6 von Jochen Mai am 10. März 2008 → Artikel in Psychologie

Konversationsstück – Wie man ein gutes Gespräch führt

SprechblaseDUReden, reden, immer nur reden. Es ist ja auch so: Wer heute im Beruf weiterkommen will, braucht vor allem kommunikative Stärken. Die besten Ideen, die meisten Erfahrungen, die höchste Fachkompetenz nutzen nichts, wenn man sein Wissen nicht gut präsentieren kann. Selbst um mit Geschäftspartnern in spe überhaupt ins Gespräch zu kommen, eine angenehme Atmosphäre aufzubauen oder sich einfach nur nett zu unterhalten muss man das beherrschen, was Rhetoriktrainer die Kunst des Smalltalk nennen.

Aber mal ehrlich: Es gibt einen Unterschied zwischen der eleganten Sprezzatura, dem leichten Plaudern, der kunstvollen Präsentation – und echter Konversation. Ersteres ist immer amüsant, hoffentlich sogar lehrreich, aber ein echtes, offenes Gespräch geht wesentlich tiefer und hat wesentlich nachhaltigeren Wert. Nur was macht genau diesen Unterschied zwischen Sprechen und Reden aus?

Es gibt dazu ganz unterschiedliche Auffassungen und noch mehr Ratschläge. Zwei davon aber scheinen mit essenziell:

  1. Die Basis ist immer Vertrauen.
  2. Im Gespräch geht es nicht um Dich.

Bei Smalltalk geht es vielleicht nur um eine Geschäftsbeziehung, ein echtes Gespräch hat jedoch immer die Beziehung im Fokus. Es verbindet zwei Menschen, die nicht nur Ideen austauschen wollen, sondern sich wirklich einander öffnen wollen. Ohne gegenseitiges Vertrauen ist das aber unmöglich. Sonst kratzt die Konversation nur an der Oberfläche.

Damit sich dieses Vertrauen überhaupt entwickeln kann, muss man sich selbst öffnen und bereit sein, dem anderen einen Vertrauensbonus zu schenken. Wer hingegen darauf wartet, dass der andere den ersten Schritt wagt, wird lange warten müssen. Keine Frage: Das macht verletzlich und birgt Gefahren, der andere könnte das Vertrauen schließlich auch missbrauchen. Aber man muss dabei ja nicht sofort all seine Karten offenlegen oder gar einen Seelenstriptease hinlegen – ein erster Schritt, ein kleines Geständnis, eine kleine Schwäche wirken meist schon vertrauensbildend. Nur bitte dabei keine Albernheiten oder Witze. Humor verbindet zwar auch – aber wenn es um eine Vertrauensbasis geht, ist eine erkennbare Ernsthaftigkeit anfangs ein absolutes Muss. Deswegen dürfen Sie natürlich auch mal lachen – nur eben nicht über die Punkte, wo Ihr gegenüber gerade seine Schilde senkt.

Die zweite Regel ist aber noch entscheidender. Es gibt Studien, die zeigen, dass wir Menschen ein Gespräch dann als besonders wertvoll einstufen, wenn wir die meiste Zeit selbst geredet haben – vor allem über uns selbst: unsere Stärken, unsere Erfolge, unsere Arbeit, unsere Genialität. Männer sind darin nahezu unschlagbar – vor allem in Gegenwart von attraktiven Frauen. Aber ist das wirklich inspirierend, ständig sein eigenes Echo zu sein? Oder sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was andere über einen denken?

Empathische Menschen wissen es besser. Einem anderen Menschen wirklich zuzuhören und sich auf seine Gedanken einzulassen, kann enorm bereichernd sein und den eigenen Horizont erweitern.

Zuhören hat aber noch einen weiteren Vorzug: Es ist Nahrung für das Hirn. Unsere grauen Zellen funktionieren wie eine Batterie, die sich durch elektro-neurale Reize aufladen lässt. So hat Giselher Guttmann, Neurologe an der Universität Wien, beobachtet, dass Gehirnströme, beziehungsweise kleinste Schwankungen von bis zu 30 Millionstel Volt, unsere Leistungsfähigkeit beeinflussen. Töne, Klänge und Geräusche senden dieses elektrische Potential bis ins Kleinhirn, das unsere Körperbewegungen sowie den Gleichgewichtssinn kontrolliert. Von dort aus wandern die Impulse bis in das Limbische System, das wiederum Emotionen und die Ausschüttung von Hormonen sowie anderer biochemischer Stoffe steuert. Zuhören kann also unseren gesamten Körper beeinflussen, anregen, anspornen – und das relativ unabhängig vom Inhalt.

Sprechen Sie also weniger über sich, interessieren Sie sich lieber wirklich für den anderen. Und wenn Sie schon etwas von sich preisgeben (etwa, um Vertrauen zu schaffen), dann versuchen Sie damit den anderen zu unterstützen, zu ermutigen – kurz: eine Beziehung zu ihm zu knüpfen. Das alles macht ein Gespräch nicht unbedingt perfekt, womöglich sind Sie, nachdem Sie den anderen besser kennengelernt haben, auch gar nicht mehr an einem Dialog mit Tiefgang interessiert. Womöglich ist Ihr Gegenüber dazu auch gar nicht in der Lage. Falls aber doch, sind die beiden Regeln der beste Weg, ein gutes Gespräch zu führen, das mehr ist als Gerede.

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1. Kommentar

Norbert Glaab
10.03.08 um 10:20 Uhr

Vertrauen bedeudet zuerst sich slber trauen. – Ohne Selbstvertrauen ist kein Ver-Trauen möglich.
Der liebe Gott hat dem Menschen 2 Ohren und einen Mund geben, damit soll er doppelt sowiel zuhören wie sprechen. :-)

2. Kommentar

Menachem
11.03.08 um 05:04 Uhr

Da muss ich an Hesse denken, der in seinem Siddharta schon die Faszination des zuhörens beschrieb.

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