Stinken-Stinker-übelrichen-Kollege
Bei den derzeit hohen Sommer-Temperaturen und Hitzegraden von mehr als 30 Grad im Büro kann es schon mal vorkommen: Körpergeruch. Körperausdünstungen sind an sich völlig normal, die körpereigene Klimaanlage reguliert über den Schweiß unsere Temperatur und beugt so einem Hitzschlag vor. Der Geruch, der dabei entsteht, ist allerdings ein unangenehmes Nebenprodukt. Und irgendwie auch ein Tabuthema. Jedenfalls traut sich kaum einer, dem Kollegen oder der Kollegin zu sagen, dass er oder sie unangenehm riecht - freundlich ausgedrückt. Das hat eben nichts mehr mit objektiver Leistungsbeurteilung zu tun, nichts mit sachlicher Kritik – das Urteil "Du stinkst" ist immer persönlich...

Hilfe, mein Kollege stinkt!

Zumindest kommt es bei dem anderen fast immer so an. Daher ist die Aussage "Du stinkst!" - egal, wie watteweich und politisch korrekt verpackt, immer heikel.

In einer repräsentativen GfK-Umfrage gab denn auch mehr als die Hälfte der Befragten an, sich nicht zu trauen, einen Kollegen auf dessen Körpergeruch oder gar Schweißgeruch anzusprechen. Umgekehrt sagten allerdings rund zwei Drittel, sie wären für diese Information durchaus dankbar. Schließlich nimmt man den eigenen Geruch selber meist kaum wahr. Ein Dilemma also.

Und auch noch eines, das das kollegiale Miteinander und die eigene Produktivität erheblich belasten kann. Erst recht in einem engen Büro ohne Klimaanlage!

Körpergeruch: Fenster öffnen reicht nicht

Es braucht immer einen Mutigen, der die Wahrheit ausspricht. Nur ist das eben nicht leicht, weil so ein Hinweis schnell demütigend wirkt und damit zugleich der Sozialstatus des Kollegen in Frage gestellt wird.

Schon etymologisch: Nicht umsonst gelten Führungskräfte als Weißkragenträger – die sind strahlend sauber und riechen nicht. Wer schwitzt, hat dagegen Stress und ist entsprechend unsouverän im Wortsinn. Und die Hände schmutzig machen sich sowieso nur Subordinierte.

Klar, das alles sind Klischees. Aber denen wohnt meist ein wahrer Kern inne wie die Tatsache, dass sie sich hartnäckig halten. Es sind gelernte Stereotype, die wir sofort im Kopf haben.

Also, wie sagt man das einem Kollegen, der duftet wie ein Unfall in einer Chemiefabrik?

Der Kollege stinkt? Jetzt braucht es Mut und Fingerspitzengefühl

Sagen ist in dem Fall der Schlüsselbegriff. Nonverbale Gesten wie das plötzliche Aufstellen von Raumparfüms werden in der Regel gar nicht oder gar missverstanden. Und tuscheln ist letztlich respektlos und gemein. Sprechen Sie das Problem also direkt und nicht durch die Blume an, jedoch mit allem nötigen Fingerspitzengefühl. Zum Beispiel so:

  • Das Wichtigste ist die Diskretion

    Fragen Sie sich selbst: Wie würden Sie behandelt werden wollen, wenn Sie derjenige sind, der mieft. Auch wenn über den Dunst bereits jeder die Nase rümpft – sagen Sie es dem Betreffenden nur unter vier Augen (!) und so feinfühlig und höflich wie möglich. Das heißt nicht, dass Sie lange um den heißen Brei reden sollten. Schließlich ist es rücksichtslos, anderen mit seinen Ausdünstungen die Tränen in die Augen zu treiben. Aber unterstellen Sie vorerst nichts, was Sie nicht belegen können, wie etwa mangelnde Hygiene.

  • Lassen Sie dem Stinker die Chance, das Gesicht zu wahren

    Und zwar, indem Sie Alternativen anbieten: "Der Geruch könnte von der Kleidung kommen. Vielleicht sollten Sie diese häufiger wechseln und waschen." Es könnte aber auch eine medizinische Ursache haben. Dann könnten Sie dem Kollegen empfehlen, deswegen bald zum Arzt gehen. Entscheidend ist, dass Sie nicht wirklich eine Erklärung erwarten, sondern lediglich deutlich machen: Ich lehne dich persönlich nicht ab, der Grund ist auch egal, aber stell das ab!

  • Formulieren Sie Ihren Eindruck als Ich-Botschaft

    Niemals sollten Sie durchblicken lassen, dass Sie für die anderen Kollegen mitsprechen, Motto: "Wir alle finden, du stinkst..." Das ist nicht nur verletztend, es offenbart auch, dass Sie längst hinter dem Rücken des Betroffenen tratschen und sich gegen ihn verschworen haben. Ein klassischer Fall von Ausgrenzung. Wer so handelt, muss sich zurecht fragen lassen: Warum habt ihr nicht früher mit mir geredet?

Ansprechen sollten Sie das Problem aber auf jeden Fall – erst recht, wenn Sie die Führungskraft sind, schon aus Führsorgepflicht. Letztlich tun sie damit allen einen Gefallen: dem transpirierenden Mitarbeiter - und den Kollegen im Büro auch.

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