Die Studie ist einfach zu kurios, als das man sie unerwähnt lassen könnte. Selbst die immer noch recht angesehene New York Times war sich dafür nicht zu schade. Also: Schon seit längerem ist bekannt, dass symmetrische, ebene Gesichter attraktiver, ja sogar sympathischer machen. Nun aber will Nancy Etcoff, Psychologie-Professorin an der Harvard Universität, herausgefunden haben: Schminke lässt insbesondere Frauen kompetenter und glaubwürdiger wirken. Oder verkürzt: Frauen können sich nach oben schminken.

Nancy Etcoff vermutet dahinter allerdings eine Art Placebo-Effekt, nach dem Muster: Kosmetik macht Gesichter eben auch ebener, symmetrischer, attraktiver. Jedenfalls wenn man es damit nicht übertreibt.

Nun muss man über die Studie aber zweierlei wissen:

  1. Für die zugrundeliegenden Experimente wurden 25 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren fotografiert, beziehungsweise in unterschiedlichen Schminkstadien fotografiert – von “unbehandelt”, “natürlich” bis “professionell”, “glamourös”. Anschließend mussten 149 Probanden (darunter 61 Männer) die Fotos innerhalb kurzer Zeit bewerten, insbesondere wie kompetent sie die abgebildeten Frauen empfanden. Ergebnis: Egal, ob sie die Konterfeis nur kurz betrachteten oder länger – je besser die Frauen geschminkt waren, desto “kompetenter” und “professionell” beurteilten sie die Betrachter.
  2. Weitaus interessanter aber ist: Die Studie wurde von Procter & Gamble in Auftrag gegeben und bezahlt – einem Konzern, der einen Großteil seines Umsatzes mit Kosmetik macht. Immerhin: Professorin Nancy Etcoff sowie ihre Co-Autoren von der Boston Universität und dem Dana-Farber Krebs Institut designten und erstellten die Studie angeblich völlig unabhängig.

Die NYT jedenfalls rät deshalb zu folgender Strategie und zitiert dabei Sarah Vickery, eine weitere Co-Autorin:

Manchmal möchten Sie vielleicht einen eher machtvollen Eindruck schaffen – und manchmal sich eine eher balancierte und kollaborative Aura geben. Schminken Sie sich also den Umständen entsprechend!