Kritik-oeffentlich-Mitarbeiter
Der Mitarbeiter war vielleicht ein bisschen überengagiert. Im Vorfeld einer Betriebsratswahl wollte er in einem von ver.di produzierten Video die Missstände im Betrieb kritisieren. Er ließ sich darüber aus, dass es Probleme mit den Arbeitszeiten, den Urlaubszeiten und den Pausen gebe. Zudem würden viele Sicherheitsvorkehrungen bei den Maschinen nicht eingehalten und es gebe auch keine einzige Fachkraft, die die Maschinen richtig bedienen könne. Das Video wurde auf YouTube hochgeladen und vom Mitarbeiter selbst auf Facebook verbreitet. Nicht seine beste Idee...

Kündigung wegen Kritik in YouTube-Video?

Dem Arbeitgeber ging das eindeutig zu weit - er setzte den kritischen Mitarbeiter fristlos vor die Tür, weil er sich geschäftsschädigend verhalten habe.

Öffentliche Kritik eines Arbeitnehmers an seinem Arbeitgeber kann durch die Meinungsfreiheit geschützt sein. Eine Kündigung wäre dann nicht möglich. Ob die Äußerung von Kritik allerdings von der Meinungsfreiheit gedeckt wird, hängt immer vom Einzelfall ab.

Der Streit ging durch drei Instanzen. Glück im Pech: Der Mitarbeiter bekam am Ende Recht. Das Bundesarbeitsgericht kassierte die Kündigung wieder ein, weil die Vorwürfe in dem Video nicht so schwerwiegend seien (Az.: 2 AZR 505/13). Wissentlich geschäftsschädigende Äußerungen könnten zwar grundsätzlich zur Kündigung führen, eine sachliche Kritik im Vorfeld einer Betriebsratswahl sei aber erlaubt, meinten die Richter.

Der Mann hat also noch einmal Glück gehabt, wiederholen sollte er solche Aktionen in Zukunft aber besser nicht.

Über den Autor

Peter Groll ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Für die Karrierebibel analysiert und kommentiert er in seiner Arbeitsrechtkolumne regelmäßig wichtige und aktuelle Urteile aus dem deutschen Arbeitsrecht. So bleiben Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Fach- und Führungskräfte stets über ihre Rechte informiert.

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