Wie bewirbt man sich heute? Eine klassische Frage, denken Sie. Diesmal aber geht es nicht um richtig oder falsch, gute oder schlechte Formulierungen oder Tipps für Anschreiben, Lebenslauf & Co: Es geht um die Frage, wie die Deutschen derzeit ihre Jobsuche betreiben. Stepstone ist der Frage nachgegangen und hat rund 4.500 Fach- und Führungskräfte zu ihrem Bewerbungsverhalten befragt. Das Ergebnis ist interessant – allerdings mit einer Einschränkung: Befragt wurden die Leute online. Das bedeutet: Wer ausschließlich Printmedien nutzt, taucht dort nicht auf. Das verfälscht das Ergebnis freilich. Aufschlussreich bleibt es dennoch, denn immerhin nutzen rund 70 Prozent der Deutschen bereits das Internet:
- Fast zwei Drittel der Bewerber (64,9 Prozent) bevorzugen Online-Bewerbungen per E-Mail. Nur 23,5 Prozent setzen auf postalische Bewerbungen.
- Nahezu neun von zehn Fach- und Führungskräften (86,8 Prozent) nutzen Online-Stellenbörsen, um dort nach neuen beruflichen Herausforderungen zu suchen.
- 21,9 Prozent der Bewerber verzichten aus Karrieregründen auf eine Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken. Weitere 35,7 Prozent achten darauf, in diesen nicht zu viel von sich preis zu geben.
- Die Jobsuche von Fach- und Führungskräften findet größtenteils in der Woche statt. 74,6 Prozent der Bewerber nutzen Wochentage dafür. Schlussfolgerung: Bewerber warten nicht mehr bis zum Samstag, um Stellenanzeigen in Tageszeitungen zu finden, sondern bestimmen den Zeitpunkt ihrer Jobsuche selbst.
- Rat zum Thema Bewerbung holen sich Kandidaten kaum noch in Buchhandlungen. Die Mehrheit informiert sich diesbezüglich online. 64 Prozent nutzen dazu Online-Jobbörsen, 45,3 Prozent zusätzlich spezielle Bewerbungsportale (zum Beispiel Karrierebibel.de, Anm. d. Red.)
- Individuelle Anschreiben und Lebensläufe stehen bei Bewerbern nicht hoch im Kurs. Nur 46,7 Prozent erstellen individuelle Anschreiben, sogar nur 19.4 Prozent setzen auf segmentierte Lebensläufe.
- 54,7 Prozent der Kandidaten bleiben auch nach einer Zusage weiterhin auf Jobsuche und damit ansprechbar für andere Unternehmen.







Michael
Vielen Dank fuer die Zusammenfassung dieser Studie.
Der Punkt, dass individuelle Anschreiben und Lebenslaeufe nicht hoch im Kurs stehen motiviert mich zu einem Kommentar und einer Bitte an Bewerber.
Wer von dem Empfaenger der Bewerbung eine sorgfaeltige Pruefung erwartet, sollte mindestens genausoviel Sorgfalt auf die Erstellung der Bewerbung verwenden. Ein veralteter Lebenslauf ohne begleitende Worte zur Motivation und die Betonung relevanter Qualifikationen erfuellt dies nicht.
Eine Bewerbung zu erhalten, die Bezug auf die offene Stelle nimmt, wichtige Elemente des Lebenslauf hervorhebt und eine nachvollziehbare Motivation erklaert ist dagegen sehr erfreulich und hilfreich.
Viele Gruesse!
Michael
Daniela
@Michael: Dem kann ich nur zustimmen. Ich kann nicht verstehen, warum Bewerber sich nicht die Mühe machen und ihre Motivation für die Bewerbung im Anschreiben formulieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich durch ein gutes Anschreiben und einen unternehmensspezifischen Lebenslauf mehr Pluspunkte holt. Dann ist es auch nicht nötig ewig viele Bewerbungen zu schicken, wenn man mit wenigen guten den Einstieg schafft.
Ich habe dazu auch schon einen Blogartikel verfasst.
Viele Grüße
Daniela
Peter
Naja, sehr begrenzte Aussagefähigkeit dieser Umfrage. Bei der Stichprobe handelt es sich vermutlich nicht um eine Zufallsstichprobe aus der Grundgesamtheit aller Fach- und Führungskräfte. Und der Initiator dieser Umfrage ist nicht neutral. Nach Online-Stellenanzeigen zu suchen ist mit Abstand die am wenigsten erfolgreiche Suchmethode (danach kommen gleich die klassischen Stellenanzeigen).
Bezeichnenderweise wurden die Antworten auf die eigentlich interessante Frage, nämlich die nach der Erfolgsquote der Online-Bemühungen, nicht veröffentlicht bzw. diese Frage wurde in weiser Voraussicht gar nicht erst gestellt.
Wieviel Prozent eine bestimmte Suchmethode bevorzugen, ist ziemlich unwichtig. Entscheidend ist die Erfolgsquote.
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Ali Schwarzer
Da stimme ich dir aber nicht zu, Peter. Für mich als Personalverantwortlicher wäre es schon wichtig, welche Präferenzen Arbeitssuchende haben. Immerhin will ich sie erreichen können.