Krank im Urlaub
Eine gefühlte Ewigkeit hab man darauf gewartet, die Tage gezählt und im Kalender durchgestrichen, bis es endlich soweit ist: Der lang ersehnte Urlaub ist da. Ob man die freien Tage zuhause genießt oder für einige Tage in schönere Gefilde flieht - Hauptsache frei, kein Stress, Erholung und erst mal nicht an die Arbeit denken. Alles könnte so schön sein, doch dann bemerkt man bereits die ersten Anzeichen: Ein Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Husten und Niesen. Innerhalb kurzer Zeit hat sich eine handfeste Erkältung breit gemacht und von Urlaubsstimmung ist nichts mehr zu spüren. Aber was jetzt? Die gute Nachricht lautet: Der Urlaub muss nicht automatisch komplett verschwendet sein, doch Sie selbst müssen aktiv werden...

Krank im Urlaub: Keine Zeit für Erholung

Die Pläne für den Urlaub werden meist bereits weit im Voraus geschmiedet: Die Reise ist gebucht, das Hotel bezahlt, die Freunde sind eingeladen und die Pläne für die freie Zeit wurden detailliert erstellt. Dass eine Krankheit den Urlaub zunichte machen könnte, daran will man im Vorfeld gar nicht denken. Leider kommt das deutlich häufiger vor, als man glaubt. Gerade an den freien Tage wie den Wochenenden und vor allem auch im Urlaub klagen besonders viele Berufstätige über gesundheitliche Probleme. Forscher sehen eine mögliche Erklärung in der verspäteten Immunabwehr des Körpers: Während den stressigen Phasen im Beruf steht man ständig unter Strom, muss funktionieren und acht Stunden täglich arbeiten, an freien Tagen hat der Körper dann die Zeit, sich um die eingefangenen Viren oder Bakterien zu kümmern - und dann zeigen sich auch die Symptome.

Blöd nur, wenn vom eigentlich so schönen Urlaub plötzlich kaum noch etwas übrig ist, weil man die meiste Zeit krank im Bett gelegen hat. Eine riesen Verschwendung von wertvollen Urlaubstagen, die sowieso für die meisten viel zu knapp bemessen sind. Aber ist das wirklich so? Glücklicherweise nicht, denn die Gesetzgebung hat für genau einen solchen Fall vorgesorgt. Der entscheidende Punkt dabei: Der Urlaub eines Arbeitnehmers soll in erster Linie der Entspannung dienen, eine Auszeit vom Stress sein und zur Regeneration genutzt werden. All dies ist nicht mehr möglich, wenn eine plötzliche Krankheit dazwischen kommt.

Für Arbeitnehmer bedeutet das: Wer im Urlaub erkrankt, hat damit nicht unbedingt seine Urlaubstage verschwendet. So besagt § 9 des Bundesurlaubsgesetzes:

Erkrankt ein Arbeitnehmer während des Urlaubs, so werden die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet

Die Tage des Urlaubs, an denen man tatsächlich so krank ist, dass eine Arbeitsunfähigkeit bestehen würde, werden also nicht vom gesamten Urlaub abgezogen. Um dies jedoch in Anspruch nehmen zu können, sollten Arbeitnehmer einige Punkte beachten.

Krank im Urlaub: Das müssen Arbeitnehmer beachten

sheff/shutterstock.comDie Urlaubsregelung ist grundsätzlich zugunsten des Arbeitnehmers gestaltet, damit dieser auch wirklich erholt aus den freien Tagen kommen kann und sich nach seinem Urlaub nicht noch angeschlagener fühlt, als vorher. Um zu verhindern, dass Mitarbeiter Krankheiten während des Urlaubs vortäuschen und das Gesetz somit ausnutzen, gibt es jedoch auch einen Schutz für Arbeitgeber: Die Urlaubstage können nur dann im gesamten Jahresurlaub erhalten bleiben, wenn ein entsprechendes ärztliches Attest vorliegt. Es reicht also nicht aus, dem Chef nur zu sagen, dass man im Urlaub krank war. In einem solchen Fall kann der Arbeitgeber den Wunsch des Mitarbeiters ablehnen und alle eingereichten Urlaubstage auch als solche verbuchen.

Wollen Sie Ihre Urlaubstage hingegen später im Jahr noch einmal nutzen - und dann hoffentlich nicht krank werden - müssen Sie im Urlaub zum Arzt gehen und sich entsprechend krank schreiben lassen. Nur so haben Sie später auch wirklich etwas in der Hand, mit dem Sie die Krankheit belegen können. Gleichzeitig sollten Sie auch sofort Ihrem Arbeitgeber Bescheid sagen: Ja, obwohl Sie eigentlich im Urlaub sind. So spielen Sie von Anfang an mit offenen Karten und es kommt später zu weniger Diskussionen.

Auch wer verreist ist, sollte nicht warten, bis er wieder zuhause ist, bevor er zum Arzt geht. Nur die Tage, die vom Arzt bestätigt werden, können später wieder auf den Jahresurlaub angerechnet werden. Heißt im konkreten Fall: Gehen Sie erst nach drei Tagen zum Arzt, gehen Ihnen diese drei Urlaubstage komplett verloren - suchen Sie hingegen noch am gleichen Tag einen Arzt auf und werden krank geschrieben, wird Ihnen die volle Zeit der Arbeitsunfähigkeit im Urlaub angerechnet.

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