Kündigung vorbereiten: Das sollten Arbeitnehmer beachten
Fehlende Perspektive im aktuellen Unternehmen, Veränderungen im privaten Bereich oder das hervorragende Angebot eines anderen Arbeitgebers - die möglichen Gründe für eine Kündigung sind vielfältig und zahlreich. Doch obwohl Arbeitgeberwechsel in den meisten Karrieren heutzutage kein Makel, sondern eher ein gezieltes Instrument der persönlichen und beruflichen Entwicklung sind, ist es alles andere als eine alltägliche Situation. Die Frage lautet daher zunächst: Was tun, wenn man kündigen möchte? Ist die Entscheidung endgültig getroffen, sollten Sie Ihre Kündigung aktiv vorbereiten. Eine entsprechende Vorbereitung entscheidet mit darüber, ob Sie das Unternehmen im Guten verlassen oder nicht. Und ganz nebenbei schaffen Sie damit auch die Grundlage für spätere Bewerbungen...

Kündigung vorbereiten, Bewerbungschancen schaffen

alphaspirit/shutterstock.comIch habe gekündigt, ab jetzt können mir Unternehmen, Chef und Kollegen egal sein. - So oder so ähnlich scheinen viele Mitarbeiter nach Abgabe ihrer Kündigung zu denken. Anders lässt sich das teilweise völlig unangebrachte Verhalten und das deutlich nachlassende Engagement kaum erklären. Ergebnisse werden plötzlich schlechter, Kunden beschweren sich, die vorher immer zufrieden waren und die Kollegen wundern sich über das unbeteiligte und fast schon abweisende Benehmen.

Doch dieses Verhalten kann - und wird - sich früher oder später rächen. Denn selbst wenn Sie bereits einen neuen Job in Aussicht haben, fragen neue und potenzielle Arbeitgeber eben doch hin und wieder bei Ihrem ehemaligen Unternehmen nach.

Haben Leistung und Verhalten zum Schluss deutlich nachgelassen, wird genau dieser Eindruck haften bleiben - und neuen Arbeitgebern auf Nachfrage mitgeteilt. Jahrelange gute Zusammenarbeit und jede erbrachte Leistung gerät in Vergessenheit, wenn das aktuelle Verhalten etwas anderes zum Ausdruck bringt. Schlussendlich sabotieren Sie so also Ihre eigenen Bewerbungs- und Jobchancen. Hinzu kommt, dass sich eine Und nach mir die Sintflut-Mentalität sowohl professionell als auch persönlich nicht gehört. Vielleicht hatten Sie mit dem Unternehmen oder Ihrem Chef einige Differenzen, die zu Ihrer Entscheidung beigetragen haben, doch am Ende sollte man immer in der Lage sein, sich gegenseitig noch mit Respekt zu behandeln.

Wenn Sie Ihre Kündigung vorbereiten, handeln Sie nicht überstürzt

Manchmal ist man im Job so verärgert und frustriert, dass man am liebsten sofort alles hinschmeißen möchte. Das kann eine gute Entscheidung sein - oder vollkommen überstürzt und eine Wahl, die Sie irgendwann bereuen werden. Ein Risiko, das Sie reduzieren, wenn Sie sich die Zeit nehmen, um Ihre Kündigung vorzubereiten.

Wenn Sie sich im Vorfeld Gedanken machen, was alles bedacht werden sollte, bevor Sie endgültig die Kündigung einreichen, haben Sie selbst noch einmal Zeit, Ihre Situation zu reflektieren und die Dinge mit einer größeren Distanz zu betrachten. An den folgenden Tagen sind die ersten Emotionen ein wenig beruhigt, man kann wieder klarere Gedanken fassen und sieht die Situation nun vielleicht doch noch einmal anders. Ist man seinem ersten Impuls gefolgt, ist es dafür allerdings schon zu spät.

Bleibt man bei seiner anfänglichen Einschätzung, hat man nichts verloren und kann immer noch - wenn auch geordneter und vorbereitet - die Kündigung einreichen.

Kündigung vorbereiten: Warum es sich lohnt

Ja, die gründliche Vorbereitung Ihrer Kündigung nimmt Zeit und Energie in Anspruch und vielleicht wäre es anfangs in der Tat der für Sie einfachste Weg, dem Chef die Kündigung auf den Tisch zu knallen und bis zum Ende der Kündigungsfrist allem und jedem aus dem Weg zu gehen, am Ende noch schnell ein Tschüss in die Runde zu rufen und sich davon zu machen. Der richtige Weg sieht allerdings anders aus. Doch der Aufwand, der für diesen betrieben werden muss, lohnt sich - für Sie ganz persönlich, denn...

  1. ... Sie vermeiden Stress und schonen Ihre Nerven, wenn Sie Ihre Projekte ordentlich abschließen und für klare Verhältnisse vor Ihrer Kündigung sorgen. Auch unangenehmen Überraschungen können Sie so vorbeugen.
  2. ... Sie verhindern Missverständnisse und böses Blut, wenn Sie sich rechtzeitig um die saubere Übergabe laufender Projekte kümmern. Haben Sie alles übergeben, können Sie ruhigen Gewissens gehen.
  3. ... Sie hinterlassen einen positiven Eindruck im Unternehmen. Dieser ist nicht nur für die Nachfrage potenzieller neuer Arbeitgeber wichtig, sondern auch für den Fall, dass Sie später möglicherweise in neuer Funktion zurückkehren oder auf anderem Weg wieder aufeinandertreffen - man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben.

Ihre Kündigung vorzubereiten ist als Arbeitnehmer also in Ihrem ureigenen Interesse - sowohl aktuell, als auch mit Blick auf die noch kommende berufliche Entwicklung. Formulieren Sie Ihr Kündigungsschreiben dann noch diplomatisch, können Sie beruhigt kündigen.

Kündigungsgründe im Überblick

Es gibt zahlreiche Untersuchungen darüber, warum Mitarbeiter irgendwann die Nase voll haben, kündigen und zur Konkurrenz wechseln. Das Interessante daran ist: Die Prozentzahlen mögen wechseln, die Ursachen aber nie. Im Kern sind es immer dieselben Gründe, warum Mitarbeiter freiwillig und vorzeitig ausscheiden. Allesamt sollten sie Managern zu denken geben:

  • Das Persönliche fehlt. Dieser Punkt steht meist ganz oben auf den Listen. Jedes noch so perfekte Management, jede noch so perfekte Organisation kann einen Mangel an Beziehungen nicht wettmachen. Wenn sich Mitarbeiter nur noch wie Maschinen fühlen, sind sie entweder bald verschlissen oder verlassen den Laden.
  • Die Bezahlung ist ungerecht. Kaum etwas frustriert so sehr, wie das dauerhafte Gefühl ausgebeutet zu werden. Steigern lässt sich das nur noch durch enorme Gehaltsgefälle – oder sehr geringe zwischen Viel- und Minderleistern.
  • Die Belohnungen sind intransparent. Gehalsterhöhungen, Boni, Prämien – all das ist Ausdruck von Wertschätzung. Und wer viel leistet, will dass das auch anerkannt wird und Folgen hat. Am liebsten monetäre. Wenn jedoch unklar ist, unter welchen Umständen das geschieht, weckt das Neid und im Falle des Ausbleibens sogar Wut.
  • Die Leistungsziele bleiben unklar. Zielvereinbarungen und variable Gehaltsanteile als Führungs- und Motivationsinstrument sind heute Gang und Gäbe. Es spricht ja auch einiges dafür. Doch sie werden zur Katastrophe, wenn die Ziele sowie die dafür nutzbaren Ressourcen schwammig bleiben. Das öffnet Willkür Tür und Tor.
  • Die Mitarbeiter werden nicht integriert. Natürlich gibt es in den meisten Unternehmen kurze Einführungen, vielleicht einen Rundgang, ein Handbuch inklusive Organigramm. Aber das war’s. Eine systematische Integration auf mehreren Ebenen inklusive Netzwerke findet nicht statt. Effekt: Wirklich eingebunden ist der Neuzugang nie, der Wechsel für ihn deshalb emotional ganz leicht.
  • Eine Weiterentwicklung findet nicht statt. Manager postulieren zwar gerne das lebenslange Lernen, sie sprechen vom Fordern und Fördern der Belegschaft. Nicht selten bleibt es aber nur beim Fordern. Fatal! Wahre Talente wollen sich weiterentwickeln, unbedingt. Wenn nicht im eigenen Unternehmen, dann eben im nächsten.
  • Die Ziele sind unrealistisch. Psychologen, wie etwa der Kreativitätsforscher Mihaly Csikszentmihalyi beschreiben jenen optimalen Zustand, in dem wir maximal für eine Aufgabe motiviert sind, als Flow. Flow entsteht an der Grenze zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile). Flow entsteht allerdings nicht exakt auf der Grenze zwischen Unter- und Überforderung, sondern leicht darüber. Anders formuliert: Wir sind genau dann optimal motiviert, kreativ, produktiv, wenn uns eine Aufgabe (ein Projekt, der Job, …) nicht langweilt, aber immer noch herausfordert.
  • Die Führungsetage schweigt. Mitarbeiterzufriedenheit hat enorm viel mit Kommunikation zu tun, weil sich Wertschätzung glaubwürdig eben nicht allein monetär ausdrücken lässt. Neben dieser individuellen verbalen Zuwendung durch den direkten Vorgesetzten brauchen Mitarbeiter aber auch immer wieder die Bestätigung, dass ihre Arbeit insgesamt Werte schafft – und am Markt Erfolg hat.

Kündigung vorbereiten: Haben Sie an alles gedacht?

Quelle: shutterstock/ollyyAngesichts der Bedeutung und Wirkung Ihrer letzten Arbeitstage im Unternehmen, ist die Vorbereitung Ihrer Kündigung keine Kür, sondern Pflicht. Dabei gilt es sowohl organisatorische als auch persönliche Aspekte zu bedenken und vorzubereiten.

Sie können Ihre Aufgaben noch so sauber und gut abschließen, wenn auf der menschlichen Ebene das Verständnis bei Kollegen und Chef fehlt, werden Sie das Unternehmen nicht im Guten verlassen. Haben Sie andererseits ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Chef, hinterlassen jedoch ein Chaos und viele offene Baustellen, wird sich das auch nicht positiv auf Ihren Ruf auswirken.

Als Hilfestellung für die Vorbereitung haben wir die wichtigsten Fragen vor der Kündigung für Sie zusammengestellt. Unseren Fragenkatalog können Sie auch als PDF herunterladen.

    Organisatorische Ebene

  • Wem müssen Sie Ihre Kündigung konkret übergeben?
  • Wie gestalten Sie die Übergabe für beide Seiten am besten?
  • Mit wem müssen Sie wegen Ihres Arbeitszeugnisses sprechen?
  • Können oder sollen Sie das Arbeitszeugnis selbst vorformulieren?
  • Wollen und können Sie aus dem Job Referenzen mitnehmen?
  • Welche Aufgaben und Projekte wollen Sie noch abschließen?
  • Haben Sie eine Liste all Ihrer aktuell offenen Aufgaben?
  • Welche Kollegen und Kooperationspartner müssen Sie vorwarnen?
  • Wie werden die von Ihnen betreuten Kunden über Ihren Abschied informiert?
  • Haben Sie Checklisten für Ihre Projekte?
  • Wie können Sie Ihre Projekte möglichst stressfrei übergeben?
  • Haben Sie Sicherungskopien von allen wichtigen Daten?
  • Sind alle offenen Fragen in Ihren Projekten beantwortet und geklärt?
  • Welche Ihrer persönlichen Unterlagen wollen Sie im Unternehmen lassen?
  • Gibt es Absprachen mit Kooperationspartnern, die direkt mit Ihrer Person zusammenhängen?
  • Gibt es eine nachvollziehbare Zeitplanung für Ihre Projekte?
  • Wie können Sie Ihrem Chef die Übergabe der Projekte erleichtern?
  • In welche Projekte sollten Sie Ihren Nachfolger persönlich einarbeiten?
  • Persönliche Ebene

  • Gibt es schwelende Konflikte, die Sie noch klären sollten?
  • Sind Sie mit sich und Ihren Kollegen im Reinen?
  • Gibt es Kollegen, denen Sie vertrauen und die Sie vorab informieren wollen?
  • Wie können Sie Ihrem Chef deutlich machen, dass die Kündigung nichts mit ihm zu tun hat?
  • Geben Sie die Kündigung im Team bekannt oder übernimmt das Ihr Chef?
  • Wie wird Ihr Chef nach vollzogener Kündigung mit Ihnen umgehen?
  • Wie werden Ihre Kollegen reagieren?
  • Welche Gespräche wollen Sie noch vor Ihrem Abschied führen?
  • Mit welchen Kollegen oder Vorgesetzten wollen Sie Kontakt halten?
  • Wie werden Sie mit Gerüchten oder Spekulationen zu Ihrer Kündigung umgehen?
  • Wie wird sich die Kündigung privat auswirken?
  • Welchen Eindruck wollen Sie im Unternehmen hinterlassen?
  • Wie können Sie diesen verstärken und verankern?
  • Wie wollen Sie sich von Ihrem Team und Ihren Kollegen verabschieden?
  • Wie werden Sie mit Fragen zu Ihrem neuen Job umgehen?

Besseres Angebot: Wann Sie kündigen sollten

Für manche mag es wie ein Luxusproblem klingen, doch wenn Sie als Arbeitnehmer ein besseres Jobangebot von einem anderen Unternehmen erhalten, ist guter Rat teuer. Schnell stellt sich die Frage: Sollten Sie Ihren aktuellen Job kündigen?

Die Antwort ist nicht ganz so einfach, denn die Kündigung eines an sich intakten Arbeitsverhältnisses ist natürlich immer ein gewisser Loyalitätsbruch, wenn er auch nachvollziehbar ist. Verstehen Sie sich sehr gut mit Ihrem Chef dürfte Ihnen die Entscheidung trotzdem schwer fallen. Dennoch gilt schlussendlich:

Jobwechsel gehören zum Arbeitsleben dazu. Aber: Kündigen Sie nie bevor...

  • ... Sie beim neuen Arbeitgeber den Bewerbungsprozess durchlaufen haben.
  • ... alle Verhandlung über Ihre künftigen Aufgaben und das Gehalt abgeschlossen sind.
  • ... sich beide Seiten einig sind.
  • ... Sie den neuen unterschriebenen Arbeitsvertrag in den Händen halten.

Denn auch das kommt vor: Verhandlungen werden abgebrochen, weil sich der neue Arbeitgeber kurzfristig doch noch für einen anderen Kandidaten entscheidet. Oder weil Sie sich in Sachen Gehalt, Boni oder Zusatzleistungen nicht einig werden. Falls Sie dann schon gekündigt haben, stehen Sie womöglich bald arbeitslos auf der Straße. Und weil Sie juristisch die Arbeitslosigkeit selbst herbeigeführt haben, bekommen Sie beim Arbeitslosengeld auch noch eine temporäre Sperre aufgebürdet. Und das muss man ja nicht unnötig riskieren.

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