Sie wissen, dass Ihr Chef Sie schätzt und von Ihren Leistungen begeistert ist? Klasse, weiterklicken! Andernfalls: Falls Sie daran zweifeln und dem ignoranten Despoten am liebsten die Nadelstreifen lang ziehen würden – warten Sie lieber einen Moment, bevor Sie ins Chefzimmer stürmen! Sie könnten auch am Mein-Boss-ist-doof-Syndrom leiden…

Diese Geisteshaltung ist gefährlich. Natürlich begegnet man im Berufsleben immer wieder Menschen, die Murks machen und schlechte Einfälle haben. Womöglich ist so jemand sogar Ihr Chef. Dass Sie ihn deswegen für einen unfähigen Nichtskönner halten, ist verständlich, spricht aber gegen Sie. Mag der Alle-sind-doof-außer-mir-Blickwinkel noch so realistisch sein; wer so denkt, betrachtet sich irgendwann als edles Opfer einer Mischpoke aus Versagern. Solche Menschen werden unfähig, den Wert anderer Kollegen mit all ihren Macken und Fehlern anzuerkennen – ganz besonders, wenn diese hierarchisch über ihnen stehen. Sie werden arrogant, bitter und sind schließlich für kein Team mehr tragbar.

Gehen Sie lieber zuerst mit sich in Klausur: Was glauben Sie, ist die Ursache des Übels? Schätzt der Chef gerade diese Meinung nicht, oder findet er sowieso nur seine Ideen gut? Fühlt sich Ihr Ego mies behandelt, oder hat er etwas Konkretes gegen Sie in der Hand? Es ist nicht ganz leicht, zwischen persönlicher Kränkung und echtem Missmanagement zu unterscheiden. Wer Ersteres fühlt und Zweites unterstellt, hat den Kritik-Fight schon verloren. Weitere klassische Fehler sind:

  • Reinkommen, Zettel zücken und dem Boss 37 Vorwürfe à la „Warum haben Sie nicht…?!“ vor die Füße kübeln. Das macht jeden Gesprächspartner aggressiv. Höchste Abfuhrgefahr!
  • Lamentieren. Wer unzufrieden ist, sollte sich vor der Aussprache wenigstens die Mühe machen, seiner Kritik konkrete Konturen zu geben – wenn möglich konstruktiv: „Könnte man nicht auch…?“ Allgemeines Rumnörgeln disqualifiziert, ein überlegter Auftritt dagegen vermittelt Souveränität.
  • Wer mit moralinsauerer Miene aufläuft, darf sich nicht wundern, wenn auch der andere eine Fluppe zieht. Sind die Argumente gut, ist Moral nicht nötig. Sind sie es nicht, helfen Appelle auch nicht weiter. Sätze wie „Ich bin nicht der einzige, der das so sieht…“ gehen immer nach hinten los. Ein schlauer Chef fragt Sie jetzt nach Namen. Und dann werden Sie entweder zur Petze – oder ihr Argument verpufft.
  • Plumpe Vertraulichkeit ist ebenso tabu wie Ironie oder Sarkasmus. Nur weil der Boss einzulenken scheint, ist das noch lange kein Grund, sich im Sessel zurückzulehnen oder überlegen zu grinsen.
  • Erpressung wiederum kommt sicher als Bumerang zurück. Wer mit Kündigung droht oder Dienst nach Vorschrift in Aussicht stellt, sägt immer am eigenen Bürostuhl.

Es ist nun mal so: Wer ohne eine Strategie bei seinem Chef anklopft um ihn zu kritisieren, blitzt in der Regel sofort ab. Die meisten Manager assoziieren Kritik mit Schwäche und reagieren deshalb dünnhäutig. Sie halten es mit Mark Twain: „Ich liebe Kritik, aber ich muss damit einverstanden sein.“

Emotional gesteuerte Spontanangriffe sind zudem immer gefährlich – selbst gegenüber Kollegen. Denn wer sich dabei persönlich gekränkt fühlt, sinnt meist auf Rache. Außerdem wirken solche emotionalen Eruptionen auch nicht gerade souverän. Dennoch macht es Sinn, später bei aller sachlichen Kritik auch Gefühle zum Thema zu machen, damit der Chef weiß, wie seine Poltereien ankommen. Gegenseitige Wertschätzung ist schließlich Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.

Bevor Sie Ihre Argumente sammeln, wechseln Sie aber auch die Perspektive: Beim Schach gewinnt schließlich derjenige, der voraus denkt! Wer sich in die Lage des Chefs versetzt, baut nicht nur Ärger ab, sondern findet oft Erklärungen für die Debatte. Genauso hilfreich: Der Dialog mit Kollegen. Und natürlich lässt sich Substanzielles nie mal eben im Türrahmen klären. Kritik braucht einen Termin!

Im Gespräch dann schaffen Sie bitte zuerst eine gute Atmosphäre. Der Beginn ist entscheidend – für Sie! Bemühen Sie sich um eine sachorientierte Ebene: „Sie sehen das so, ich sehe das so. Wie kommen wir da zusammen?“ Auch nonverbale Faktoren – wie Kopfnicken oder Blickkontakt – zählen. Behalten Sie sich aber auch ein Quäntchen Selbstbewusstsein: Sollte der Chef ständig Telefonate annehmen, hilft nur der Hinweis: „Wenn es jetzt nicht passt, sollten wir einen neuen Termin finden.“

Wer dann noch bei seinen Argumenten zeigt, dass er das Wohl des Unternehmens im Blick behält, hat beste Chancen für sein Anliegen. Je konkreter die Punkte vorgebracht werden und je ruhiger der Ton dabei, desto offener die Ohren beim Gegenüber. „Was ich Ihnen schon immer einmal sagen wollte…“ gehört nicht gerade zu den Highlights der Kritikkunst. Wer den Häuptling dagegen ausreden lässt, obwohl seine Lamentis jedem vernunftbegabten Menschen Pickel ins Gesicht treiben, bekommt eine Taktikmedaille.

Das Wichtigste zum Schluss: Zeigen Sie immer Respekt! Der Typ ist nach wie vor Ihr Boss.