Für viele Menschen stellt die berufliche Demission – ob freiwillig oder aufgedrängt – eine fürchterliche Blamage dar: Rücktritt, niemals! Ein Schandfleck, ein Kainsmal, das man so schnell nicht mehr loswird… Das stimmt. Und auch wieder nicht. Denn es hängt vor allem davon ab, wann man geht – und wie.

Abschied nehmen ist immer ein bisschen wie sterben. Und manche Menschen hinterlassen dabei ein Lücke, die sie vollständig ersetzt. Zu bleiben wäre dagegen ungleich bequemer.

Dabei ist die richtige Art abzutreten prägend für den Ruf. Das zeigt schon ein Blick auf die Statistik: Im Schnitt wechselt ein Manager alle drei bis fünf Jahre seinen Job. Im Laufe seines Berufslebens wird er also mindestens achtmal seinen Hut nehmen. Bei einfachen Angestellten mag die Zahl der Jobwechsel geringer sein – aber drei bis vier sind auch hier höchst wahrscheinlich. Gut, wer dabei keine verbrannte Erde hinterlässt.

Und so gilt denn auch eine Regel für alle Abschiede: Bleiben Sie zu jedem Zeitpunkt Profi! Egal, wie schäbig sich Ihr Arbeitgeber, Ihr Chef, Ihre Kollegen verhalten – Sie verhalten sich durchweg souverän und professionell.

Das schließt unbedingt ein, beim Abschied keine offenen Rechnungen zu begleichen. Ich kann mich zum Beispiel an eine Kollegin erinnern, die bei ihrem Auszug unbedingt noch einmal allen erzählen musste, was sie von manchen Leuten hielt. Die fröhliche Stimmung verflüchtigte sich abrupt, Lächeln verwandelte sich in betretenes Schweigen. Fremdschämen. Was blieb, war ein schaler Nachgeschmack, der sie mehr beschädigte als die denunzierten Hinterbliebenen. Peinlich.

Niemals geht man so ganz

Sollten Sie selbst kündigen, erfordert das natürlich stets die Schriftform – mit Ort, Datum und Unterschrift. Eine mündliche Kündigung ist unwirksam.

Zum guten Stil gehört dann aber auch in seiner Kündigung einen Dank für die gute Zusammenarbeit auszusprechen sowie die Kündigung persönlich zu überreichen. Bitte nicht per Post oder E-Mail. Ein böswilliger Boss könnte am Ende noch behaupten, das Schreiben nie bekommen zu haben.

Wie lange einer nach diesem formalen Schlussstrich noch im Unternehmen verweilt, bestimmt sich nach dem Arbeitsvertrag und der Betriebszugehörigkeit, in der Regel ist das ein viertel bis halbes Jahr. Und auch in dieser Zeit gilt: Bleiben Sie immer Profi!

Ab jetzt arbeiten Sie nicht mehr für Ihren Boss, sondern vor allem für den Ruf, der Ihnen nacheilen wird.

Schließen Sie also offene Projekte sorgfältig ab, noch werden Sie dafür bezahlt. Am Ende dieser Frist können Sie eine E-Mail sowie den passenden Verteiler verfassen, der Ihre Lieblingskollegen oder Kunden darüber informiert, wo und wie Sie künftig zu erreichen sind. Aber Obacht: Mancher Arbeitgeber wertet das als geschäftsschädigend – erst recht, wenn Sie zur Konkurrenz wechseln. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie alles nur vorbereiten und später privat versenden.

Ich gehe, weil…

Sollte Sie Ihr Boss nach einer Begründung für die Kündigung fragen – bleiben Sie bitte stets höflich und durchweg positiv. Selbst wenn er Sie um Hinweise bittet, was er denn falsch gemacht habe. Achtung Falle! Ihn interessiert gar nicht Ihre Meinung, sondern das, was Sie womöglich weitererzählen könnten.

Ihre Antwort lautet daher sinngemäß stets: Alles lief bestens, ich konnte viel lernen, bin darüber sehr dankbar – nur der andere Job bietet gerade sehr reizvolle Herausforderungen und ich möchte mich weiterentwickeln… Akzeptieren Sie auch kein besseres Gegenangebot. Erstens, weil Sie so unentschlossen wirken. Zweitens, weil Sie bereits als illoyal gelten und die generelle Wechselbereitschaft dokumentiert haben. Sollten irgendwann Stellen doch mal gestrichen werden, steht Ihr Name jetzt eher auf der Liste.

Das ist VOR der Kündigung zu tun:

Bevor Sie diesen finalen Schritt einleiten und kündigen, säubern Sie unbedingt Ihr Büro! Persönliche Dinge sowie Ihr Privateigentum sollten Sie rechtzeitig und vor allem diskret nach Hause schaffen. Das gilt besonders für private Daten auf dem Rechner, Browserverläufe, Passwörter, gespeicherte Texte oder Bilder, die man gegen Sie verwenden könnte. Legen Sie sich auch rechtzeitig einen Giftordner an, in dem Sie Ausdrucke oder Kopien von E-Mails und anderen Schriftsätzen sammeln, die Ihre Verhandlungsposition bei einem möglichen Arbeitsrechtsstreit stärken. Dazu gehören: Drohungen, Unverschämtheiten, Nötigung oder gar Anstiftung zu Straftaten wie etwa Bilanztricksereien. Dieser Ordner gehört logischerweise ebenfalls frühzeitig nach Hause geschafft!

Umgekehrt: Nehmen Sie nichts mit, das Ihnen nicht gehört! Nicht einmal Büroklammern. Auch nicht aus Versehen. Das ist Diebstahl und kann Sie im Streitfall Ihre Abfindung und Ihren guten Ruf kosten. Das betrifft übrigens auch den virtuellen Eigentum, also etwa den Fall, dass Sie Zugang zu sensiblen Informationen oder Geschäftsgeheimnissen haben. Distanzieren Sie sich deutlich davon und dokumentieren Sie so gut es geht, dass Sie diese Informationen nicht verwenden können und werden. Schon im eigenen Interesse sollten Sie sich so schnell und so strikt wie möglich von diesen Informationszuflüssen distanzieren. Dann kann man daraus nichts gegen Sie konstruieren. Das ist keine Paranoia – Rosenkriege gibt’s auch im Berufsleben!

Ihr Anspruch sollte natürlich trotzdem immer sein, im Guten zu gehen. Nicht umsonst heißt es: Man begegnet sich immer zwei Mal im Leben. Bereiten Sie also alles für eine saubere Übergabe vor. Vielleicht gibt es schon einen Nachfolger? Dann helfen Sie ihm! Mit geordneten Dokumenten, Kontakten, Hinweisen zu Abläufen oder informellen Netzwerken, die er nutzen kann. Was Sie an wertvollem (Insider-)Wissen angesammelt haben, sollten Sie an Ihre Kollegen weitergeben. Das beweist guten Willen und Größe.

Denn wie gesagt: Man sieht sich – wieder…