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Routine ist früher oder später ein Bestandteil jedes Jobs - und da ist ganz normal, dass sich an manchen Punkten die Langeweile einstellt. Genauso gut kann es verschiedene andere Gründe für einen gewissen Produktivitätsabfall im Laufe der Zeit geben. Dazu gehören zu viele durchgearbeitete Wochenenden hintereinander ebenso wie dichtgedrängte Zeitpläne, in denen wir unser Essen bestenfalls nebenher am Schreibtisch verzehren können. Nicht zu vergessen natürlich das letzte Mal, wann Sie im Urlaub waren. Das kann schlimmstenfalls bis zum Burnout führen. Dennoch gibt es vielleicht noch einen anderen Grund, der Sie in letzter Zeit unmotiviert bei der Arbeit erscheinen lässt: Sie werden in Ihrer Kreativität gebremst.

Bestandsaufnahme: Sind Sie kreativ unterfordert?

Können Sie sich noch an das letzte Mal erinnern, als Sie an etwas Neuem gearbeitet haben, das Ihre gesamte Kreativität erforderte? Als Sie sich in die Entwicklung eines neuen Produktes oder Programms stürzten? Als Sie mit einem Team gemeinsam eine innovative Lösung erarbeiten oder einfach ein bisschen im Designbereich herumtüfteln konnten?

Wenn Sie diese Fragen mit "nie" oder aber "Ich kann mich nicht mehr erinnern" beantworten, dann läuft etwas grundlegend falsch. Dann ist es entweder Zeit für ein offenes Gespräch mit Ihrem Chef oder aber sogar einen Kurswechsel.

Um genau das herauszufinden, nämlich ob Sie in Ihrer Karriere vielleicht eine neue Richtung einschlagen müssen, fragen Sie sich, welche Situationen auf Sie zutreffen.

  • Anzeichen Nr. 1: Die räumlichen Gegebenheiten

    Sie sind in ein kleines Kabuff gezwängt, kaum Tageslicht, aber dafür mit Kollegen, die Sie nerven. Die Geräuschkulisse mit Kopierer direkt nebenan ist eine Zumutung, die Luft ebenfalls. Von dem grellen, künstlichen Licht bekommen Sie Kopfschmerzen.

    Jeder Schritt weg vom Arbeitsplatz wird misstrauisch beäugt. In diesem Unternehmen hat man offenbar noch nicht davon gehört, dass bestimmte Arbeitsbedingungen nicht nur die Kreativität hemmen, sondern insgesamt eher ungesund sind.

    Klarer Fall: Sie brauchen mehr Freiraum.

    Platz, um sich entfalten, die ganzen Materialien ausbreiten zu können. Platz, auch mal zwischendurch vom Stuhl aufstehen und herumgehen zu können. Die Gelegenheit, das Fenster weit öffnen und herausblicken zu können, um neue Eindrücke aufnehmen und Impulse umsetzen zu können. Versuchen Sie zum Beispiel Ihren Chef von ein bis zwei Tagen Home-Office zu überzeugen.

  • Anzeichen Nr. 2: Die hierarchischen Gegebenheiten

    Sie werden abgeblockt. Das haben wir schon immer so gemacht ist noch die freundlichste Auskunft. Weder vom Vorgesetzten, noch von Unternehmensseite besteht Interesse daran, etwas an gängigen Vorgehensweisen zu verändern.

    Tradition hat dieses Unternehmen groß gemacht und das ist auch gut so. Es war schon lange vor Ihnen da und wird auch noch lange nach Ihnen da sein.

    Klarer Fall: Sie sprühen vor Ideen.

    Sie haben zahlreiche Verbesserungsvorschläge: Abläufe im Unternehmen, die sich optimieren ließen. Lösungsvorschläge für langwierige Probleme. Ihre Ideen wären ein Gewinn für alle Beteiligten. Allein ein kurzes Brainstorming würde schon reichen, um noch mehr zu verändern. Vielleicht können Sie aber auch ein eigenes Projekt anstoßen.

  • Anzeichen Nr. 3: Die strukturellen Gegebenheiten

    Sie tragen Ihre Konzepte vor, werden von einem Vorgesetzten zum nächsten geschickt, aber irgendwie passiert nichts. Es könnten so viele Dinge umgesetzt werden, wenn sie denn bewilligt würden. Dafür müssen aber erst einmal 30 Formulare ausgefüllt werden. Die müssen fristgerecht eingereicht und geprüft werden. Dann sieht man weiter.

    Klarer Fall: Sie sind engagiert.

    Sie bringen sich ein, schaffen es auch, den einen oder anderen für Ihr Anliegen zu begeistern - allein: Sie scheitern an den bürokratischen Bedingungen. Ihre Vorschläge schaffen es bestenfalls in zwei Jahren umgesetzt zu werden. Da sind Sie geistig aber schon irgendwo anders, an einem neuen Projekt. Eine Lösung: Suchen Sie das Gespräch mit dem Chef - es kann auch nicht in seinem Interesse liegen, dass Verbesserungen Ewigkeiten brauchen. Im Extrem bleibt hier allerdings nur noch der Jobwechsel.

  • Anzeichen Nr. 4: Die mentalen Gegebenheiten

    Sie werden in ein enges Zeitschema gepresst. Die Arbeitszeiten sind starr vorgegeben und ebenso starr sind alle anderen Arbeitsabläufe. Alles ist gleichförmig, wenig abwechslungsreich. Routine prägt den Arbeitsalltag. Ihr Gehirn läuft so auf standby.

    Klarer Fall: Sie brauchen die Abwechslung.

    Monotone Arbeitsabläufe sind für Sie ein Gräuel. Flexible Arbeitszeiten sind für Sie wichtig, nur so können Sie am besten arbeiten. Ihre Kreativität können Sie nicht wie einen Lichtschalter um 8 Uhr an- und um 18 Uhr ausknipsen. Auch hier sollten Sie versuchen, für sich ein flexibleres Modell auszuhandeln. Alternativ können Sie sich auch intern nach anderen Stellen umschauen, die wieder Abwechslung und Herausforderungen verheißen.

Kreativ unterfordert: Raus aus dem Hamsterrad

Haben Sie sich an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt? Fühlen Sie sich auch in Ihrer Kreativität behindert? Oder sind hier Anteile Ihres derzeitigen Jobs beschrieben, die Sie zwar nicht besonders ideal, aber akzeptabel finden? Wie immer ist natürlich auch in Ihrem Fall die Frage, wie groß der Leidensdruck ist.

Ein von Routine geprägter Arbeitstrott mag auf Dauer öde sein, aber er sichert den Lebensunterhalt. Wenn ansonsten das Betriebsklima stimmt, das Kollegium nett ist und Sie vielleicht nur übergangsweise in dieser Stelle arbeiten (zum Beispiel wegen einer Projektbefristung), dann können Sie sich vielleicht damit arrangieren.

Anders mag das aussehen, wenn der Arbeitsplatz an sich bereits eine Zumutung ist - aus Kostengründen greifen einige Unternehmen immer noch zu räumlichen Lösungen, die sämtlichen Erkenntnissen von Ergonomie widersprechen und manchmal auch dem gesunden Menschenverstand.

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie so nicht mehr arbeiten wollen, ist es wohl an der Zeit, Ihren Chef um eine Unterredung zu bitten. Scheidet das aus welchen Gründen auch immer aus, haben Sie immer noch die Möglichkeit, Ihre Herangehensweise oder Ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Eine ausführliche Erklärung dazu, wie Sie Sinn in einem sinnlosen Job finden oder aus dem Hamsterrad herauskommen, lesen Sie hier.

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