Krankes-Kind-ArbeitsrechtHerbstzeit ist Erkältungszeit. Aber natürlich kann es auch jederzeit passieren. Im Job herrscht schon akuter Stress, die Projekt-Deadline ist fast erreicht - und dann auch noch das: Das Kind wird krank und muss zuhause im Bett bleiben. Welche Rechte haben Arbeitnehmer jetzt? Was sagt das Arbeitsrecht dazu? Darf ein Elternteil einfach zu Hause und beim kranken Kind bleiben? Die gute Nachricht ist: Ja, es gibt ein Recht darauf. Die schlechte: Es ist nicht uneingeschränkt...

Ist das Kind unter 12 Jahren dürfen Arbeitnehmer zu Hause bleiben

Kind-krank-Eltern-ArbeitsrechtArbeitnehmer in Deutschland dürfen pro Kind mindestens fünf Tage im Jahr krankheitsbedingt der Arbeit fernbleiben. Das Gehalt wird in dieser Zeit natürlich weitergezahlt - es ist, als wäre man selbst krankgeschrieben. "Jeder Arbeitnehmer hat zunächst das Recht auf bezahlte Freistellung", sagt Arbeitsrechts-Anwalt und Karrierebibel-Kolumnist Peter Groll. Dazu gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts.

  • Wer gesetzlich versichert ist (also weder privat versichert noch selbständig), darf sogar zehn Tage im Jahr daheim bleiben um die kranken Kinder zu pflegen.
  • Alleinerziehende haben gar Anspruch auf 20 Tage.

Allerdings gilt diese Regelung nicht uneingeschränkt.

Damit Eltern ein Recht auf bezahlte Freistellung haben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Kind ist jünger als zwölf Jahre.
  • Ein Arzt hat ein Attest über die Erkrankung ausgestellt.
  • Die Betreuung und Pflege des Kindes ist aus ärztlicher Sicht erforderlich.
  • Sowohl der entsprechende Elternteil als auch das Kind sind gesetzlich versichert.
  • Keine anderen im Haushalt lebenden Personen, etwa Großeltern oder ein Au-Pair-Mädchen können das kranke Kind alternativ betreuen.

Leben also beispielsweise die Großeltern oder ältere Geschwister im gleichen Haus oder nebenan, muss der Chef den Pflegetag nicht akzeptieren. Das gilt aber nur für Verwandte - Nachbarn muss man sein Kind nicht anvertrauen - egal, wie nett die sind.

Achtung Abmahnungsfalle!

Während Arbeitnehmer gesetzlich erst ab dem dritten Tag, also am vierten Tag, ein ärztliches Attest vorlegen müssen, ist dies bei erkrankten Kindern anders: Kinder benötigen bereits ab dem ersten Tag eine Krankmeldung, damit ein Elternteil sie zuhause pflegen dürfen.

Wie lange bekomme ich mein Gehalt weitergezahlt?

In der Regel erhalten Sie die ersten fünf Tage lang den vollen Lohn, so sagt es die Rechtsprechung. Allerdings nur, wenn im Arbeitsvertrag nichts Abweichendes vereinbart wurde.

Tatsächlich kann der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag ausschließen, dass Eltern im Krankheitsfall daheim bleiben. In dem Fall zahlen allerdings die Krankenkassen das sogenannte Kinderpflegetagegeld. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal aber 90 Prozent des Nettoverdienstes.

  • Wer nur ein Kind hat, bekommt das Kinderpflegetagegeld für maximal zehn Krankheitstage des Kindes, bei mehreren Kindern wird es maximal 25 Tage gezahlt.
  • Auch hier haben Alleinerziehende einen höheren Anspruch: Sie erhalten das Tagegeld bis zu 50 Tage lang im Jahr.
  • Auszubildende mit kleinen Kindern haben bis zu sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn das Kind erkrankt und sie zu seiner Beaufsichtigung der Arbeit fernbleiben müssen.
  • Für die Pflege schwerstkranker Kinder wird das Kinderkrankengeld zeitlich unbefristet bezahlt.

Was tun, wenn ein Elternteil die schon ausgeschöpft hat?

Sind die Krankheitstage ausgeschöpft oder wollen Eltern nicht schon wieder in der Arbeit anrufen und sich wegen eines kranken Sprösslings krank melden, ist das Vorspielen einer eigenen Erkrankung kein Kavaliersdelikt. Kommt das raus, ist das im Zweifel ein Grund zur fristlosen Kündigung.

Erlaubt ist aber Folgendes: Wenn beispielsweise die Mutter ihre zehn jährlichen Fehltage ausgeschöpft hat, kann sie versuchen, sich die Tage vom Vater übertragen zu lassen, wenn dieser zur Übernahme der Kinderbetreuung nicht in der Lage ist.

Das geht allerdings nur, wenn beide Elternteile in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und in unserem Beispiel der Vater die Betreuung des erkrankten Kindes aus beruflichen Gründen nicht übernehmen kann. Eine solche Verschiebung sollte man zur Vermeidung von Stress allerdings mit beiden Arbeitgebern abstimmen.

Was aber, wenn das kranke Kind älter als zwölf Jahre ist?

In dem Fall haben die Eltern keinen Anspruch mehr auf bezahlte Krankheitstage. Hier gilt es, beim Arbeitgeber Urlaub einzureichen oder mit dem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub zu vereinbaren.

Wann springt eine Haushaltshilfe ein?

Überhaupt nicht. Nur wenn die Eltern selbst erkranken und sich nicht um ihre Kinder kümmern können, zum Beispiel, wenn sie im Krankenhaus liegen oder eine Kur machen, bezahlt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe. Eine Haushaltshilfe ersetzt nicht eine gesunde Mutter, sondern nur eine kranke.

Wie ist die Regelung für Privatversicherte?

Privatversicherte schauen in die Röhre. Für sie gelten all die vorgenannten Spielregeln nicht. Sie müssen sich selbst um ihre Kinder kümmern - wie auch immer. Sie können allerdings zusätzlich ein sogenanntes Krankentagegeld versichern.

Kurzum: Ist das kranke Kind älter als zwölf Jahre oder der Elternteil privat krankenversichert, wird es problematisch. Auch bei langen Erkrankungen der Kinder ist irgendwann das Kontingent der Tage ausgeschöpft, die man ihm Jahr zur Pflege zuhause bleiben kann.

Einfach fehlen geht nicht

Ungeachtet von den gesetzlichen Regelungen, sollten Arbeitnehmer dennoch nicht einfach auf ihr Recht pochen und der Arbeit fernbleiben. Verpflichtet ist man mindestens den Chef gleich am Morgen darüber zu informieren.

Für Verständnis zu werben und eventuell den Arbeitsausfall per Home-Office zu kompensieren, ist zudem klug. Denn natürlich kann der Fehltag kurz vor Deadline gerade für mittlere und kleinere Betriebe zu einem echten Problem werden. Nicht jeder Chef zeigt dann allzu großes Verständnis.

Einerseits hat wohl jeder Verständnis für ein krankes Kind zu Hause. Gleichzeitig macht es natürlich einen besseren Eindruck, wenn Sie auch ans Team denken und Bereitschaft signalisieren, im Notfall erreichbar zu bleiben oder auch noch etwas mitzuhelfen, wenn das kranke Kind gerade schläft.

Ansonsten wünschen wir: Gute Besserung!

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