthalten sind (Code of Conduct) sowie die Richtlinie zum Umgang mit Informationen verbindliche Grenzen. „Das gilt insbesondere für den Umgang mit vertraulichen unternehmens- und personenbezogenen Informationen sowie jedes Verhalten, das Sie einem Interessenkonflikt aussetzen kann“, schreibt Howe.
Trotzdem kann man den Konzern nur beglückwünschen, sich damit nun endlich auch in die Riege der Unternehmen einzureihen, die ernst machen mit Social Media und ihren Mitarbeitern dazu wenigstens ein paar grobe Leitplanken mit auf den Weg geben.







Rebekka
Die Tipps sind wirklich gut !!!
Vor allem weil im Web 2.0 Privates und Berufliches sehr leicht verschmelzen können. Vielen scheint gerade das aber noch nicht bewuust zu sein. Einen interessanten Bericht über Risiken und Konsequenzen für unüberlegtes Auftreten bei Social-Media-Plattformen, kann man HIER lesen.
Till Achinger
Danke für den Hinweis! Eins irritiert mich: “exklusiv”? Unter dem angegebenen Link kann doch jedermann die Policy als pdf herunterladen. Verstehe ich das falsch?
Jochen Mai
Als ich die Richtlinien hatte, waren Sie noch nicht online… daher.
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